Kryotransfer: Wie sinnvoll ist es, nach dem Transfer hCG zu spritzen?


Anlässlich eines Beitrags aus dem Forum, habe ich mir die Frage selbst gestellt, inwieweit es sinnvoll ist, das Schwangerschaftshormon hCG nach dem Transfer zu geben. Wohlgemerkt nicht in natürlichen Zyklen, sondern solchen, in denen die Schleimhaut vorher mit Östrogenen aufgebaut wurde.

Wenn man im Rahmen einer IVF oder ICSI überschüssige Eizellen oder Embryonen eingefroren hat, kann man diese später wieder auftauen und in die Gebärmutter einsetzen. Wichtig ist es in diesen Fällen, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung vorzubereiten. Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren, die in einem anderen Artikel ausführlich erörtert werden.

Vorbereitung des Kryotransfers mit Östrogenen

Bei einem sehr häufig verwendeten Verfahren verabreicht man zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zunächst Östrogene. Anschließend gibt man später Gelbkörperhormone hinzu. Dadurch imitiert man die hormonellen Vorgänge eines natürlichen Zyklus und bereitet die Schleimhaut auf die Einnistung eines Embryos vor. Allerdings hat die so behandelte Frau dann keinen Follikel, Eisprung oder Gelbkörper. Alle Hormone werden medikamentös verabreicht.

Im natürlichen Zyklus – wenn also ein Eisprung stattgefunden hat – kann man die Gelbkörperhormonproduktion zusätzlich anregen durch die Gabe von hCG. Das Schwangerschaftshormon führt dann zu einer verstärkten Progesteronproduktion der Gelbkörper.

Wenn die Frau jedoch mit Östrogenen und Gelbkörperhormonen – also medikamentös – auf den Kryotransfer vorbereitet wird, hat sie keinen Gelbkörper, der auf eine solche hCG-Gabe reagieren könnte. Man weiß jedoch auch, dass die Schleimhaut der Gebärmutterhöhle selbst hCG produziert und auch Rezeptoren dafür ausbildet. Deswegen – oder aus reiner Experimentierfreude – wird gelegentlich auch in den medikamentöse vorbehandelten Kryozyklen nach dem Transfer das Schwangerschaftshormon gespritzt. So, und nun endlich die Fragestellung, die hier beantwortet werden sollte:

Fördert die Gabe von hCG im künstlichen Zyklus beim Kryotransfer die Einnistung?

Kurz und knapp: Nein. Es gibt nur wenige Studien, die diese hCG-Gaben in einem sogenannten Substitutionszyklus untersuchten. Nur drei Studien untersuchten die hCG-Gabe mit einer Kontrollgruppe. In den Studien wurden 1731)Shiotani M, Matsumoto Y, Okamoto E, Yamada S, Mizusawa Y, Furuhashi K, Ogata H, Ogata S, Kokeguchi S
Is human chorionic gonadotropin supplementation beneficial for frozen and thawed embryo transfer in estrogen/progesterone replacement cycles?: A randomized clinical trial.
Reprod Med Biol. 2017 Apr 4;16(2):166-169
1652)Ben-Meir A, Aboo-Dia M, Revel A, Eizenman E, Laufer N, Simon A
The benefit of human chorionic gonadotropin supplementation throughout the secretory phase of frozen-thawed embryo transfer cycles.
Fertil Steril. 2010 Feb;93(2):351-4
und 1303)Eftekhar M, Rahmani E, Eftekhar T
Effect of adding human chorionic gonadotropin to the endometrial preparation protocol in frozen embryo transfer cycles.
Int J Fertil Steril. 2012 Oct;6(3):175-8
Behandlungszyklen untersucht und die Patientinnen bekamen entweder eine hCG-Spritze nach dem Embryotransfer oder nicht (Kontrollgruppe). In keiner der Studien ergab sich ein statistisch signifikanter Unterschied im Hinblick auf die Schwangerschaftsrate oder die Zahl der Lebendgeburten.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass nach einer Vorbehandlung mit Östradiol und Progesteron (Kaufmann-Schema) für einen Kryotransfer die anschließende Gabe des Schwangerschaftshormons hCG keinen Nutzen hat.

 


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Literatur   [ + ]

1. Shiotani M, Matsumoto Y, Okamoto E, Yamada S, Mizusawa Y, Furuhashi K, Ogata H, Ogata S, Kokeguchi S
Is human chorionic gonadotropin supplementation beneficial for frozen and thawed embryo transfer in estrogen/progesterone replacement cycles?: A randomized clinical trial.
Reprod Med Biol. 2017 Apr 4;16(2):166-169
2. Ben-Meir A, Aboo-Dia M, Revel A, Eizenman E, Laufer N, Simon A
The benefit of human chorionic gonadotropin supplementation throughout the secretory phase of frozen-thawed embryo transfer cycles.
Fertil Steril. 2010 Feb;93(2):351-4
3. Eftekhar M, Rahmani E, Eftekhar T
Effect of adding human chorionic gonadotropin to the endometrial preparation protocol in frozen embryo transfer cycles.
Int J Fertil Steril. 2012 Oct;6(3):175-8
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Lilja schreibt

    Gibt es auch Studien darüber, ob es etwas bringt einige Tage VOR dem Transfer im künstlichen Zyklus HCG zu spritzen? Hierzu tendieren manche Praxen. Argumentiert wird, dass die Schleimhaut trotz oder gerade wegen dem künstlichen Zyklus durch die HCG-Gabe "getriggert" wird. Von einer HCG-Injektion nach dem Transfer hatte ich hingegen bisher noch nichts gehört.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Man kann natürlich trefflich spekulieren, zumal ja wirklich in der Gebärmutter Spuren von hCG gebildet und dort auch Rezeptoren vorhanden sind. Allein der Nachweis für die Richtigkeit dieser Überlegungen ist nicht vorhanden.

    Persönlich halte ich beides für wenig plausibel.