Kinderwunsch Kostenübernahme: Japan am billigsten USA am teuersten


Zumindest in den untersuchten Ländern in dieser Studie:

Die Kosten der künstlichen Befruchtung hat grundsätzlich zwei Seiten: Für das betroffene Paar ist es immer eine recht teure Angelegenheit und im Falle der Kostenübernahme durch das Sozialsystem auch für die Gesellschaft. In einem aktuellen Artikel der Zeitschrift „Fertility Sterility“ sind aktuelle Zahlen zum Thema IVF-Kosten veröffentlicht und zwar aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Skandinavien, Japan und Australien.

Grundsätzlich, so die Wissenschaftler vom australischen „Perinatal and Reproductive Epidemiology Research Unit“ scheinen die Kosten eher das Preisniveau des gesamten Gesundheitssystems im jeweilig untersuchten Land widerzuspiegeln und weniger gesetzlichen Vorgaben oder die Art der finanziellen Unterstützung der Paare.

Die Kosten (in US-Dollar) eines durchschnittlichen „normalen“ IVF-Zyklus beläuft sich in Japan auf $3,956 und in den USA auf $12,513. Ein extrem weites Spektrum, welches ja anlässlich der Finanzkrise auch dazu führte, dass US-amerikanische Zentren mit „Sonderangeboten“ werben.

Noch interessanter als diese Kosten ist jedoch das Preis-Leistungsverhältnis. Mit anderen Worten: Wie teuer ist ein Kind, welches durch die künstliche Befruchtung entsteht? Sind also die US-amerikanischen Zentren so vielem besser, dass der Preisunterschied zu rechtfertigen wäre? Ich weiß, die Frage ist gemein und die Antwort liegt auf der Hand:

In den USA kostet ein Kind $41.132, in Großbritannien $40.364, in Skandinavien $24.485 und in Japan $24.329, um die Extrenfälle zu nennen. Vielleicht auch ein guter Hinweis, dass staatlich finanzierte und reglementierte Medizin (wie in England) nicht unbedingt kostengünstig und/oder effektiv sein muss.

In Abhängigkeit vom durchschnittlichen Einkommen der Paare in diesen Ländern ist die Belastung auch sehr unterschiedlich. Nach Abzug der (wenn vorhanden) staatlichen Unterstützung kostet ein IVF-Zyklus in den USA 50% eines durchschnittlichen Jahreseinkommens, in Australien dagegen nur 6%. Für das Jahr 2008 weist das Statistische Bundesamt einen Durchschnittverdienst von 41.509 Euro aus. Nimmt man ca. 1.500 Euro als durchschnittlichen Eigenanteil an, der für eine IVF-Behandlung zu entrichten ist, dann kommt man in Deutschland auf einen Betrag von 3,6%. Das darf man im Zusammenhang mit der Kostendiskussion eigentlich niemandem erzählen…

Unabhängig von der Art der staatlichen Unterstützung überschritt in keinem der oben genannten Länder die IVF einen Anteil von 0,25% an den gesamten Gesundheitskosten dieser Staaten. In einem ähnlichen Bereich bewegen sich die Zahlen in Deutschland übrigens auch (0,3%).

Auch wurde untersucht, inwieweit die Zahl der durchgeführten Behandlungen den geschätzten Bedarf in den Ländern deckt. Zahlen dazu aus Deutschland kenne ich leider nicht, selbst grobe Schätzungen sind mir nicht bekannt. In Australien und Skandinavien bekommt der Studie zufolge jeder eine Kinderwunsch-behandlung, der dies benötigt und wünscht, in den USA jedoch lediglich 24%, was in Anbetracht der Kosten natürlich nachvollziehbar ist.

Die Autoren der Studie kommen zu folgendem Schluss: Aus Sicht der Patienten ist die IVF teuer, jedoch nicht aus Sicht der Gesellschaft. In Ländern mit finanzieller Unterstützung kommt es zu einer fast vollständigen Bedarfsdeckung. Daher sollte die Übernahme der Kosten durch den Staat angestrebt werden (In Australien ist dies gegenwärtig Gegenstand heftiger Diskussionen und daher vermutlich auch dieser Artikel). die Finanzielle Unterstützung sollten die Effektivität der Methoden verbessern und Mehrlinge vermeiden helfen.

Wenn ich dazu noch einmal mein Lieblingsmodell vorstellen darf (und täglich grüßt das Murmeltier:

Das sogenannte “Belgische Rückerstattungsmodell”, welches seit 2003 in unserem Nachbarland gilt, hat zu einer deutlichen Reduktion der Mehrlingsraten nach künstlicher Befruchtung geführt. Hier wird bei Frauen unter 37 Jahren in den ersten beiden Behandlungszyklen nur ein Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt. Ist die Frau älter oder waren die ersten beiden Behandlungen erfolglos, werden zwei Embryonen transferiert. Insgesamt hat ein Paar jedoch Anspruch auf sechs vollständig bezahlte Behandlungszyklen und ist somit weitestgehend frei von finanziellem Druck.

Und es ist kostenneutral, da die teure Behandlung von Mehrlingsschwangerschaften weitestgehend wegfällt. Nenne mir einer einen guten Grund gegen dieses Konzept.

Chambers GM, Sullivan EA, Ishihara O, Chapman MG, Adamson GD.
The economic impact of assisted reproductive technology: a review of selected developed countries.
Fertil Steril. 2009 Jun;91(6):2281-2294.


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Sehr interessantes Beitrag, Doc!
    Schade dass es solche Angaben aus Europäischen Länder (ausser UK) nicht gibt (am meisten aus dem deutschpsrachigen Raum).
    Ein paar Bemerkungen:
    1. In den obengenannten Staaten können viele zum Kind kommen auch weil es kaum gesetzliche Grenzen gibt (und PID gibt es auch noch).
    2. Im belgischen Beispiel werden vermutlich auch die viele so entstehende Kryos vom Staat übernommen (die Kosten). Und vielleicht wird auch die Stimulation viel sanfter gemacht, weil man ja wenigere Embryos am Ende braucht.
    Na ja, wenn man so einiges von den anderen nachmachen konnte…

  2. Elmar Breitbach
    schonmutti schreibt

    Ach lieber Doc, warum können sie hier die Augen nicht aufkriegen wie in Belgien? Aber so ist es leider, dann lieber die Mehrkosten für Mehrlinge bezahlen, typisch bürokratisch deutsch, ich denke dort entstehen auch weniger Kryos, weil man einfach mehr Versuche hat und bei niedriger Stimulation entstehen Eizellen besserer Qualität, was weniger Versuche nach sich zieht, wenn das alles hier in Deutschland auch erlaubt ist, habe ich schon graue Haare, aber zumindest habe ich ein Kind aus IVF und alles in allem kommen wir auf die Gesamtsumme von 25000 Euro, nach mehreren Zyklen, es ist jeden Cent wert, aber wenn es auch wie in du bist Deutschland kostenlos geht, wäre eine nette Summe gewesen. Grüße Mutti

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Eine sehr schöne Untersuchung. Aber dies hier mag ich nicht unkommentiert lassen:

    "Für das Jahr 2008 weist das Statistische Bundesamt einen Durchschnittverdienst von 41.509 Euro aus. Nimmt man ca. 1.500 Euro als durchschnittlichen Eigenanteil an, der für eine IVF-Behandlung zu entrichten ist, dann kommt man in Deutschland auf einen Betrag von 3,6%. Das darf man im Zusammenhang mit der Kostendiskussion eigentlich niemandem erzählen…"

    Das kann ich so nicht sehen. Erstmal sind 1.500 Euro nicht der durchschnittliche Betrag, der zu zahlen ist, sondern aufgrund der vielen Selbstzahler liegt der Betrag deutlich höher. Dann kommt man ja meist mit einem Versuch nicht hin. Die 41.509 Euro sind ein Bruttoeinkommen, das durch extrem hohe Gehälter bei einer Minderheit der Bevölkerung ziemlich nach oben gezogen wurde. Wir als Familie wären mit einem Bruttoeinkommen in dieser Höhe sehr glücklich! Wo bekommt das ein Normalverdiener heute noch? –

    Ich halte es für realistischer, zu schreiben: "Ein IVF/ICSI-Kind kostet im Schnitt (pi mal Daumen) 20.000 Euro. Das entspricht in etwa dem Netto-Jahreseinkommen eines Normalverdieners. Da das Leben aber auch noch was kostet und der Normalverdiener allenfalls im Jahr 4.000 Euro beiseite legen kann, wenn er auf jeglichen Luxus verzichtet, muss er durchschnittlich 5 Jahre auf das Vielleicht-Kind sparen."

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: Äpfel und Birnen. 20.000 Euro sind die Kosten für ein Kind. Das ist im Vergleich zu ca. 40.000 Dollar in Großbritannien und den USA auch noch ein Schnäppchen

    Da auch bei anderen Ländern die Durchschnittseinkommen durch einige Extremverdiener nach oben gezogen wird, kann man diese Zahlen selbstverständlich 1:1 vergleichen, der statistische Fehler ist überall der selbe. Und selbst wenn man die Selbstzahlerzyklen mit einberechnet, dann ist der durchschnittliche pozentuale Anteil vom Gesamteinkommen immer noch sehr niedrig.

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ist schon klar, Doc. Ich habe mich aber aufgrund dieses Satzes zu meinem Kommentar veranlasst gefühlt: "Das darf man im Zusammenhang mit der Kostendiskussion eigentlich niemandem erzählen…" – Da sieht man mal, wie eine Statistik tausende von Einzelschicksalen relativieren kann.

  6. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Toller Artikel, danke! In Frankreich sind die Kosten ja auch zu 100 Prozent gedeckt, fuer 4 Versuche. Mir gefaellt das belgische Modell auch sehr gut, besser gehts kaum. Die haben auch gute Kliniken dort, lockere Gesetze und extrem gute Erfolgsquoten. Wie immer muss ich die USA in Schutz nehmen. Die Quoten dort sind schon sehr sehr hoch, vor allem wenn man sich das Alter der Patientinnen in Erinnerung ruft -eine 25jaehrige hat kaum 13000 Dollar pro Versuch uebrig. Ueber 50 Prozent Erfolgsquote sind dort bei Frauen unter 35 oder 37 keine Seltenheit, bei Frauen um die 25 kann sie sogar bei fast 80 Prozent liegen (beim ersten Versuch). Das ist in Deutschland schlichtweg unvorstellbar, oder?

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Steffi:

    Das ist in Deutschland schlichtweg unvorstellbar, oder?

    Nein, das ist auch in Deutschland nicht unvorstellbar. Mir gut bekannte Kliniken in Deutschland haben im ersten Versuch bei unter fünfunddreißigjährigen Frauen durchaus auch 60% Schwangerschaftsraten. Mit gesonderten Statistiken für 25jährige kann ich jedoch nicht dienen. Und vergessen Sie bitte nicht die Mehrlingsrate, die in den USA unverantwortlich hoch ist.