Überstimulation: Gefahr steigt mit der Anzahl der Follikel


Das Überstimulationssyndrom (OHSS) ist eine häufige Komplikation bei Hormonbehandlungen. Insbesondere wenn eine höhere Anzahl von Follikeln gewünscht ist, wie bei der künstlichen Befruchtung z. B., ist das Risiko erhöht.

In Anbetracht der möglichen Folgen (Thrombosegefährdung der Mutter), ist es dann Ziel einer jeden Kinderwunschbehandlung, ein Überstimulationssyndrom höheren Ausmaßes zu vermeiden. Dazu wäre es natürlich hilfreich, wenn Parameter zur Verfügung stünden, die einem die Gefahr für dieses Problem rechtzeitig signalisieren.

Dies versuchte man in der Brüsseler Uniklinik im Rahmen einer Studie zu erarbeiten. Dazu wurden 1801 Patientinnen in 2524 IVF-Zyklen unter Verwendung eines sogenannten „Antagonisten-Protokolls“ beobachtet. Bei diesen Patientinnen wurde die Follikelzahl und Östrogenspiegel am Tage der hCG-Gabe erfasst. Im Verlaufe der Studie mussten 2,1% der Patientinnen wegen eines Überstimulationssyndroms stationär in einem Krankenhaus beobachtet werden (n=53), 31 davon innerhalb der ersten Woche nach der Eizellentnahme, wohingegen 22 Frauen ein OHSS zu einem späteren Zeitpunkt entwickelten. Diese späten Formen traten immer in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auf,waren meist schwerwiegend und gingen häufig mit einer Mehrlingschwangerschaft einher (40%).

Den besten Vorhersagewert in Bezug auf das OHSS hatte die Zahl der Follikel. Ein Grenzwert von 13 ( >11mm) war hierbei aussagekräftiger als der Östrogenwert.

Als kritischen Wert zur Vorhersage eines schweren Überstimulationssyndroms (III°) schlagen die Autoren Schwellenwerte ab 18 Follikel und Östradiol-Werten ab 5000 ng/l vor.

Papanikolaou EG et al.
Incidence and prediction of ovarian hyperstimulation syndrome in women undergoing gonadotropin-realising hormone antagonist in vitro fertilization cycles
Fertil Steril 85 (2006): 112-120


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    chipsie schreibt

    wie spät kann denn ein OHSS noch auftreten? Wenn man bei PU+8 noch keine Symptome hat, kann man davon ausgehen das es auch dabei bleibt? Wir wollen in Urlaub fahren, und mit Überstimmulation im Ausland ist wohl sehr schlecht.
    LG chipsie

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Chipsie: Sollten Sie schwanger geworden sein, dann beginnt jetzt so langsam die hCG-Produktion und würde dann in einigen Tagen zu einer Überstimulation führen (können). wenn Sie bisher beschwerdefrei sind, dann ist mit einem starken OHSS eher nicht zu rechnen, auch wie gesagt, abhängig von der Follikelzahl

  3. Elmar Breitbach
    chipsie schreibt

    Dankeschön. Es waren schon einige Follikel. 14. Kann wohl nur abwarten und hoffen! Danke nochmal für Ihre Antwort.

  4. Elmar Breitbach
    LeeLee schreibt

    Oh, da hab ich mit meinen 30 Eizellen inclusive Schwangerschaft ohne Überstimulation ja echt Schwein gehabt 🙂

  5. Elmar Breitbach
    grünchen schreibt

    Ich hatte im letzten Jahr ein schweres OHSS mit stationärer Behandlung. Nun sind meine Eizellen erfolglos aufgebraucht und ich überlege, eine weitere Stimulation in Angriff zu nehmen. Davor habe ich Angst. Meine Arzt zählte mir folgende Behandlungsoptionen auf: Schema mit Up-Stimulation, Down-Stimulation oder Wellenförmiges Schema. Leider weiß er nicht, mit welchem Schema die Gefahr eines erneuten OHSS am geringsten ist. Haben Sie Erfahrung?

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ grünchen: Will man ein Überstimulatuionssyndrom vermeiden, dann muss man individuell auf die Reaktion der Eierstöcke eingehen. Es ist schwer bis unmöglich, diese frage pauschal zu beantworten, zumal ich mit den Begriffen wenig anfangen kann. Vermutlich soll es bedeuten, dass die Dosis langsam gesteigert, während der Stimulation abgesenkt bzw. wechelnd gehalten werden soll. Was bei Ihnen am sinnvollsten ist, vermag ich nicht zu sagen, aber Ihr Arzt wird sicherlich versuchen, eine weitere Überstimulation weitestgehend zu vermeiden.

  7. Elmar Breitbach
    grünchen schreibt

    Danke für die schnelle Antwort. Ja, genau das bedeuteten die Begriffe. Mein Arzt favorisiert eine initial hohe Konzentration, die im weiteren Verlauf abgesenkt wird. Aber er kann nicht versprechen, dass ich nicht wieder so reagiere (hatte 25 EZ). Da ich PCO habe, meint er, ist es sogar sehr wahrscheinlich. Dieser Gedanke macht mir Angst. Was meinen Sie mit "individuell auf die Reaktion der Eierstöcke eingehen"? Gibt es eine Möglichkeit, das vorher abzusehen und zu verhindern?

  8. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Es gibt "Step-down" und Step-up"-Protokolle, die alle erfolgreich bei PCO eingesetzt werden können. Was ich meinte Jedoch sind sie nur dann gut, wenn man sie nicht schematisch einsetzt, sondern den Gegegebenheiten seitens der Patientin anpasst. Und was da besser für Sie ist, vermag ich nicht zu beurteilen