Weniger Fehlgeburten und bessere Befruchtung mit PICSI?

Das verspricht zumindest der Hersteller

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Bei der PICSI werden die Spermien für eine ICSI mit Hilfe spezieller Verfahren ausgewählt. Man erhofft sich eine bessere Befruchtung und Embryonenqualität. Zu recht?

Wird aufgrund einer schlechten Spermienqualität eine künstliche Befruchtung notwendig, spritzt man die Spermien direkt in die Eizelle. Bei dieser sogenannten ICSI sucht man die Spermien unter dem Mikroskop aus. Hier sind eine gute Beweglichkeit und eine normale Morphologie (Aussehen) der Samenfäden das wesentliche Auswahlkriterium.

Leider bleibt auch bei der ICSI die Befruchtung gelegentlich komplett aus. Um die Befruchtungsrate zu verbessern und auch die Embryonenqualität, wäre eine gezieltere Auswahlmöglichkeit erstrebenswert. Dieses Ziel versucht man mit Hilfe der PICSI („physiologische ICSI“) zu erreichen. Bei diesem Verfahren wird eine ausreichende Zahl (mindestens 100.000) gut bewegliche Spermien in eine speziell vorbereitete Petrischale gegeben. Der Hersteller gibt an, dass an den Hyalurontropfen in der Schale nur die Spermien mit einem guten Befruchtungspotential binden.

Studie sieht Anwendung der PICSI kritisch

Natürlich nicht die Studie, sondern die Autoren der Studie, die gerade in der sehr renommierten Fachzeitschrift „THE LANCET“ publiziert wurde1)David Miller, Prof Susan Pavitt, Prof Vinay Sharma, Gordon Forbes, Richard Hooper, Prof Siladitya Bhattacharya, Arri Coomarasamy, Prof Sheena Lewis, Rachel Cutting, Prof Daniel Brison, Prof Allan Pacey, Prof Robert West, Kate Brian, Prof Darren Griffin, Prof Yakoub Khalaf
Physiological, hyaluronan-selected intracytoplasmic sperm injection for infertility treatment (HABSelect): a parallel, two-group, randomised trial
Lancet  393, ISSUE 10170, P416-422, FEBRUARY 02, 2019
. Eine Methode der Reproduktionsmedizin muss sich immer an der Zahl der lebend geborenen Kinder messen lassen. Und in der Studie wurde bei mehr als 1.300 Paaren die PICSI durchgeführt und ebenso viele dienten als Kontrollgruppe. Die Zahl der Lebendgeburten unterschied sich nicht.

Möglicherweise ist die PICSI bei bestimmten Problemstellungen durchaus sinnvoll. So z. B. im Falle der ausbleibenden Befruchtung bei ICSI. Aber als generelle Maßnahme für alle zur Verbesserung der Schwangerschaftsrate kann man die „physiologische ICSI“ nicht empfehlen.

Im Gegenteil wird die PICSI in einem Kommentar in THE LANCET als eine von vielen Methoden vorgestellt, die als Addons für die IVF oder ICSI angeboten werden, auch wenn ihr Nutzen zumindest umstritten ist. Was ja auch bereits der Sinn dieser nun immer weiter wachsenden Artikelserie zum Thema Zusatzmaßnahmen bei IVF und ICSI ist.

 


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Literatur   [ + ]

1. David Miller, Prof Susan Pavitt, Prof Vinay Sharma, Gordon Forbes, Richard Hooper, Prof Siladitya Bhattacharya, Arri Coomarasamy, Prof Sheena Lewis, Rachel Cutting, Prof Daniel Brison, Prof Allan Pacey, Prof Robert West, Kate Brian, Prof Darren Griffin, Prof Yakoub Khalaf
Physiological, hyaluronan-selected intracytoplasmic sperm injection for infertility treatment (HABSelect): a parallel, two-group, randomised trial
Lancet  393, ISSUE 10170, P416-422, FEBRUARY 02, 2019
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ali74 schreibt

    Wir haben bereits mehrfach die PiCsi durchgeführt. In 50% war keine PiCsi möglich. Lt. Labor war keine Anbindung da. Worin sind die Gründe der Fehlenden Anbindung? Gibt es dazu auch Daten oder Studien ?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Mir sind leider keine bekannt