Mehr Frühgeburten nach künstlicher Befruchtung?

Ja, aber nicht wegen der Behandlung

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So lange es die künstliche Befruchtung gibt, so lange gibt es auch die Diskussion über mögliche gesundheitliche Schäden der so gezeugten Kinder. Nachweislich treten mehr Frühgeburten nach der IVF auf und auch einige Erkrankungen. Ist das Folge der Behandlung, oder hat das andere Gründe?

Kürzlich machte eine Veröffentlichung die Runde, bei der es um die mögliche Gefahr einer Hochdruckerkrankung bei durch IVF gezeugten Kindern ging. Anlässlich des Artikels dazu schrieb ich einleitend bereits, dass in den meisten Studien die Erkrankungen der Kinder durch die eingeschränkte Fruchtbarkeit der Eltern erklärt werden kann. Und ich musste mich erneut darüber aufregen, dass sehr vorläufige Erkenntnisse aus kleinen Studien in der Presse immer dann auftauchen, wenn man damit die Reproduktionsmedizin kritisieren kann.

Nicht nur schlechte News sind gute News

Während ich sonst eigentlich eher über Frau Lenzen-Schulte aufregen muss, die ihrer Abneigung gegen die IVF mit unsäglicher Faktenverdrehung in der FAZ freien Lauf lässt, musste ich mich damals über DIE ZEIT aufregen. Insbesondere die FAZ greift oft sehr dünne und wenig aussagekräftige Studien heraus, um mit Totgeburt, Krebs und vielem anderen jenen zu drohen, die sich einer IVF unterziehen „möchten“.

Und nun kommt der SPIEGEL zu meiner großen Überraschung daher und präsentiert in seiner online-Ausgabe eine große Studie zum Thema Frühgeburten nach künstlicher Befruchtung, bei der das Risiko durch IVF nicht erhöht zu sein scheint.

Kein erhöhtes Risiko für Frühgeburten durch IVF

Bereits vor gut 10 Jahren wurde in der LANCET eine Studie veröffentlicht, die sich mit den Schwangerschafts-, Geburts- und Gesundheitsrisiken nach einer IVF beschäftigte. Und es steht außer Zweifel: Die Frühgeburtenrate nach IVF ist erhöht. Nun publiziert die gleiche Zeitschrift eine Untersuchung zu Frühgeburten nach künstlicher Befruchtung, in der dies bestätigt wurde.

Nun wird in solchen Analysen in der letzten Zeit oft behauptet, dass die Gründe für die Schwangerschaftskomplikationen vielfältig sind und eher die Eltern die Ursache sind. So  z. B. durch das durchschnittlich höhere Alter der Frau oder Erkrankungen wie Insulinresistenz, Hochdruck etc, die bei Kinderwunsch-Patientinnen häufiger sind als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Eltern sind also die Ursache für Frühgeburten und nicht die IVF-Behandlung?

Das kann man behaupten, teilweise auch belegen, aber beweisen ist schwierig. Finnische Forscher hatten aber eine geniale Idee, um die Frage zu klären: Schließlich gibt es ja Eltern, die ein Kind mit IVF bekommen haben und eines oder mehrere auf normalem Wege gezeugte. Das ist kein so rares Ereignis und offenbar auch in Finnland nicht. Die Forscher konnten die Daten von 1245 Geschwistern in den Geburtsregistern finden, die diese Voraussetzung erfüllten: Gleiche Eltern, unterschiedliche Art der Zeugung.

Das Ergebnis: Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede. Die Kinder kamen in etwas gleich häufig zu leicht oder zu früh zur Welt, unabhängig von der Art ihrer Zeugung.

Der Spiegel meint dazu:

Das Studienergebnis könne Paaren helfen, die mit der Entscheidung hadern, ob sie sich für oder gegen eine künstliche Befruchtung entscheiden sollen. „Paare mit bisher unerfülltem Kinderwunsch müssen sich nicht mehr gegen eine künstliche Befruchtung entscheiden, weil sie dadurch vermeintlich die Geburtsrisiken für ihr Kind erhöhen“, sagt Mikko Myrskylä, Autor der Studie.

 

 


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