Nur eine Eizelle: Lieber ICSI?


Was macht man, wenn bei der Punktion nur eine Eizelle gefunden wurde? Ist es dann nicht ratsam, eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion durchzuführen, um die Befruchtung der Eizelle mit einer größeren Sicherheit zu gewährleisten und den Ausgang der künstlichen Befruchtung nicht zu gefährden?

Theoretisch keine schlechte Idee und deswegen wird es auch oft so gemacht. Auch nicht schlecht ist die Idee, diese Theorie einmal in einer Studie zu untersuchen. Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat dies bei 311 Patienten in 425 Behandlungszyklen getan. Die einzelne Eizelle bei der Punktion wurde entweder wegen eines geringen Ansprechens auf die Hormonbehandlung gefunden oder weil die Behandlung von vorneherein im natürlichen Zyklus geplant und durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse wurden altersabhängig begutachtet: War die Spermienqualität gut, dann ergaben sich vergleichbare Befruchtungsraten bei ICSI und IVF (67,1% bzw. 75,0%) und etwas höhere Schwangerschaftsraten bei der IVF (0,0% bzw. 8,2%) bei den Frauen unter 39. Bei eingeschränkter Spermienqualität war die Befruchtung im Rahmen der ICSI deutlich besser (85,4% bzw. 44,2%) mit etwas besseren Schwangerschaftsraten (14.6% vs. 4.7%). Statistisch signifikant war jedoch nur der Unterschied bei der Befruchtung in der letztgenannten Gruppe, nicht jedoch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit.

Bei den Frauen über 39 ergaben sich ähnliche Ergebnisse, mit der Ausnahme, dass die Schwangerschaftsraten bei schlechterer Spermienqualität nach Anwendung der ICSI statistisch signifikant besser waren.

Die Autoren empfehlen daher, bei normaler Spermienqualität keine ICSI durchzuführen, nur weil die Zahl der Eizellen niedrig ist. Sie geben an, dass 20 Millionen Spermien pro Milliliter und 35% bewegliche Spermien als Grenzwerte angesehen werden können, bei deren Unterschreiten eine ICSI bessere Ergebnisse bringt.

Gozlan I, Dor A, Farber B, Meirow D, Feinstein S, Levron J
Comparing intracytoplasmic sperm injection and in vitro fertilization in patients with single oocyte retrieval.
Fertil Steril. 2007 Mar;87(3):515-8.


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