Niedrig dosierte Hormongaben (minimal stimulation) für IVF


„Tricia“ beschreibt in ihrem Blog „single mom to be“ ein interessantes Phänomen, welches ihr in Newsgroups zu Eizellspende aufgefallen ist. Diese jungen und gesunden Eizellspenderinnen werden oft hoch dosiert mit Hormonen behandelt – mit dem Resultat, dass viele Eizellen gebildet werden und für die Therapie zur Verfügung stehen.

In einer Übersicht zeigt sie in ihrem Artikel einige Verläufe:

# 20 Eizellen entnommen, 10 liessen sich befruchten, 5 haben sich weiterentwickelt
# 25 Eizellen, 3 weiterentwickelt
# 15 Eizellen, 4 weiterentwickelt
# 15 Eizellen, 2 weiterentwickelt
# 12 Eizellen, 3 weiterentwickelt
# 10 Eizellen, 2 weiterentwickelt
# 36 Follikel, 18 Eizellen, 12 reif, 9 liessen sich befruchten,

Die vollständige Liste finden Sie in ihrem Artikel. Sie fragt zurecht, ob die schlechte Befruchtungsrate und vor allem die geringe Zahl an entwicklungsfähigen Eizellen auch an der hoch dosierten Stimulation der Eierstöcke liegen könnte.

Zu dem Thema gab es ja hier kürzlich schon mal einen Artikel, der aufzeigte, dass die Eizellen seltener genetische Auffälligkeiten aufwiesen, wenn eine milde Stimulation durchgeführt wurde.

Auch andere Studien[1] beschäftigen sich mit Methoden der niedrig dosierten Hormongaben („minimal stimulation“). Eine niederländische Forschergruppe verwendete ein Antagonisten-Protokoll und begann mit der Stimulation erst spät, mit dem Ziel, nur wenige gleichmäßig große Follikel heranwachsen zu lassen. Die Ergebnisse waren mit einer Schwangerschaftsrate von 32% in Anbetracht des niedrigen Aufwands für die Patientin recht gut, eine Kontrolle fehlte jedoch und es kam auch häufiger zu Abbrüchen vor der Punktion.

Fauser et al. führten eine kontrollierte Studie[2] durch, in der das klassische lange Protokoll mit zwei verschiedenen Antagonisten-Protokollen vergleichen wurde. Bei einem wurde mit der Stimulation am 2. Zyklustag begonnen und beim nächsten erst am 5. Zyklustag. Letzteres stimuliert nur die für diesen Zyklus aktuellen Follikel (Verlängertes FSH-Fenster), eine zweite „Generation“ von Follikeln wird nicht rekrutiert, wodurch weniger, aber gleichmäßig reife Eizellen entstehen sollen.

Hier musste die Behandlung in der dritte Gruppe vergleichsweise häufiger wegen einer unzureichenden Reaktion der Eierstöcke abgebrochen werden, jedoch wurden signifikan weniger Hormone verwendet und die Qualität der Embryonen war ebenfalls signifikant besser. Dies schlug sich dann auch in der Schwangerschaftsrate nieder: Obwohl die Behandlung häufiger abgebrochen werden musste, waren die Schwangerschaftsraten auch mit weniger Follikeln und Eizellen vergleichbar mit den Protokollen mit höherer Hormondosis. Die Schwangerschaftsrate pro ransfer war deutlich besser in der Gruppe derer, die nur wenige Hormone bekamen, selbst bei 4 oder weniger Eizellen lag die Schwangerschaftsrate pro Transfer hier bei ca. zwei Drittel.

Feichtinger et al.[3] zeigten bei Frauen in fortgeschrittenem Alter und leicht erhöhtem FSH-Werten, dass eine milde Stimulation ebenfalls vorteilhaft sein kann. Beim Vergleich zwischen dem langen Protokoll und hoher Dosierung und dem niedrig dosierten Antagonisten-Protokoll fanden sich keine Unterschiede bei den Schwangerschaftsraten bei wesentlich weniger Medikamentenverbrauch und -kosten.

Eine Studie, die ich leider nicht mehr finde (vielleicht kennt sie einer der werten Leser und kann mir helfen) untersuchte die Qualität der Eizellen, Embryonen und natürlich die sich daraus ergebenden Schwangerschaftsraten und kam zu dem Schluss, dass bis zu einer Follikelzahl von 15 die Qualität der Eizellen und Embryonen keine wesentlichen Änderungen rfährt, aber ab 15 aufwärts die Erfolgsraten sinken.

Man kann zusammenfassend sagen, dass die Erfolgraten bei einer IVF von der Eizellzahl abhängen kann, eine geringe Anzahl auf jeden Fall aber eine milde Stimulation Geldbeutel und Gesundheit schont.


[1]Pelinck MJ, Vogel NE, Hoek A, Arts EG, Simons AH, Heineman MJ
Minimal stimulation IVF with late follicular phase administration of the GnRH antagonist cetrorelix and concomitant substitution with recombinant FSH: a pilot study.
Hum Reprod. 2005 Mar;20(3):642-8

[2]Hohmann FP, Macklon NS, Fauser BC
A randomized comparison of two ovarian stimulation protocols with gonadotropin-releasing hormone (GnRH) antagonist cotreatment for in vitro fertilization commencing recombinant follicle-stimulating hormone on cycle day 2 or 5 with the standard long GnRH agonist protocol.
J Clin Endocrinol Metab. 2003 Jan;88(1):166-73

[3]Weghofer A, Margreiter M, Bassim S, Sevelda U, Beilhack E, Feichtinger W
Minimal stimulation using recombinant follicle-stimulating hormone and a gonadotropin-releasing hormone antagonist in women of advanced age.
Fertil Steril. 2004 Apr;81(4):1002-6


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich könnte noch eine Idee zu niedrig dosierten Hormongaben bei Kryoversuchen beitragen. Da wird nämlich meines Erachtens viel zu viel stimuliert. Vor einigen Tagen habe ich mir mal das Schweizer IVF Register reingezogen (FIVNAT), hier herunter zu laden: http://www.sgrm.org/FIVNAT_2004_2.pdf

    Und da ist mir aufgefallen, dass die Schweizer bei Kryo viel viel weniger stimulieren und trotzdem mindestens gleich gute Ergebnisse haben. Was sagen Sie dazu, Doc?

  2. Elmar Breitbach
    SaSa schreibt

    was konkret bedeutet die niedrig dosierte Hormongabe? Von welchen Werten wird hier gesprochen, und welchen Medikamenten werden eingesetzt?
    Danke!

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Was mild und was stark ist, orientiert sich nicht an der Dosis, sondern an der Wirkung der Dosis auf die Eierstöcke. Was bei einer über 40-jährigen Frau eine milde Wirkung hervorruft, kann bei einer jungen Frau bereits zu einer Überstimulation führen