Kinderwunsch und Corona-Impfung: Was weiß man darüber?

Ist eine Impfung gegen Covid 19 bei Kinderwunsch anzuraten?


Nach fast einem Jahr der Bedrohung durch das Covid-19-Virus (Das? Der?) steht nun endlich eine Impfung zur Verfügung. Was weiß man über Kinderwunsch und Corona-Impfung? Was sagen die Fachgesellschaften?

Covid 19 und Schwangerschaft

Zunächst ist ja bei Kinderwunsch die Frage zu klären, ob eine zusätzliche Gefahr für die Mütter und ihr ungeborenes Kind besteht, wenn sie sich mit Corona infiziert. Auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts findet man diesbezüglich beruhigende Informationen: „Infizierte und nicht-infizierte Schwangere unterschieden sich hier nicht hinsichtlich mütterlichem oder kindlichem Outcome und die Rate an schwereren COVID-19-Verläufen von 5% entsprach der in der Allgemeinbevölkerung erwarteten. Eine Hospitalisierung erfolgte i.d.R. aus geburtshilflicher Indikation und nur in 6% wegen COVID-19 […]. Auch erste Auswertungen der Daten des CRONOS-Registers legen bei den untersuchten Schwangeren in Deutschland einen überwiegend günstigen Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 nahe“.

Natürlich können diese Aussagen nur vorläufig sein, wie so vieles zum Thema Covid 19. Aber es ist davon auszugehen, dass man seinen Kinderwunsch nicht aus Sorge vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft aufschieben muss.

Kinderwunsch und Corona-Impfung

Auch wenn der Beginn etwas zähflüssig ist, so steht auch für Frauen mit Kinderwunsch in den nächsten Monaten eine Impfung gegen das Corona Virus an. Und so kann es sein, dass man – ohne es schon zu wissen – schon in der Frühschwangerschaft geimpft wird. Oder man hat endlich den Impftermin, aber auch gerade einen positiven Schwangerschaftstest. Kann man dann noch eine Impfung durchführen lassen?

Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Zunächst einmal ein kleiner Abstecher in die Gerüchteküche. Es ist immer wieder zu lesen und zu hören, dass die Impfung gegen Corona unfruchtbar macht. Worauf beruht diese Aussage? Alle Impfungen versuchen, den Körper zur Produktion von Antikörpern gegen das Corona-Virus anzuregen. Hier vor allem gegen die Oberfläche, mit dem das Virus an die menschlichen Zellen „andockt“. Hier sind vor allem die Spike Proteine zu nennen (die „lustigen“ kleinen Antennen auf dem Virus).

Die Gerüchteköche und – köchinnen behaupten nun, dass das Spike Protein von SARS-CoV-2 und Syncitin-1, ein Protein, das auf dem Mutterkuchen vorkommt, ähnelt. Eine Impfung würde daher auch Antikörper gegen den Mutterkuchen auslösen, so die Behauptung. Wissenschaftliche Belege für diese Behauptung gibt es jedoch nicht. Weder ähneln sich die Proteine, noch sind Kreuzreaktionen beobachtet worden. Übrigens auch nicht bei Frauen, die  an Covid 19 erkrankt sind und dann später schwanger wurden. Hier sind die beobachteten Schwangerschaftsverläufe nicht auffällig, vor allem wurde keine erhöhte Anzahl an Fehlgeburten gesehen.

Impfung mit Erbgut

Machen wir gleich weiter mit der nächsten Sorge; Die Hauptsorge gilt der Tatsache, dass die ersten zugelassenen Impfungen mRNA-Impfstoffe sind. Also Erbgut von Viren enthalten. Wenn man das so liest, klingt das nicht wirklich gut. Erst einmal die Theorie:

Was ist die RNA?

Im Zellkern findet sich das menschliche Erbgut in Form der DNA (Desoxyribonukleinsäure). Hier finden sich alle Informationen für die Funktion der Zelle. Und aller anderen Zellen. Es macht aber natürlich keinen Sinn, wenn in den Leberzellen die gleichen DNA-Abschnitte aktiv sind wie in den Herzmuskelzellen. Beide Zelltypen müssen zwar – wie fast alle anderen Zellen auch – Eiweiße herstellen, um richtig funktionieren zu können, aber eben nur ein paar und nicht alle, die auf der DNA hinterlegt sind. Auch ist es nicht zweckmäßig, wenn die Herstellung der Eiweiße direkt im Zellkern stattfindet, wo sich die DNA befindet. Die sogenannten Ribosomen, in denen die Eiweiße (Proteine) hergestellt werden, befinden sich daher außerhalb des Zellkerns.

Nun muss also die Information der DNA (und nur kleiner Sequenzen davon) irgendwie zu diesen Ribosomen gelangen. Das geschieht mit einem Botenstoff (daher auch mRNA, das „m“ steht für „messenger“), der diese Information im Zellkern abliest und an die Ribosomen weitergibt. Wenn die Information übermittelt wurde und das Protein hergestellt, wird die RNA wieder aufgelöst.

Befehlskette geht in eine Richtung

Der Zellkern hat alle Informationen und gibt diese stückchenweise an die Eiweißproduzenten (Ribosomen) weiter. Dazu dient die mRNA. Die Ribosomen stellen gemäß der Informationen der mRNA die Eiweiße her. Dieser Prozess läuft nur in eine Richtung. Rückwärts funktioniert er nicht. Weder sind die Proteine in der Lage, mRNA herzustellen oder deren Herstellung anzustoßen, noch ist die mRNA in der Lage, die DNA zu verändern.

Fremde mRNA im menschlichen Körper ist etwas Alltägliches

Woher man das weiß? Nun aus vielen experimentellen Studien, aber auch aus ganz praktischen Beobachtungen heraus. Was macht denn ein Virus, wenn es sich in unserem Körper breitmacht? Nehmen wir mal ein ganz normales Erkältungsvirus (übrigens auch ein Coronavirus). Viren möchten nur eines: sich fortpflanzen. Dazu fehlt ihnen aber so gut wie alles: Ein paar Rezeptoren und Enzyme, um in menschliche Zellen einzudringen und ein wenig mRNA, auf denen der Bauplan des Virus steht, ist die ganze Ausstattung. Genau: Erkältungsviren dringen in menschliche Zellen ein und nutzen deren Fähigkeit, Eiweiße herzustellen, um sich zu kopieren (= „fortzupflanzen“). Dass menschliche Zellen also durch fremde mRNA manipuliert werden, passiert ständig.

Nutzen der mRNA für etwas Sinnvolles

Die mRNA-Impfstoffe enthalten den Bauplan für Oberflächenbestandteile des Virus (Spike Proteine). Also nur ein kleines Stück des Virus. Diese Baupläne werden von den Zellen ausgelesen und die Spike Proteine entsprechend nachgebaut. Bei Kontakt mit dem Immunsystem bildet dies dann Antikörper gegen diese Spike Proteine. Dadurch wird das Virus am Eindringen in die menschlichen Zellen gehindert, wenn es nach der Impfung irgendwann den geimpften Menschen infiziert..

Und was sind Vektorimpfstoffe?

Eigentlich das Gleiche. Auch diese enthalten mRNA. Nur wird diese in einen harmlosen Virus verpackt, der diese mRNA dann in die Zelle schleust. Sputnik V und der Impfstoff von Astra Zeneca sind Beispiele dafür.

OK, also wie ist das nun mit Kinderwunsch und Corona-Impfung?

Die „ständige Impfkommission“ (STIKO) des Robert–Koch-Instituts hat sich zum Thema Schwangerschaft und Corona–Impfung noch nicht geäußert. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht. Im Wesentlichen bemüht sich diese Richtlinie um die Beantwortung der folgenden Fragen:

Sollten Männer und Frauen vor einer Kinderwunschbehandlung geimpft werden?

Aktuell gibt es wenig valide Daten zu diesem Thema. Tierexperimente zeigten keinen negativen Effekt auf die Nachkommen, wenn eine Impfung in der Schwangerschaft erfolgte. Eine Impfung zur zwingenden Voraussetzung für eine Kinderwunschbehandlung zu machen ist jedoch nicht notwendig. Lediglich bei Frauen mit chronischen Erkrankungen sollte dies – je nach Art der Erkrankung – im Vorfeld angestrebt werden.

Wie lange sollte man nach der Impfung warten, bevor eine Kinderwunschbehandlung erfolgen kann?

Aus Sicht des Immunsystems ist es sinnvoll, bis zum Ende der Impfung zu warten, so die Empfehlung der ESHRE. Mehr als ein paar Tage nach der zweiten Spritze muss man nicht zwingend warten. Der Rat, bis zur zwei Monate abzuwarten, wird aktuell nicht aufrechterhalten, da keine Belege für die Notwendigkeit einer längeren Wartezeit bestehen. Sollte jedoch auf die Impfung eine Überreaktion zu beobachten sein, ist bis  zum Verschwinden der Symptome eine Schwangerschaft nicht anzustreben.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe schließt sich dem an: „Ein Behandlungsbeginn assistierter Reproduktionstherapien sollte um einige Tagenach Abschluss der Impfung (d. h. nach der zweiten Dosis) verschoben werden, um die Immunreaktion abzuwarten […]. Ob ein zurückhaltendes Vorgehen darüber hinaus mit einer weiteren Verschiebung des Beginns der ART-Behandlung nach Impfung sinnvoll ist, kann aufgrund der aktuellen Datenlage nicht belegt werden.

Impfung von Schwangeren

Laut ESHRE bestehen für eine abschließende Bewertung noch keine ausreichende Menge an Daten zur Verfügung. Von einer Impfung wird nicht abgeraten, jedoch sollten mögliche Vorteile und Risiken individuell und gründlich gegeneinander abgewogen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe rät von einer Impfung in der Schwangerschaft ebenfalls nicht ab. Aktuell wird eine generelle Impfempfehlung (wie zum Beispiel bei der Grippe) nicht ausgesprochen. „Insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 sowie einem hohen Expositionsrisiko könne eine Impfung angeboten werden.

Zusammmenfassung

  • Für abschließende Bewertungen der Impfstoffe ist es aktuell noch zu früh.
  • Die Impfung macht NICHT unfruchtbar
  • mRNA ist nicht in der Lage, das Erbgut auf der DNA zu verändern
  • Paare mit Kinderwunsch müssen nicht von einer Impfung absehen.
  • Ein paar Tage nach der letzten Spritze kann bereits eine Schwangerschaft angestrebt werden.
  • Schwangere kann man impfen, jedoch muss man aktuell mögliche Nachteile gegenüber den Vorteilen abwägen, die vor allem bei Frauen mit chronischen Erkrankungen oft überwiegen dürften.

 

 

 


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