Künstliche Gebärmutter: Studie geplant


Über die neue Methode, Eizellen in der Gebärmutter zu befruchten, statt dies wie üblich im Labor zu tun, habe ich ja bereits zweimal berichtet. Nachdem diese neue Methode über Pressemitteilungen „gehyped“ wurde, findet man nun erstmals einige Fakten (und mehr Bildmaterial) in einem Artikel des New Scientist.

Wie bereits berichtet, handelt es sich dabei um einen Silikonbehälter, in dem Spermien und Eizellen in der Gebärmutter platziert werden können und in dem dann der Befruchtungsprozess stattfinden soll. Durch 360 kleine Löcher soll ein Autausch von Gebärmutterflüssigkeit ermöglichst und ein günstiges Klima für die Befruchtung geschaffen werden.

silikongebaermutter3.jpgDer Behälter soll bis zu 5 Tage in der Gebärmutter verbleiben,womit man die Embryonen also sogar bis zum Blastozystenstadium kultivieren könnte.

Der verschlossene Behälter wird dann an einem Draht, der aus dem Gebärmutterhals heraushängt wieder aus der Gebärmutter entfernt. Die befruchteten und weiterentwickelten Eizellen werden dann unter dem Mikroskop begutachtet und die besten für den Transfer ausgewählt. Die Silikonkapsel ist lediglich einen halben Zentimeter lang und weist weniger als einen Millimeter Durchmesser auf.

Studie in England vergleicht die Methode mit konventionellem Labor

Bisher wurde nur eine kleine Studie in Belgien durchgeführt, die Ergebnisse sind jedoch noch nicht aussagekräftig und zeigen lediglich, dass die Methode funktionieren könnte. Seit letzter Woche werden nun in Großbritannien 40 Frauen ausgewählt, die mit dieser Methode behandelt werden sollen. Bei jeder Frau werden zwischen 8 und 12 Eizellen gewonnen und die Hälfte konventionell im Labor und die andere Hälfte in dem Silikoncontainer befruchtet (kontrollierte Studie).

Die Hälfte der Behälter werden nach zwei Tagen entfernt und die die Embryonen einer Präimplanationsdiagnostik auf genetische Fehler unterzogen. Die anderen Container verbleiben für 4 Tage und die Qualität der Embryonen wird anschließend lediglich nach ihrem Ausehen beurteilt.

Der Leiter der Studie, Simon Fishel, äußert die Hoffnung, dass die Bedingungen in der Gebärmutter besser als im Labor seien, da man die ständig wechselnden Umgebungsbedingungen im Körper im Reagenzglas nur unzureichend nachstellen könne.

Nicht nur einfacher, sondern auch erfolgreicher?

Er hofft, dass die Embryonen durch das neue Verfahren überlebensfähiger werden und sich die Schwangerschaftsraten dadurch erhöhen. Fishel gibt jedoch zu, dass die Embryonen sich in der Gebärmutter zu diesem Zeitpunkt auch nicht in ihrer natürlichen Umgebung befinden, da Embryonen in den ersten Tagen ihrer Entwicklung noch im Eileiter auf dem Weg zur Gebärmutter unterwegs sind.

Experten skeptisch

Das bestätigt auch der Sprecher der British Fertility Society, Laurence Shaw:“Das ist sehr viel näher an den Eileitern als die Petrischale, aber man muss die Ergebnisse der Studie abwarten, ob das Milieu der Gebärmutter ausreichend ist.

Peter Braude vom King’s College London sieht sogar eher Nachteile, da Embryonen in einem so frühen Stadium in der Gebärmutter eigentlich noch nichts verloren haben.

Der Silikon-Behälter ist zwar wesentlich kleiner als in der Abbildung, jedoch stellt sich auch die Frage, inwieweit sich das Milieu der Gebärmutterhöhle durch diesen Fremdkörper negativ verändert oder dieser durch den in die Scheide führenden Draht sogar Infektionen verursachen kann. Ob damit dann optimale Voraussetzungen für den später durchzuführenden Transfer bestehen, ist unbekannt und fraglich.

Interessant ist jedoch, dass bereits Presseerklärungen der Herstellerfirma kursieren und von der Laienpresse übernommen werden, obwohl die Efffektivität der Methode noch nicht einmal annähernd bewiesen ist. Da die ersten Nachrichten von Finanzzeitschriften abgedruckt wurden, liegt der Schluss nahe, dass dies vor allem der Beruhigung der Geldgeber diente.


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Hara schreibt

    Wenn über ca. 5 Tage ein Draht aus der Gebärmutter reicht u. damit auch durch die Scheide führt, könnte das neben drohenden Infektionen eine weitere unangenehme Nebenwirkung mit sich bringen. Kann es sein, dass der Draht beim Geschlechtsverkehr irgendwie "stört" – also zumindest den beteiligten Mann???

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Hara: wenn Sie so fragen, dann könnte ich mir das durchaus vorstellen. Nein, ich stelle es mir lieber nicht vor 😉

    ich könnte mir darüber hinaus ebenfalls vorstellen, dass Verkehr in diesem Zeitraum ärztlicherseits verboten wird, weil der Behälter sonst dislozieren könnte

  3. Elmar Breitbach
    natascha schreibt

    meine frage ist kann man eine gebärmutter einpflanzen

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @natascha: Nein, leider nicht

  5. […] über die Befruchtung in der Gebärmutter auch in der Laienpresse diskutiert worden und hier wurde auch darüber berichtet. Studienergebnisse dazu gibt es jedoch noch nicht […]

  6. Elmar Breitbach
    Marcel schreibt

    Bald brauchen wir die Frauen nicht mehr. 😉

  7. Elmar Breitbach
    Babsi schreibt

    Hallo, mein Name ist Babsi…

    Ich habe mir vor 7 Jahre meine Eileiter und Gebärmutter entvernen lassen (Krankheitsbedingt).

    Ich habe jetzt seit 5 Jahren einen Freund und wir haben einen sehr großen Wunsch nach Kindern.

    Besteh irgentwie die Möglichkeit, uns diesen Wunsch zu erfüllen?

    Liebe grüße

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Babsi: Ich habe dies hier schon verschiedentlich beantwortet und leider hat sich daran nichts geändert: Es wird zwar geforscht, jedoch gibt es abgesehen von der in Deutschland verbotenen Leihmutterschaft keine Möglichkeit, ein Kind zu bekommen.