Übergewicht hat Nachteile bei künstlicher Befruchtung


Jedoch scheint der Einfluss weniger ausgeprägt als angenommen. Der Einfluss des Übergewichts auf die Erfolgsraten bei einer ICSI sind anhand aktueller Studien nicht sicher einzuschätzen. Während Reproduktionsmediziner ein zu hohes Körpergewicht eigentlich durch die Bank als negativ für die Schwangerschaftsrate bei der künstlichen Befruchtung ansehen, gibt es durchaus auch andere Stimmen, die es zumindest differenzierter sehen.

Natürlich kann massives Übergewicht den Hormonhaushalt negativ beeinflussen und damit auch die Eizellqualität und in der Folge die der Embryonen. Aktuelle Studien zeigen zwar auch vermehrt Schwierigkeiten Übergewichtiger Frauen, eine normale Reaktion der Eierstöcke auf die Hormongaben zu erzielen. Jedoch sind die Schwangerschaftsraten entweder praktisch identisch mit denen Normalgewichtiger, der Effekt überzähliger Kilos altersabhängig oder sie vermindern die Schwangerschaftsrate um mehr als dreißig Prozent.

Mit anderen Worten: Nichts Genaues weiß man nicht. Es zeichnet sich jedoch eine Tendenz ab, den Speck an Bauch und Hüften weniger streng zu beurteilen als noch in den Jahren zuvor. Dieser Reihe schließt sich eine aktuelle Studie aus der Türkei an. Sie verglich die gewichtsabhängigen Resultate von 1113 ICSI-Behandlungen, die bei 775 Patientinnen durchgeführt wurden. Dazu wurden drei „Gewichtsklassen“ gebildet:

  • Gruppe 1 (BMI 18,5-24,9, normalgewichtig 627 Zyklen)
  • Gruppe 2 (BMI 25,0-29,9 übergewichtig 339 Zyklen)
  • Gruppe 3 (BMI > 30 kg/m(2); fettleibig 147 Zyklen)

Die Ergebnisse in diesen Gruppen unterschieden sich wie folgt

  • Abbruchrate (z. B. wegen ausbleibender Reaktion der Eierstöcke): Gruppe 1: 10%, Gruppe 2: 15,6%, Gruppe 3: 17,7%. Das Ergebnis ist statistisch signifikant zuungunsten der Gruppen 2+3.
  • Medikamentenverbrauch: Die Medikamente zur Stimulation der Eierstöcke mussten in den Gruppen 2 und 3 in signifikant höherer Dosierung verabreicht werden
  • Östrogenwerte: Trotz der höheren Hormongaben waren die Östrogenwerte in den Gruppen 2 und 3 deutlich niedriger
  • Follikelzahl und Zahl der Eizellen: Diese waren in der Gruppe 3 signifikant niedriger als bei den Normalgewichtigen
  • Zahl der befruchteten Eizellen: Auch hier ergaben sich signifikante Nachteile für die Gruppe drei, wenn man sie mit den Normalgewichtigen verglich
  • Überzählige Embryonen zur Kryokonservierung blieben daher auch in den Gruppen 2 und 3 in geringerer Zahl übrig
  • Befruchtungsrate, Zahl der transferierten Embryonen, Anzahl der qualitativ guter Embryonen, klinische Schwangerschaftsrate, Mehrlingsschwangerschaften und Fehlgeburten waren unabhängig vom Körpergewicht in allen drei Gruppen vergleichbar hoch

Diese Studie lässt also den Schluss zu, dass die Chancen auf ein Kind durch übermäßiges Körpergewicht nicht vermindert werden. man darf jedoch nicht übersehen, dass die Schwangerschaftsraten pro begonnenem Zyklus aufgrund der höheren Abbruchrate niedriger ist und die Therapie durch die notwendigen höheren Medikamentendosierungen teurer.

Esinler I, Bozdag G, Yarali H
Impact of isolated obesity on ICSI outcome.
Reprod Biomed Online. 2008 Oct;17(4):583-7.


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    Sorry, wenn das nicht wirklich hierher gehört:
    Wurden eigentlich auch schon Studien über dieses Thema zu Untergewicht gemacht ?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @AnnetteEllen: Ja, habe ich aber gegenwärtig nicht parat. Untergewicht ist nur sehr viel seltener, aber im Fall der Fälle ein ebenso großes Problem

  3. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    @Doc: Aha, danke (sowas in der Richtung las ich früher manchmal)- dann habe ich mich vielleicht doch nicht völlig umsonst von unter 17 auf fast 20 BMI hochgemästet und sollte das wohl leider doch erstmal so lassen *g*.
    Bei mir jedenfalls gab es bei der (natürlichen) SS-Häufigkeit (+FG`n)dabei keinen Unterschied, aber mich kann man statistisch eh nicht mehr verwerten ;-).

  4. […] negativen Einfluss auf die Behandlung aufzeigen, jedoch ist dies nicht durchgehend der Fall und es gibt Studien, die zwar einen höheren Medikamentenverbrauch zur hormonellen Stimulation der Eierstöcke […]

  5. Elmar Breitbach
    Klaus-Peter Baumgardt schreibt

    Die Studien scheinen nicht sehr aussagekräftig zu sein, macht es doch einen Unterschuied, um welchen Fettverteilungstyp es sich handelt.
    Relevant wäre auch eher ein Vorher-Nachher-Vergleich, der belegt, was sich durch einen gewissen Abnehmerfolg verändert hat.
    In diesem Zusammenhang würde ich auf die "Portionsdiät" als sinnvolle Methode hinweisen wollen…

  6. […] muss man in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass andere Untersucher zu differenzierteren Ergebnissen kamen. Jedoch sind diese Studien Ausnahmen und es stellt sich also die Frage, was die zusätzlichen Kilos […]

  7. […] Man kann davon ausgehen, dass der regelmäßige Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Speisen auch beim Körpergewicht oft nicht ohne Folgen bleibt. Und der negative Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Schwangerschaftsraten ist belegt, wenngleich die Korrelation nicht so eng ist, wie oft behauptet wird. […]