Neue Studie: Weiterrauchen!


Rauchen und FruchtbarkeitEs gibt ja Sachverhalte, die man als gegeben annimmt. Z. B. den, dass Rauchen die Fruchtbarkeit schädigt, zumal es dazu ja auch Studien gibt, die es hinreichend belegen. Verwirrend ist es dann, wenn ebenso überzeugend eine andere Studie belegen kann, dass Rauchen die weibliche Fruchtbarkeit nicht tangiert. Bevor ich die aktuelle Studie[1] hier kurz zusammenfasse: Bei solchen Widersprüchen ist gelegentlich der gesunde Menschenverstand bei der Entscheidungsfindung (hier: Weiterrauchen oder Aufhören) hilfreich. Entscheiden Sie also selbst.

Eine US-amerikanische Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte den Einfluss von Nikotinabusus auf den Ausgang einer IVF-Behandlung. In die Studie wurden Frauen einbezogen, die in der Vergangenheit geraucht hatten und solche, die auch während der Therapie noch rauchten. Bei 389 Patienten wurden folgende Faktoren erfasst: höchster Östrogenwert, Volumenzunahme der Eierstöcke, Zahl der Eizellen, Eizellreife, Befruchtungsrate, Teilungsgeschwindigkeit der Embryonen, Qualität der Embryonen, Zahl und Verlauf der Schwangerschaften. Die Patienten wurden in drei Gruppen unterteilt: Nichtraucher (78,6%), ehemalige Raucher (12,1%) und Frauen die weiter Zigaretten konsumierten (9,3%).

Erstaunlicherweise konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Nikotinkonsum und den untersuchten Parametern hergestellt werden. Es sei aber noch einmal darauf hingewiesen, dass bei der eingangs erwähnten Studie[2] 8.000 Behandlungszyklen untersucht wurden und eine Verminderung der sogenannten “Baby-Take-Home-Rate” rauchender Frauen um 28% gegenüber ihren nichtrauchenden Geschlechtsgenossinen festgestellt werden konnte.


[1]Wright KP, Trimarchi JR, Allsworth J, Keefe D.
The effect of female tobacco smoking on IVF outcomes.
Hum Reprod. 2006 Jul 13; [Vorabveröffentlichung online]

[2] A.M.E. Lintsen, P.C.M. Pasker-de Jong, E.J. de Boer, C.W. Burger, C.A.M. Jansen, D.D.M. Braat, and F.E. van Leeuwen on behalf of the OMEGA project group
Effects of subfertility cause, smoking and body weight on the success rate of IVF
Hum. Reprod. 2005 20: 1867-1875


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Annamirl schreibt

    Hmm,
    Da frage ich mich wie sinnvoll solche Untersuchungen überhaupt sind. Für die eine oder andere kann das schon wieder die Entschuldigung sein weiterzurauchen und dass Rauchen überhaupt und vor allem in der SS schädlich ist, ich glaube darüber brauchen wir nicht weiter zu diskutieren.

  2. Elmar Breitbach
    Nella schreibt

    War das prospektiv?
    Können je ca. 40 Frauen (Raucher/ ehemalige Raucher) genug sein, um den Unterschied zwischen den drei Gruppen herauszufinden? Bzw. wenn das die berechnete nötige Gruppengröße war, wie groß hätte der Unterschied sein müssen, um statistisch signifikant zu sein?
    Was ist mit den Männern (second hand smoking, Ursache der Infertilität)?
    Was ist überhaupt Ursache der Infertilität? War die in den drei Gruppen gleich verteilt?
    Wieviel Embryonen wurden jeweils eingesetzt (schließlich ist die entscheidende Frage, wie viele haben am Ende ein Kind gehabt. Und das ist nunmal von der Anzahl der übertragenen Embryonen beeinflußt)?

    … ich hab nämlich aufgehört zu rauchen, als ich die Therapie begann. Und jetzt das!!! 😉
    Nella

  3. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Annamirl,

    Die Untersuchung ist natürlich sinnvoll. Denn man macht ja erst die Untersuchung und dann hat man die Ergebnisse und nicht umgekehrt. Aber Sie haben natürlich recht, das sehe ich auch so.

    @ Nella: Nein. Eine sogenannte Kohortenstudie. CI kenne ich nicht, da es eine Vorabveröffentlichung war ohne die ganauen Details. Zahl der Embryonen bei Transfer, Alter und einige andere relevante Faktoren waren bei den Gruppen gleich verteilt. In dieser (zufälligen) gleichen Verteilung könnte aber auch der Fehler liegen. Ich halte die Fallzahl auch technisch gesehen für viel zu gering.

    Andererseits: Es wird in Human Reproduction abgedruckt und das ist nicht irgendeine Zeitschrift.

    @ Beide: Ich habe auch kurz überlegt, ob ich das hier reinstelle, aber schließlich wird das hier von erwachsenen Menschen gelesen..und meist vernunftbegabten 😉

  4. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    möglicherweise gibts noch andere Faktoren, die alles beeinflussen.
    ich entsinne mich an die schöne Studie über Grashüpfer (Methodik ist ja ein sehr anspruchsvolles fach)
    wenn ein Grashüpfer andere Grashüpfer zirpen hört, antwortet er.
    Entfernen wir mal ein Bein.
    kein Effekt meßbar.
    Entfernen wir mal alle Beine.
    Der Grashüpfer antwortet nun nicht mehr.

    Ergo: wenn ein Grashüfper seine Beine verliert, wird er taub…..

    es gibt gerade beim Rauchen so viele Faktoren, nicht nur das Nikotin mit seiner Wirkung.

    (rauche seit jahren nicht mehr, weil mir der Geruch zuwider ist)

  5. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    P.S. auch die reviewten Fachjournals drucken ab und zu etwas ab, was später zurückgezogen werden muß (oder müßte). ich plädiere nach wie vor für den gesunden Menschenverstand, den man immer angeschaltet lassen sollte….

  6. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ..ist jetzt vielleicht eine etwas verwegene theorie, aber ich denke wenn man die grundaussagen der gerinnungsstudie hier im blog mit der letztlich ungekläretn frage der potentiell negativen wirkung von rauchen auf fertilität verknüpft, dann kommt man der antwort schon einen möglichen schritt näher:

    meine theorie: bei entsprechender hämostatischer prädisposition hat rauchen eine weitaus gravierendere schädliche wirkung als bei frauen ohne diese veranlagung…da nicht klar ist in welchem umfang und wie weit verbreitet solche gerinnungsstörungen sind ist letztlich auch nur mit einer 3. studie zu klären ob die theorie zutrifft…logisch wärs allemal ;-).

  7. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    denkbar wäre zudem auch, daß die Frauen (Paare), die mit dem Rauchen aufhören, eine andere dysfuntkionale Sache anwenden, um mit dem Streß und dem Schmacht zurecht zu kommen.
    und das DAS dann das Problem ist.
    was weiß ich, was Raucher so alles tun,w enn sie nicht rauchen dürfen…
    oder aber daß diese Paare sich mehr Passivrauchen zumuten, wegen des Geruchs
    oder daß die methodik der Studie eben nicht ganz befriedigend ist (Stichprobenauswahl, Störfaktoren, Interpretation ) siehe mein Beispiel mit dem Grashüpfer.