Neue Embryonentests könnten IVF-Schwangerschaftsraten erhöhen


Mit Hilfe von bestimmten Marker-Proteinen, könnte es bald möglich sein, die Qualität von Embryonen und Eizellen im Rahmen einer IVF-Behandlung zu bestimmen, ohne dass diese dabei verletzt werden müssen. Neue Tests, die nach bestimmten Molekülen suchen, die nur von gesunden Embryonen produziert werden, können den Biologen und Ärzten bei der Wahl der Embryonen helfen, die sich mit der höchsten Wahrscheinlichkeit einnisten und zur Geburt gesunder Kindern führen.

Bei der IVF werden üblicherweise mehrere Eizellen befruchtet und zu Embryonen kultiviert. Der Embryologe wählt die die besten Embryonen oder befruchteten Eizellen aus, indem er sich an dem Aussehen der Zellen unter dem Mikroskop orientiert. Diese Kriterien sind zwar bis zu einem gewissen Grad durch eine systematische Untersuchung objektivierbar (z. B. PN-Scoring), lassen aber nur eine indirekte Aussage über die Embryonenqualität zu und sind letztlich subjektiv und beeinflusst durch den jeweiligen Untersucher. In den Vereinigten Staaten kommt es bei weniger als 40% der IVF-Behandlungen zu einer Schwangerschaft. Um die Chancen zu erhöhen, werden routinemäßig mehrere Embryonen in die Gebärmutter übertragen, was das Risiko für Mehrlinge erhöht.

Daher sind gegenwärtig mehrere Gruppen von Wissenschaftlern dabei, schnellere und zuverlässigere Methoden für die Beurteilung der Eizellen und Embryonen zu entwickeln, bei denen die Zellen intakt bleiben. Mehrere Forschergruppen präsentierten ihre Ergebnisse dazu auf dem Jahrestreffen der American Society for Reproductive Medicine in New Orleans, die in der letzten Woche zu Ende ging. Solche Tests könnten die Schwangerschaftsraten erheblich steigern und die Notwendigkeit, mehrere Embryonen zu übertragen, vermindern. „Jeder kommt zu derselben Erkenntnis, dass dies notwendig ist“ sagt Dagan Wells, der die genetische Entwicklung von Eizellen an der Yale University in New Haven, Connecticut untersucht.

Die Wissenschaftler versuchen Proteine oder Stoffwechselprodukte zu erkennen, die nur von gesunden und intakten Zellen hergestellt werden können. Emre Seli an der Yale University und David Burns an der McGill University in Montreal verwenden dazu die Methode der Spektoskopie, um eine solche Signatur von Stoffen in den Flüssigkeiten erkennen zu können, in denen Eizellen und Embryonen kultiviert werden. Zwei Studien, über die bei dem Treffen in New Orleans berichtet wurde, ergaben eine 70%ige Zuverlässigkeit bei der Vorhersage, ob sich ein Embryo einnnisten kann oder nicht. Seli teilte mit, dass er die vorläufigen Ergebnisse in den nächsten Monaten mit einer größeren Zahl von Patientinnen in einer klinischen Studie bestätigen möchte.

Andere Forscher versuchen bereits bei den Eizellen vor der Befruchtung die richtigen auszuwählen. Gelänge dies, dann müssten weniger Eizellen befruchtet und eine geringere Anzahl an Embryonen wäre für die Behandlungt notwendig. Samir Hamamah aus Montpellier in Frankreich isoliert dazu die Proteine in den sogenannten Granulosazellen, welche die Eizelle nach der Punktion oder dem Eisprung umgeben. Er berichtet, dass einige Proteine isoliert werden konnten, die in Abhängigkeit von der Vitalität der Eizellen in unterschiwedlichen Konzentrationen auftreten (S. Hamamah et al. RBM Online, http://www.rbmonline.com/Article/2559).

Und wie immer bei neuen Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin, sind auch diese Tests umstritten. Einige Forscher weisen nach, dass ein Test auf ein bestimmtes HLA-Antigen (HLA-G) im Kulturmedium den Ausgang einer IVF-Behandlung vorsagen kann. Davon ist aber nicht jeder zu überzeugen. „Jeder neue Test sollte die Schwangerschaftsraten sehr deutlich steigern, bevor man ihn den Patienten anbietet“, sagt Mandy Katz-Jaffe vom Colorado Center for Reproductive Medicine. Sie selbst arbeitet an einer Methode, die noch einen Schritt weitergeht. Das ehrgeizige Ziel ist nicht nur das Erkennen der optimalen Eizellen. sondern auch der Nachweis von spezifischen genetischen genetischen Störungen. Diese kann man bisher nur mit Hilfe einer Embryonenbiopsie (PID) oder Entnahme von Polkörperchen ausschließen, wobei unklar ist, inweiweit diese invasive Diagnostik den Embryo nicht auch schädigen kann. Katz-Jaffe sucht nach spezifischen Proteinen, die bei bestimmten chromosomalen Störungen vom Embryo in anderen Konzentrationen ausgeschieden werden als vom gesunden.

Santigao Munne von der Firma Reprogenetics und ein Experte auf dem Feld der PID, stellt in Frage, ob diee Methoden die PID in Zukunft ersetzen können. „Es ist viel Lärm und nichts“, sagt er und glaubt, dass diese Tests weniger spezifischen genetischen Veränderungen zuzuordnen sind, sondern Moleküle nachweisen, die von Embryonen gebildet werden, die absterben und sich nicht weiter teilen.

Nature 444, 12 – 13 (02 Nov 2006) News


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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    An wievielten Tag wurden denn bei den o.g. Experimenten die Nährlösungen untersucht?

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Vor der Fertilisierung. Also auch unter deutschem Recht umsetzbar, ja sogar unter dem noch strengeren italienischen Gesetz. Darauf wurde in dem Original-Artikel von "Nature" auch hingeweisen, den ich hier nur übersetzt habe. Den Halbsatz "This would be particularly useful in countries with legal restrictions such as Italy, where the law permits only three eggs at a time to be fertilized." hatte ich dabei allerdings gestrichen.

  3. Elmar Breitbach
    birgitt b. schreibt

    Ich wurde ja im 7. icsi-versuch in den usa behandelt und es wurde der sogenannte Embryo Marker Expression Test angewandt. hier wurde das kulturmedium der einzeln kulrivierten embryonen am 2. tag nach befruchtung untersucht und an hand dessen die besten ausgewählt (also hier wohl leider nicht anwendbar). jedenfalls wurde ich nach einsetzen der besten mit drillingen ss (nach 7 fehlversuchen wohlgemerkt) ein embryo sass leider im eileiter und einer hat sich nicht weiterentwickelt, so dass am ende ein baby dabei herauskam.
    ich habe 10 frauen dort kennengelernt, die alle älter waren und alle schon einige fehlversuche woanders hatten. jedenfalls sind bis auf 2 alle schwanger geworden.
    schade, dass das deutsche recht unsere reproärzte so beschneidet!!!!