Umfrage: PID und IVF finden Zustimmung

3

Eine repräsentative Umfrage der “Apotheken Umschau” aus dem Sommer dieses Jahres beschäftigte sich mit der Akzeptanz der künstlichen Befruchtung und der Präimplantationsdiagnostik, die ja einem aktuellen BGH-Urteil zufolge auch in Deutschland nicht (mehr) verboten ist. Befragt wurden 1.936 Personen ab 14 Jahren im Juli/August dieses Jahres.

Künstliche Befruchtung

Mehr als die Hälfte der Befragten (58,8 Prozent) gaben dabei an, „alle Möglichkeiten zu nutzen, die Medizin und Wissenschaft bieten“, um sich den Wunsch nach einem eigenen Kind doch noch zu erfüllen. Und für vier von fünf Befragten (80,2 Prozent) ist künstliche Befruchtung generell „nichts Außergewöhnliches mehr“. Diese Ergebnisse bedeuten eine deutliche Zunahme der Akzeptanz:1999 waren nur 25,6 Prozent grundsätzlich dazu bereit, medizinische Hilfe zu suchen, wenn der Kinderwunsch unerfüllte bliebe.

Jedoch fanden sich auch weiterhin Einschränkungen: Fast die Hälfte der Befragten (49,2 Prozent) gaben an, lieber ein fremdes Kind adoptieren zu wollen, als auf künstliche Befruchtung zurückzugreifen – und zwar unabhängig davon, ob sie den Eingriff bei einer der vorangegangenen Fragen befürwortet hatten oder nicht.

Und das umgewandelte KO-Argument („die Natur wird sich schon etwas dabei gedacht haben“) findet sich auch in dieser Studie wieder: 44,5 % der Befragten waren zugleich der Meinung, dass Betroffene Unfruchtbarkeit akzeptieren und der Natur nicht „«ins Handwerk pfuschen“ sollten.

Präimplantationsdiagnostik

Der Wunsch nach einer bestimmten Augen- oder Haarfarbe rechtfertigt keine Gentests zur Auswahl von Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind – der Verdacht auf eine schwere Erbkrankheit unter Umständen schon. Das ist die Zusammenfassung des Umfrageergebnisses zur genetischen Untersuchung von Embryonen.

  • Immerhin 18,7 % der Befragten finden nichts dabei, auch z. B. das Geschlecht der Kinder mit Hilfe der PID festzulegen.
  • Eine grundsätzliche und uneingeschränkte Zulassung der PID befürworten nur 14,7%.
  • Fast jeder Zweite (43,5 Prozent) findet, dass die PID nur in Ausnahmefällen, z. B. bei begründetem Verdacht auf mögliche Erbkrankheiten, erlaubt sein sollte.
  • 15,6 Prozent lehnen die PID generell ab.

Die künstliche Befruchtung ist den meisten Menschen als medizinische Methode bekannt und hat viel von der Mystik früherer Jahre verloren. Obwohl sie dadurch deutlich an Akzeptanz in der Öffentlichkeit gewonnen hat, lehnen viele Befragte diese Techniken für sich selbst ab.

Bei der Präimplantationsdiagnostik sind die Ergebnisse der Umfrage unklarer. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass viele der Befragten sich über die Laienpresse nur unzureichend über Indikationen und Vorgehensweise dieser Methode informieren konnten. Sicherlich besteht hier noch ein großer Nachholbedarf, vor allem in Deutschland, wo die PID bislang nicht durchgeführt wurde.


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    sks1 schreibt

    Ganz ehrlich – bevor ich wusste, dass ich zu denen gehöre, die auf künstliche Befruchtung angewiesen sind, hätte ich auch die Adoption bevorzugt. Keine Ahnung warum. Wahrscheinlich aus Angst vor dem ganzen Prozedere der künstlichen Befruchtung.
    Selbst als ich erfuhr, dass es ohne künstliche Befruchtung nicht geht, war mein erster Gedanke "Adoption". Aber nachdem ich eine Nacht (oder auch zwei) drüber geschlafen hatte, freundete ich mich mit der künstlichen Befruchtung an.
    Deswegen denke ich, dass solche Umfragen nicht unbedingt repräsentativ sind, da man nie wirklich über Situationen urteilen kann, in denen man sich nicht befindet. Das kann man erst, wenn man sich wirklich damit auseinandersetzen muss.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Völlig richtig. Aber das ist das "Problem": Sie sind repräsentativ, so denkt die Frau und der Mann von der Strasse. Das spiegelt natürlich nicht das wieder, was Paare denken, die wirklich betroffen sind. Die Sichtweise verändert sich durch einen eigenen unerfüllten Kinderwunsch oft dramatisch und Ansichten, die man vorher ohne groß darüber nachzudenken äußerte, gelten plötzlich nicht mehr. So geht es eigentlich den meisten Kinderwunschpaaren

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Eine sehr wichtige Anmerkung, sks!

    Fehlt also noch die Studie, wie änderungsfreudig die Deutschen nach eigener Betroffenheit sind.