USA: Experten warnen vor Mehrlingsschwangerschaften


Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt sich auch hinsichtlich der Zahl der Embryonen unbegrenzt. Mit anderen Worten: Es dürfen in den USA theoretisch beliebig viele Embryonen im Rahmen einer IVF oder ICSI übertragen werden.

Das bleibt nicht ohne Folgen: Bei mehr als einem Drittel aller Schwangerschaften tritt in den USA nach einer Reagenzglasbefruchtung eine Mehrlingsschwangerschaft ein. Im Vergleich dazu beträgt die Wahrscheinlichkeit ohne reproduktionsmedizinische Maßnahmen 1,8% für Zwillinge und 0,014% für Drillinge. In Deutschland beträgt die Zahl etwas über ein Fünftel und auch das wird (berechtigt) noch als zu hoch bewertet.

Daher erstellte die „American Society for Reproductive Medicine“ Richtlinien, die diese ungewünschte Kinderflut bremsen soll:

  • Bei Frauen unter 35 sollten nicht mehr als zwei Embryonen transferiert werden, ein „single embryo transfer“ sollte in Erwägung gezogen werden
  • Bei Frauen von 35 bis 37 sollten nicht mehr als drei Embryonen am Tag 2-3 oder 2 Blastozysten übertragen werden
  • Eine Limitierung auf 4 Embryonen wird für die Altersgruppe von 38 bis 40 empfohlen
  • und bei Frauen, die älter als 40 sind, sollte die Zahl der Embryonen auf fünf beschränkt werden

Aus Sicht eines deutschen Reproduktionsmediziners sind das immer noch recht hohe Zahlen und man kommt ins Grübeln, wie die aktuelle Praxis gegenwärtig aussieht, wenn diese Vorschläge bereits eine Verminderung der Embryonenzahlen darstellt. Zumindest erstaunt dann die hohe Rate an Mehrlingsschwangerschaften nicht mehr. Diese Richtlinien werden übrigens nicht bindend sein

Woher kommt diese hohe Risikobereitschaft?

  • offenbar ist eine niedrige Mehrlingsrate kein Pfund, mit dem man in den USA die Patienten überzeugen kann
  • Die Risiken, die von den Patientinnen eingegangen werden, erklärt sich zum Teil durch die abstrus hohen Kosten, die für eine Behandlung in den USA entstehen. Das Paar kann sich Fehlversuche finanziell nicht leisten. Eine ähnliche Tendenz wird auch durch die Selbstbeteiligung in den Kosten in Deutschland befürchtet
  • Man kann es nur mutmaßen: Aber die Erfolgsraten werden in den USA veröffentlicht und die „Rankings“ der Zentren sind für die Paare abrufbar. Im Prinzip ist eine solche Offenheit begrüßenswert, macht sie den Markt für die Patienten doch transparenter. Da die Erfolgsrate aber das wesentliche Auswahlkriterium ist, wird auch von Seiten der Ärzte eine erhöhte Risikobereitschaft bestehen, um „Verkaufsargumente“ bieten zu können. Auch die Selektion der Paare ist dabei wichtig. Über 40-jährigen wird man frühzeitig und möglicherweise zu früh zu einer Eizellspende raten, um die Statistik zu verbessern

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    kami schreibt

    Vollkommen nachvollziehbar…

    Und ich teile die Befürchtung voll und ganz, das es dank Selbstbeteiligung auch hier so werden wird. Wer schüttelt sich denn schon mal eben 2000 € für ne ICSI aus’m Ärmel.

    Und ich hätte trotz meiner jugendlichen 27 Jahren auch alle meine 4 befruchteten Eizellen zurück genommen, wenn ich gedurft hätte. Denn der Gedanke bei einem Negativ "Wahrscheinlich liegt die in der Tonne, die es geschafft hätte" ist wohl nicht sooo weit her geholt und bei den Kosten bleibt einem doch nix Anderes übrig als die Chancen zu "optimieren" und eben auch ein höheres Risiko einzugehen.

  2. Elmar Breitbach
    fassi schreibt

    Ein "höheres Risiko eingehen, um Chancen zu optimieren" klingt fast so ( sorry nicht persönlich oder ganz wortwörtlich ernst gemeint), als ob jemand der befürchtet das letzte Flugzeug zu verpassen, bei der Fahrt dahin wegen eines Staus lieber auf die Gegenspur ausweicht, hier aber als Geisterfahrer..was ja nicht immer , aber doch schon öfter mal " unoptimal" endet.. für alle Beteiligten.

    ..meine aber tatsächlich damit gravierende Frühgeburtsschäden für die Mehrlings- Kinder oder den Verlust aller eigentlich sonst gesund und einzeln sicher entwicklungsfähig gewesenen Kinder, oder man "opfert" dann verzweifelt eines, mehrere..um die Überlebenschance erst zu erlangen…sehr heikel.
    Die sollen hier endlich die absurden widersprüchlichen Gesetze ändern..und sich nicht weiter stur an dem Wort Selektion und Menschenwürde im Einzellstadium.scheinmoralisch abarbeiten oder profilieren..!

  3. Elmar Breitbach
    Jozi schreibt

    Man darf die verzweifelte Stuation der Patienten nicht vergessen, wie in dem Artikel ja auch kurz bemerkt wird. Da können die Experten warnen wie sie wollen und Richtlinien herausgeben wie sie lustig sind. Eine ICIS kann dort locker um die 15.000 USD kosten, also je nach Wechselkurs knapp unter 15.000 Euro. Um ehrlich zu sein: die meisten können sich wenn überhaupt einen Versuch leisten, und da würde ich dann auch mehr Embryonen zurücknehmen. Wer hier kann sicher behaupten, das nicht zu tun, wenn man dieser Lage wäre? Die Ärzte würden die Embryonen nicht transferrieren, wäre keine Nachfrage vorhanden. Nach dem Motto: dann gehe ich eben zur Praxis um die Ecke, wo einer mehr eingesetzt wird. Verzwickt… Hätte man mehr Versuche, würden die Patienten sicherlich medizinisch klügere Entscheidungen treffen. Geht eben alles auf’s liebe Geld zurück.

    In D schlucken die meisten (berechtigterweise) ja schon bei 2.000 Euro Selbstbeteiligung.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Boh, 15.000 USD – Das wäre doch ein Markt für unsere Repromediziner hier. Ein Komplettpaket incl. Flug und Unterkunft dürfte hier weitaus günstiger zu haben sein …

  5. Elmar Breitbach
    KT schreibt

    Hmm, ich meine mich düster zu erinnern, dass die SS-Raten doch mit mehr als 3-4 transferierten Embryos nicht wirklich steigen, oder bin ich da auf dem Holzpfad?
    Ansonsten, man darf bei den Kosten in den USA auch nicht außer Acht lassen, dass es ettliche Zentren gibt wo man für 15.000-20.000 USD (Vorkasse) 3 Versuche bekommt, inkl. Medis, etc. und wenn es klappt, egal ob beim 1. oder 3. Versuch, ist das Geld weg, wenn nicht bekommt man einen Teil zurück. Aber da hat halt jedes Zentrum seine eigenen Finanzierungsmodelle.

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Nein, da sind Sie nicht auf dem Holzpfad. Zumindest bei Frauen bis incl. 40 sind mehr als 3 Embryonen medizinisch gesehen nicht sinnvoll und bei > 35 steigert der dritte Embryo die Schwangerschaftsraten so unerheblich, dass das Risiko nicht vertretbar ist, einen dritten zu transferieren. Bei > 40 gibt es aber auch gute Studien, die besagen, dass > 4 Embryonen auch keinen wesentlichen Zusatzeffekt haben

  7. Elmar Breitbach
    SandyCH schreibt

    Ich war in den USA für meinen letzten Versuch nach vielen, vielen gescheiterten Versuchen. Für uns hat es sich gelohnt. Wir haben 5 Embryonen zurück gesetzt und daraus haben wir nun niedliche, anstrengende, zweijährige Zwillinge.

    Wir sind in Wochenfrist wieder nach San Francisco unterwegs und werden dort mit den übrigen 5 kryokonservierten Embryonen nochmal einen Transfer machen. Unser behandelnder Arzt setzt nicht einfach jeder Frau so viele Embryonen zurück sondern bezieht die Vorgeschichte in seine Entscheidung mit ein. Ein gleichzeitig mir uns behandeltes Paar hat 3 Embryonen zurück erhalten, es war ihr erster (gescheiterter) Versuch. Will heissen, ich wurde dort nicht einfach nochmals genauso behandelt wie hier X Mal und wurde dadurch zum ersten Mal in meinem Leben schwanger. Nach 6 Jahren und auch nach HI Versuchen dann doch mit dem Sperma meines Mannes. Die Kosten die wir insgesamt hier tragen mussten waren schlussendlich noch um einiges höher. Ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit wahrnehmen konnten!!! Auch wenn sie uns 20’000 Dollar gekostet hat. Wir hatten sogar eine Geld zurück Garantie. Bei nicht Erfolg hätten wir 80% der Arztkosten zurückerstattet bekommen. Dass das dort oft üblich ist, dürfte neben aller Kritik auch erwähnenswert sein.

    Ich wurde nirgends (Schweiz diverse Praxen und in Belgien) derart freundlich und familiär behandelt wie dort. Wir freuen uns richtig, wieder hin zu gehen.

    SandyCH