Luftverschmutzung vermindert Chancen bei IVF


Die Qualität der Atemluft scheint einer amerikanischen Studie zufolge einen deutlichen Einfluss auf die Erfolgsraten bei der künstlichen Befruchtung zu haben. Die Luftqualität am Wohnort der Patientin scheint dabei ebenso wichtig wie am Standort des IVF-Labors.

Bei der Frage, welche Faktoren Einfluss auf die Erfolgsraten bei der IVF nehmen und weshalb diese Behandlung öfters fehlschlägt, als allen Beteiligten lieb sein kann, werden zu recht oft auch Umwelteinflüsse als Ursache für einen Misserfolg und natürlich den unerfüllten Kinderwunsch generell angeführt.

Das Problem ist jedoch, dass sich diese Faktoren nicht so einfach statistisch oder gar diagnostisch erfassen lassen, so dass es meist bei Mutmaßungen bleiben muss. In der nun vorliegenden empirischen Studie wurden anhand der Daten der US Environmental Protection Agency und eines etablierten „Kriging-Verfahrens“ die tägliche Belastung durch Luftverschmutzung bei 7.403 Frauen und ihren IVF-Praxen in ihrem ersten Behandlungszyklus berechnet.

Luftverschmutzung vermindert Erfolgschancen bei IVF
Luftverschmutzung vermindert Erfolgschancen bei IVF
Eine erhöhte Belastung mit Stickoxiden (NO2) führte zu einer Verminderung der Schwangerschaftsraten und Zahl der Lebendgeburten in allen Phasen der Therapie. Vom Start der Medikation bis hin zum Schwangerschaftstest, jedoch statistisch signifikant vor allem ab dem Embryotransfer. Die durchschnittliche Zahl der Lebendgeburten reduzierte sich insgesamt um ca. 15%, wobei es keine Grenzwerte gab, sondern dieser Effekt mit ansteigender Umweltbelastung kontinuierlich zunahm.

Die Feinstaubbelastung spielte ebenfalls eine Rolle und senkte die Schwangerschaftsraten um ca. 10%.

Sicher ist zu sagen, dass diese Studie so empirisch ist, wie eine Studie nur sein kann. Landesweite Statistiken werden auf einzelne Wohnorte hochgerechnet und die persönliche Belastung daraus gefolgert. Individuelle Risiken nicht einbezogen und eine Messung der persönlichen Belastung wurde nicht durchgeführt. Dies beklagen die Autoren der Studie übrigens auch selbst.

Wie die meisten halbwegs ernst zu nehmenden Studien dieser Art gleicht sie diese Defizite halbwegs mit einer großen Fallzahl aus. Da die Ergebnisse letztlich bereits bestehende Verdachtsmomente „belegt“, ist man jedoch bereit, diese Ergebnisse zu glauben. Da sich aber ohnehin keine therapeutischen Konsequenzen ergeben (IVF auf einer Nordsee-Insel in Verbindung mit einem 4-wöchigen Urlaub dortselbst wäre höchstens eine Möglichkeit), sollte man dies nicht allzusehr hinterfragen.

Legro RS, Sauer MV, Mottla GL, Richter KS, Li X, Dodson WC, Liao D
Hum Reprod. 2010 Mar 13. [Epub ahead of print]
Effect of air quality on assisted human reproduction


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Luftverschmutzung sind ja nicht nur Industrieabgase, sondern entsteht z.B. auch durch Rauchen. Und dazu gibt es ja nun auch schon studien. Einige Rauchinhaltsstoffe sind mit Inhaltsstoffen von Industrieabgaben identisch.

    Natürlich kann man die IVF schwer auf eine Nordseeinsel verschieben. Aber man kann sich auch im Rahmen seiner Möglichkeiten einem gewissen Luftverschmutzungsgrad entziehen.

  2. Elmar Breitbach
    Salmon schreibt

    In Europa ist die lokale Luftverschmutzung in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Gleichzeitig hat jedoch der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 weiter zugenommen. In den Ländern der dritten Welt, in Russland, in China und anderen Schwellenländern ist die lokale und regionale Luftverschmutzung noch ein erhebliches Problem.
    Qelle: http://www.deol.de/articles/342/1/Luftverschmutzung/Seite1.html