Künstliche Befruchtung: Verbrauch von Eizellen und frühere Wechseljahre?

Führt eine künstliche Befruchtung zu früheren Wechseljahren?


Bei der IVF und ICSI lässt man durch Hormone viele Eizellen heranreifen und entnimmt sie dann zur Befruchtung in der Petrischale. Führt dies nach mehreren Behandlungen zu einem Verlust von Eizellen bis hin zum früheren Eintritt der Wechseljahre?

Wenn man sich einer künstlichen Befruchtung unterzieht, werden Hormone gegeben, damit mehrere Eizellen heranreifen. Diese werden dann entnommen und außerhalb des Körpers befruchtet. Normalerweise reifen jedoch nur 1-2 Follikel in einem Zyklus heran. Demzufolge wäre ja anzunehmen, dass man durch solche Behandlungen mehr Eizellen als üblich verbraucht und daher dann später weniger Eizellen zur Verfügung stehen. Vorzeitige Wechseljahre könnten die Folge sein oder zumindest eine verminderte Aktivität der Eierstöcke. Das ist zumindest die Sorge vieler Frauen, die eine solche Behandlung durchführen lassen müssen.

Verliert man wirklich Eizellen durch eine IVF?

Nicht wirklich. Eine Studie, über die weiter unten zu sprechen sein wird, kann diesbezüglich beruhigen. Aber zunächst einmal ein wenig Theorie. Junge Frauen gehen in jeden Zyklus mit bis zu zwanzig kleinen Follikeln, den sogenannten Antralfollikeln.  Was ein Antralfollikel ist, wird hier erklärt. Diese kleinen Follikel gehen in ein Wettrennen, das der schnellste – oder beste – Follikel gewinnt. die anderen Verkümmern und verschwinden schließlich wieder.

Es ist also durchaus normal, dass Eibläschen kommen und gehen. Die meisten verschwinden, ohne je eine Chance auf einen Eisprug gehabt zu haben. Bei einer hormonellen Stimulation stimuliert man also nicht massenhaft Eizellen herbei, sondern bewirkt durch die Hormongaben lediglich das Heranreifen eines großen Teils der Antralfollikel, die ohnehin vorhanden sind und verbrauchen keine Follikel zusätzlich.

Studie bestätigt dies

Eine Studie aus Österreich untersuchte diese Fragestellung an einer Gruppe von 125 Patientinnen1)Marschalek J, Ott J, Aitzetmueller M, Mayrhofer D, Weghofer A, Nouri K, Walch K
The impact of repetitive oocyte retrieval on the ovarian reserve: a retrospective cohort study.
Arch Gynecol Obstet. 2019 Feb 21. doi: 10.1007/s00404-019-05098-9
. Diese Frauen hatten im Zeitraum von 2007 bis 2017 insgesamt drei oder mehr IVF oder ICSI bekommen. Um die Aktivität der Eierstöcke und ihre Veränderung einschätzen zu können, wurde vor Beginn der Therapie und nach ihrem Abschluss der AMH-Wert bestimmt.

Insgesamt war der AMH vor der ersten, zweiten und dritten IVF durchschnittlich 3,8 ng/ml, 3,3 ng/ml und 3,0 ng/ml. Der Unterschied oder Abfall der Werte war eher gering und statistisch nicht signifikant.

Bei einem PCO-Syndrom stellte sich das Ganze anders dar. Hier waren die Werte vor dem ersten IVF-Zyklus 9,7 ng/ml und vor dem dritten 5.3 ng/ml. Das ist statistisch signifikant. Betrachtete man den Verlauf bei Frauen, die wegen anderer Sterilitätsursachen behandelt wurden (Endometriose, eingeschränkte Spermienqualität, idiopathische (ungeklärte) Sterilität oder verschlossen Tuben), dann fand sich keine Verminderung des AMH-Werts über die Therapie oder vielmehr durch die Therapie, denn das war ja die Fragestellung.

Schlussfolgerung

Der AMH-Wert verminderte sich lediglich bei den Frauen, deren Eierstöcke überaktiv sind, also ein PCO-Syndrom hatten. Bei allen anderen hatte die wiederholt durchgeführte IVF keinen Einfluss auf den AMH-Wert und die Aktivität der Eierstöcke. Sicherlich sind Studien mit höheren Patientenzahlen und einer prospektiven Erfassung der Daten notwendig, um diese Ergebnisse zu verifizieren. Aber die beruhigende Aussage, dass die IVF keine Eizellen „verbraucht“, kann man aktuell bestätigt sehen.


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Literatur   [ + ]

1. Marschalek J, Ott J, Aitzetmueller M, Mayrhofer D, Weghofer A, Nouri K, Walch K
The impact of repetitive oocyte retrieval on the ovarian reserve: a retrospective cohort study.
Arch Gynecol Obstet. 2019 Feb 21. doi: 10.1007/s00404-019-05098-9
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Spermienmonster schreibt

    Wie sieht es aus bei Frauen, die durch ICSI-Komplikationen wie eine Ovarialtorsion die Funktionsfähigkeit eines Eierstocks eingebüßt haben? Dazu gibt es wahrscheinlich keine Daten, aber wie wäre Ihre Einschätzung, Herr Dr. Breitbach?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Es kommt darauf an. Bei jungen Frauen macht es wenig, weil der eine Eierstock das problemlos kompensiert. Da ist auch eine weitere IVF problemlos möglich. Aber – das habe ich jetzt im Artikel nicht erwähnt – es ist ja ohnehin nicht so, dass die Wechseljahre eintreten, wenn die Eizellen verbraucht sind. Jede Frau nimmt noch einige hundert Eizellen mit in die Menopause. Nur reifen diese nicht mehr aus.

    Vermutlich treten die Wechseljahre also nach einer einseitigen Ovarektomie nicht früher auf