Was beeinflusst die ICSI-Erfolgchancen?


Nachdem wir feststellen konnten, dass die künstliche Befruchtung in Tunesien am erfolgreichsten ist, nun gleich einmal eine Studie aus diesem Land.

Eine tunesische Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte 339 ICSI-Zyklen, auf die Faktoren, die den größten Einfluss auf den Ausgang der Behandlung haben. Folgende Variablen wurden überprüft:

  • Alter der Frau
  • Ursache der Kinderlosigkeit
  • Dauer der Kinderlosigkeit
  • Zahl der gewonnenen Eizellen
  • Samenqualität
  • Zahl der transferierten Embryonen

Die Ergebnisse

  • Der wichtigste Faktor war das Alter der Frau. Die besten Ergebnisse wurden in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren erzielt und nahm dann mit zunehmendem Alter graduell ab.
  • Die Zahl der gewonnen Eizellen und der transferierten Embryonen war ebenfalls von großer Bedeutung, wobei die Eizellzahl wichtiger war und mehr als drei Embryonen die Erfolgsraten nicht steigern konnte
  • Der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch hatte keinen Einfluss auf die Schwangerschaftsrate (Wiewohl natürlich meist männliche Gründe vorlagen, daher ja auch die ICSI)
  • Die Dauer des unerfüllten Kinderwunschs hatte keinen signifikanten Einfluss auf den Erfolg der ICSI
  • Die verschiedenen Spermienparameter hatten keinen nennenswerten Einfluss auf die Erfolgsraten

Gerade der letzte Punkt ist oft diskutiert und sicherlich ist die Diskussion durch diese Studie nicht abgeschlossen. Gerade bei sehr schlechter Spermienqualität wird oft über schlechte(re) Schwangerschaftsraten berichtet, dies gilt insbesondere für Paare, die auf eine TESE angewiesen sind oder wo im Ejakulat nur einige wenige bewegliche Spermien nachweisbar sind (Kryptozoospermie).

Hat man jedoch genügend bewegliche Spermien zur Auswahl (da reichen ja schon ein paar hundert nach Aufbereitung), dann spielen die anderen Parameter des Spermiogramms dann auch meiner Erfahrung zufolge keine große Rolle mehr.

Letztlich auch schlüssig: Wenn die schlechten Spermien durch die ICSI kompensiert werden, dann sind es vor allem weibliche Faktoren, den den Ausgang der Behandlung bestimmen (Alter, Eizellzahl etc.)

Kdous M, Zhioua F, Chaker A, Fadhlaoui A, Ferchiou M, Meriah S.
Are there any predictive factors for successful intracytoplasmic sperm injection. Statical analysis of 339 cycles.
Tunis Med. 2008 Apr;86(4):335-40.


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Stina72 schreibt

    Und wie genau war der Einfluss der gewonnenen Eizellzahl? Weniger gewonnen EZ=bessere Qualität und höhere Chancen??
    LG Kristina

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Stina72: nein, eher in der Richtung, dass wenn mehr Eizellen da waren, dass dann die Schwangerschaftsrate besser war. Das ist aber ein normales Phänomen: Bei solchen Statistiken kommen ältere low responder dann bei der Eizellzahl als Negativfaktor zum Tragen, während es bei einer jungen "Stichprobe" mit guter response statistisch eher von Vorteil ist, wenn die Zahl der Eizellen nicht zu hoch ist. Und dann gibt es noch die Ausnahmen 😉

  3. Elmar Breitbach
    Stina72 schreibt

    Ah, verstehe! Ja ja, die Ausnahmen…die bestätigen ja nunmal auch die Regel, gelle 🙂
    Vielen Dank für die Antwort und liebe Grüße

  4. Elmar Breitbach
    cuba schreibt

    ich fall da ja mal wieder aus der Statistik 🙂 wie immer….