300 Einheiten sind genug


Frauen, die auf eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke nur schlecht reagieren, werden auch als „low responder“ bezeichnet und in unserem entsprechenden Kapitel im Theorie-Teil finden sich einige Hinweis und Links zu möglichen Therapieformen. Dabei ist es selten möglich, die Funktion der Eierstöcke zu verbessern, Ziel der Behandlung sollte es sein, deren eingeschränkte Funktion möglichst optimal auszunutzen.

Um eine IVF durchzuführen, werden im Vorfeld Hormone gegeben, um die Anzahl der Eizellen zu erhöhen, die durch die Eierstöcke zur Verfügung gestellt werden. Dazu gibt es verschiedene Protokolle, wobei bei „low responderinnen“ vorzugsweise das Ultrashort-Protokoll und das Antagonisten-Protokoll favorisiert werden, wobei man trefflich darüber streiten kann, welches das beste Verfahren ist.

Abgesehen davon besteht aber auch immer noch die Auffassung, dass man der schlechten Reaktion der Eierstöcke auf die Hormongaben dadurch Rechnung tragen sollte, indem man sehr hohe Hormon-Dosierungen wählt, wobei auch hier gegenteilige Meinungen und Studienergebnisse zu erwähnen sind. Sogar die Behandlung im natürlichen Zyklus wird als spezifisches Protokoll für spezielle Fälle empfohlen.

Wo aber ist die Obergrenze der täglichen Hormongabe, deren Überschreiten medizinisch nicht zu rechtfertigen und lediglich teuer ist? Für das Ultra-Short-Protokoll versuchte dies eine türkische Arbeitsgruppe herauszufinden.

Im Rahmen dieses Protokolls wurden den Patientinnen ab dem dritten Tag 300 Einheiten (n=38), 450 Einheiten (n=39) oder 600 Einheiten (n=42) Gonadotropine gespritzt.

  • Die Schwangerschaftsraten betrugen 13,1%, 15,3% bzw. 16,1%
  • Ebenfalls keine Unterschiede fanden sich bei der
    • Dauer der Stimulation
    • den maximalen Östrogenwerten
    • der Zahl der gewonnen reifen Eizellen
    • der Zahl der Lebengeburten
    • der Zahl der Abbrüche wegen zu geringer Reaktion der Eierstöcke
  • Der Verbrauch an (teuren) Hormonen hingegen unterschied sich statistisch signifikant

Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass eine Stimulation auch bei low respondern nicht höher als 300 Einheiten am Tag sein sollte, da es medizinisch keinen sinnvollen Grund dafür gibt und darüber hinaus den Patienten weniger Kosten entstehen.

Berkkanoglu M, Ozgur K
What is the optimum maximal gonadotropin dosage used in microdose flare-up cycles in poor responders?
Fertil Steril. 2009 Apr 13. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Na, das ist doch mal ’ne Aussage. Und die Stichprobe ist zwar klein, aber sooo klein nu auch wieder nicht, als dass man damit nicht was anfangen könnte.

  2. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Da finde ich ja bestätigt, was mein Doc zu mir meinte. Mehr Stimulation als 300 IE wendet er gar nicht an, zur Freude des Geldbeutels ;-).