Künstliche menschliche Eizellen gezüchtet

Erstmals ist es gelungen, eine menschliche Eizelle künstlich herzustellen

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Aufgrund von Erkrankungen oder auch angeboren, bilden manche Frauen keine Eizellen in den Eierstöcken. Die häufigste Ursachen sind Chemotherapien bei Krebserkrankungen oder vorzeitige Wechseljahre. Nun wurden erstmals menschliche Eizellen gezüchtet. Lässt sich damit eine Eizellspende vermeiden?

Schon vor einiger Zeit gelang es, Spermien und Eizellen aus Gewebezellen zu „züchten“. Bislang waren diese Erfolge auf Experimente mit Mäusen beschränkt. Die Übertragung der Techniken auf den Menschen ist jedoch weitaus schwieriger als im Tierexperiment, wie die Wissenschaftler damals berichteten.

Nun gelang es,  menschliche Eizellen aus Eierstockgewebe herzustellen1)Metaphase II oocytes from human unilaminar follicles grown in a multi-step culture system
McLaughlin M., Albertini D.F., Wallace W.H.B., Anderson R. A., Telfer E. E.
MHR: Basic science of reproductive medicine, https://doi.org/10.1093/molehr/gay002
. Dazu wurde Ovargewebe junger Probandinnen (im Rahmen von Kaiserschnitten) gewonnen und aus diesen Biopsien durch eine Kultur in unterschiedlichen Medien reife und befruchtungsfähige Eizellen gewonnen. Ausführlich wird das Verfahren in dem online zugänglichen Artikel beschrieben.

Keine künstliche Eizellen

Es handelt sich also nicht um künstliche Eizellen, wie auch in der Presse nun verschiedentlich beschrieben, sondern um Eizellen aus dem Gewebe menschlicher Eierstöcke. Der große Fortschritt besteht darin, dass extrem unreife Follikel und somit auch Eizellen von jungen Mädchen vor der Pubertät gewonnen werden können. Insbesondere für Mädchen, die sich im Kindesalter einer Chemotherapie wegen eines bösartigen Tumors unterziehen müssen, könnten dann später mit Hilfe ihrer eigenen Eizellen schwanger werden.

Aber auch erwachsene Frauen können davon profitieren, wenn sie eine Chemotherapie benötigen. Denn die Durchführung einer Ovarbiopsie ist verhältnismäßig einfach und vor allem schneller durchführbar als die Konservierung von Eizellen nach hormoneller Stimulation der Eierstöcke, wie es auch beim „Social freezing“ durchgeführt wird.

Tieferes Verständnis der Eizellentwicklung

Die Forscher erhoffen sich darüber hinaus natürlich auch ein besseres Verständnis im Hinblick auf die Entwicklung von Eizellen im Eierstock – ganz besonders innerhalb der sehr frühen Entwicklungsphase. Möglicherweise erhellen die Forschungsergebnisse auch die Störungen der frühen Eizellreifung bei einem PCO-Syndrom, wo die Ausreifung zur befruchtungsfähigen Eizelle ja nicht stattfindet.

Es wird noch Jahre bis zur sicheren Anwendung dauern

Die Wissenschaftler aus Edinburgh und New York treten aber auf die Euphoriebremse. Man habe jetzt zwar menschliche Eizellen gezüchtet, aber vermutlich werden noch Jahre vergehen, bis diese neuen Erkenntnisse therapeutisch genutzt werden können. Vorher müssen die technischen Abläufe ausreichend sicher sein und natürlich auch negative Einflüsse auf die Nachkommen ausgeschlossen werden.


Literatur   [ + ]

1. Metaphase II oocytes from human unilaminar follicles grown in a multi-step culture system
McLaughlin M., Albertini D.F., Wallace W.H.B., Anderson R. A., Telfer E. E.
MHR: Basic science of reproductive medicine, https://doi.org/10.1093/molehr/gay002

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