Östrogengabe nach Transfer kann Schwangerschaftsraten verbessern


Die Unterstützung der zweiten Zyklushälfte mit Gelbkörperhormonen ist bei der künstlichen Befruchtung zumindest beim langen Protokoll eine Standardtherapie. Da der Gelbkörper jedoch nicht nur Gelbkörperhormon (Progesteron), sondern auch Östradiol bildet, ist es naheliegend, nach dem Transfer nicht nur Progesteron zusätzlich zu verabreichen, sondern auch Östrogene.

Die Wirkung einer solchen Behandlung wurde in einer Studie untersucht. Dabei wurden 166 Frauen in 231 ICSI-Zyklen behandelt und verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Eine erhielt keine zusätzliche Östrogengabe, eine zweite erhielt zusätzlich 2 mg Östradiol täglich und einer letzte 6 mg täglich zusätzlich zu der üblichen Progesterongabe.

Es ergaben sich dabei signifikante Unterschiede bei den Schwangerschaftsraten, wobei die Frauen ohne eine zusätzliche Östrogengabe die schlechtesten und die mit einer zusätzlichen Östrogengabe die besten Schwangerschaftsraten aufwiesen (23,1%, 32,8% und 51,3%).

Einige kritische Anmerkungen: Wenngleich eine Schwangerschaftsrate von 51% außergewöhnlich gut ist, so ist die von 23,1% für die Frauen ohne eine zusätzliche Östrogengabe jedoch ausgesprochen schlecht. Es steht außer Frage, dass in der Klinik, welche diese Studie durchführte, dringender Handlungsbedarf besteht, wenn diese Ergebnisse bei einer konventionellen IVF üblich sind. (Und nicht ausschließlich bei der Medikation ihrer Patientinnen). Sollten die Ergebnisse, was zu hoffen wäre, normalerweise besser sein, dann scheint die Kontrollgruppe eindeutig falsch gewählt worden zu sein und die Ergebnisse sind dann weniger aussagekräftig, als es zunächst den Anschein hat. Bei der geringen Anzahl der Patientinnen konnte also in meinen Augen nur ein statistisch signifikantes Ergebnis erzielt werden, weil die Kontrollgruppe nicht wirklich eine war.

Außerdem ist es nach wie vor umstritten, ob selbst im langen Protokoll eine Gelbkörperhormongabe wirklich sinnvoll ist. Beweisende Studien mit ausreichend großer Patientenzahl existieren hierfür noch nicht. Bezüglich des Östrogens ist die Frage auch ungeklärt. Diese Studie gibt zwar interessante Hinweise, liefert aber keine Beweise.

Optimization of estradiol supplementation during the luteal phase improves the pregnancy rate in women undergoing in vitro fertilization–embryo transfer cycles
Krzysztof Lukaszuk, M.D., Joanna Liss, Mariusz Lukaszuk, Bozena Maj


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