Neurologische Störungen nicht durch IVF bedingt


Entgegen den Resultaten früherer Untersuchungen konnte ein Forscherteam aus Dänemark nachweisen, dass nicht die IVF ein erhöhtes Risiko für cerebrale Lähmungen (=durch Hirnschäden bedingt) darstellt, sondern die nach einer solchen Behandlung häufiger vorkommenden Mehrlingsschwangerschaften. Sie korrigierten damit Aussagen einer eigenen Studie[1], die im Herbst des letzten Jahres erschien.

Bei genauerer Betrachtung der Daten konnte der direkte Zusammenhang zwischen IVF und neurologischen Erkrankungen nicht nachgewiesen werden. Es fiel auf, dass diese Erkrankungen zwar häufiger bei IVF-Kindern auftraten (um 61%), jedoch vornehmlich bei den Mehrlingsschwangerschaften, während die Einlingsschwangerschaften nach IVF hier keine signifikanten Häufungen zeigten.

Die Forscher untersuchten die Daten von Einlings- und Zwillingsschwangerschaften des dänischen Geburtsregisters über einen Zeitraum von 6 Jahren: 9.255 der geborenen Kinder warendurch eine IVF gezeugt worden und 394.713 auf normalem Wege. Wen diesen hohen Zahlen wundern: Es ist tatsächlich so, dass Dänemark mit mehr als 1200 Behandlungen pro 100.000 Frauen im Alter zwischen 25 und 45 an der Spitze in Europa steht.

Die Leiterin der Untersuchung, Dr. Dorte Hvidtjorn von der Universität Aarhus wies darauf hin, dass die Mehrlingsrate nach IVF unbedingt gemindert werden muss: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die erhöhten Risiken für cerebrale Lähmungen den Frühgeburten nach IVF zuzuschreiben sind und hier insbesondere denen, die wegen einer Mehrlingsschwangerschaft zu früh auf die Welt kommen, jedoch nicht der Behandlung als solcher.“ Diese Ergebnisse decken sich auch mit Aussagen anderer dänischer Arbeitsgruppen, die diese Daten als Grundlage ihrer Studien verwendeten[2].

Es sei darauf hingewiesen, dass diese Ergebnisse zwar beruhigend sind, jedoch auch andere Interpretationen der Daten existieren, die auch bei Einlingschwangerschaften nach IVF eine erhöhte Frühgeburtsrate feststellten[3]. Man erklärt sich dies indirekt jedoch auch mit einer erhöhten Mehrlingsrate, da in diesen Fällen oft eine Zwillingschwangerschaft in der Frühschwangerschaft bestand, von der sich ein Zwilling nicht weiter entwickelte („vanishing twin“).

Die Studie erscheint in diesem Monat in „Pädiatrics„:
Dorte Hvidtjørn, Jakob Grove, Diana E. Schendel, Michael Væth, Erik Ernst, Lene F. Nielsen, and Poul Thorsen
Cerebral Palsy Among Children Born After in Vitro Fertilization: The Role of Preterm Delivery—A Population-Based, Cohort Study
Pediatrics 2006; 118: 475-482.


[1]: Hvidtjorn D, Grove J, Schendel D, Vaeth M, Ernst E, Nielsen L, Thorsen P
‚Vanishing embryo syndrome‘ in IVF/ICSI.
Hum Reprod. 2005 Sep;20(9):2550-1.

[2]: Pinborg A, Loft A, Nyboe Andersen A
Neonatal outcome in a Danish national cohort of 8602 children born after in vitro fertilization or intracytoplasmic sperm injection: the role of twin pregnancy.
Acta Obstet Gynecol Scand. 2004 Nov;83(11):1071-8

[3]: A. Pinborg, Ø. Lidegaard, N. la Cour Freiesleben, A. Nyboe Andersen
Consequences of vanishing twins in IVF/ICSI pregnancies
Human Reproduction 2005 20(10):2821-2829


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