Künstliche Spermien. Noch ein Durchbruch?


Um seine Gene als Mann weitergeben zu können, benötigt man Spermien. Auch wenn man Hilfe der künstlichen Befruchtung nur wenig davon braucht, ist die Erzeugung „künstlicher“ Samenzellen beim Menschen jedoch schwierig. Bereits 2006 wurden die ersten Erfolge im Tierexperiment publiziert. Über Erfolge bei der Herstellung männlicher Gameten aus Stammzellen konnte im Jahr 2011 – ebenfalls bei Mäusen – berichtet werden. Noch einen Schritt weiter gingen japanische Forscher, die Spermien und Eizellen aus adulten Stammzellen (letztlich also aus Hautzellen) produzieren konnten.

Mäuse sind keine Menschen

Aber auch hier wies der leitende Forscher darauf hin, dass Mäuse anders (vor allem besser) als der Mensch funktionieren, wenn es um die Fortpflanzung geht. Eine Züchtung von menschlichen Samenzellen gelang bislang nicht. Nun berichtet das „Institut de Génomique Fonctionnelle“ aus Lyon über einen solchen Erfolg. Die Forschungsergebnisse sind noch nicht im Detail publiziert und es wurden bereits erste Zweifel geäußert, ob die Behauptung der Forscher, man hätte reife Spermien produziert, überhaupt zutrifft.

„Bioreaktor“

Der britische Androloge Allan Pacey wird vom Telegraph zititiert, die französischen Kollegen hätte „eine kühne Behauptung aufgestellt“. Er stößt sich auch an der Tatsache, dass die französischen Forscher nicht bis zur Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Publikation gewartet haben. „Das Bild der Samenzelle sieht nicht überzeugend aus. Es sieht nicht aus wie eine reifes Spermium.“

Foto von Iqbal Osman1
So ähnlich müssten die Spermien aussehen.

Die französischen Forscher geben an, aus unreifen Samenzellen einer Hodenbiopsie in einem „Bioreaktor“ reife Samenzellen kultiviert zu haben, ohne im Detail die verwendete Technik dazulegen. Dennoch hängen sie sich jetzt bereits weit aus dem Fenster und behaupten, „mit dieser Methode könne man vielen Männer helfen, denen die Spermien im Ejakulat fehlen, z. B. nach einer Chemotherapie“.

Das Fehlen der Spermien nach Chemotherapie ist jedoch Folge der völligen Zerstörung der spermienbildenden Zellen. Mir stellt sich die Frage, wie man mit einer Biopsier dann noch Zellen aus dem Hoden gewinnen kann. Die Anwendung ist daher vermutlich gedacht für präpubertäre Jungen, die vor einer Chemotherapie keine Spermien einfrieren können, sondern nur Hodengewebe aus einer Biopsie.

Wie auch immer. Wir lassen diesen Artikel mal ein wenig in der Datenbank liegen und kommen vielleicht später darauf zurück, wenn die Methode wirklich nachweislich funktioniert. Möglicherweise also nie.

Foto von Iqbal Osman1


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Berkan schreibt

    Wie können wir als Ehepaar auf diese Weise Kinder bekommen?
    Leider habe ich als Mann keine Spermien

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Berkan: Ich würde da gerne weiterhelfen, aber die Methode ist nur experimentell und wird in keiner Klinik (meines Wissens) angeboten