Die richtige Dosis finden: Anti-Müller-Hormon hilft



In einem älteren Artikel in diesen News wurde bereits auf die Bedeutung des Anti-Müller-Hormons (AMH) zur Erkennung von low respondern, also Frauen, deren Eierstöcke auf Hormone nicht gut ansprechen, berichtet.

Sensitivität: Bezeichnet die Fähigkeit eines Tests das herauszufinden, was man messen/erkennen möchte, in diesem Fall als die Fähigkeit “low responder” als solche zu erkennen.
Spezifität: Bezeichnet die Fähigkeit eines Tests, die richtigen Fälle herauszufinden.
Eine Studie aus Deutschland widmet sich diesem Thema ebenfalls und unter den gleichen Voraussetzungen wie in der oben genannten Studie. Während die Ergebnisse der älteren Studie jedoch nur eine geringe Sensitivität und Spezifität (80% bzw. 85%) zeigte, sind die Ergebnisse der aktuellen Studie wesentlich besser hinsichtlich der Vorhersage der Reaktion der Eierstöcke.

Dazu wurde bei Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen mussten, routinemäßig das AMH im Blut bestimmt und mit dem Ausgang der Behandlung korreliert. Es wurden dazu 132 Behandlungszyklen ausgewertet, und das Alter, FSH-, Inhibin B- und AMH-Spiegel im Blut hinsichtlich seines Einflusses auf die Zahl der gewonnen Follikel hin untersucht.

Wenn man eine geringe Antwort auf die Hormongaben (low response) als eine Eizellzahl unter 5 definierte, dann konnte man diese Frauen mit AMH-Werten unter 1,26 ng/ml bereits im Vorfeld mit einer Sensitivität von 97% erkennen. In 98% gelang die Voraussage einer normalen Reaktion der Eierstöcke, wenn die AMH-Werte darüber lagen.

Waren die Blutwerte des Anti-Müller-Hormons niedriger als 0,5 ng/ml, fand sich in 88% der Fälle eine sehr geringe Eizellzahl von weniger als 3. Eine Vorhersage der Schwangerschaftsrate war damit jedoch nicht möglich.

Die Bestimmung des Wertes korreliert also hochsignifikant mit der Reaktion auf die hormonelle Stimulation und kann bei der Planung einer IVF-Behandlung hilfreich sein, jedoch nicht zur Erfolgsabschätzung.

Über die Ergebnisse dieser Studie hinaus sei auch darauf hingewiesen, dass auch der umgekehrte Schluss hilfreich sein kann, denn hohe AMH-Werte zeigen ein hohes Risiko für ein Überstimulationssyndrom und kann damit helfen, die Dosis bei diesen Patientinnen nach unten anzupassen.

Gnoth C, Schüring AN, Friol K, Tigges J, Mallmann P, Godehardt E
Relevance of anti-Mullerian hormone measurement in a routine IVF program.
Hum Reprod. 2008 Apr 2 [Epub ahead of print]


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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    Marijke schreibt

    Vielen Dank, lieber Dr. Breitbach, für diesen kurzen und sehr gut verständlichen Artikel, der ein für mich gerade hochaktuelles Thema behandelt. Super!
    (Auch im Forum hatten Sie meine Frage in diesem Zusammenhang kürzlich bereits sehr nett beantwortet, dafür auch noch mal vielen Dank.)

    Herzlichen Gruß
    Marijke