Kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder nach künstlicher Befruchtung

IVF und ICSI erhöhen das Risiko der Kinder für bösartige Erkrankungen nicht


Trotz einer ständig zunehmenden Zahl an Kindern, die durch IVF und ICSI gezeugt wurden, ist wenig über mögliche Langzeitfolgen bekannt. Auch ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko wird immer wieder diskutiert. Aktuelle Studien geben Entwarnung.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zur Gesundheit von durch IVF und ICSI gezeugten Kindern. Je länger diese Methoden nun verwendet werden, desto umfangreicher ist der Zeitraum, den man im Leben dieser Kinder beobachten konnte. So konnte man inzwischen feststellen, dass die Fruchtbarkeit der durch ICSI gezeugten Söhne vermindert sein kann.  Oder kürzlich gab es Verdachtsmomente für ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck.

Was aber die potentiellen Eltern von ICSI- und IVF-Kindern immer und schon lange am meisten umtreibt ist die Sorge wegen eines möglicherweise erhöhten Krebsrisikos. Vor einiger Zeit gab es jedoch bereits beruhigende Studienergebnisse aus Großbritannien1)Carrie L. Williams, M.B., B.Ch., Kathryn J. Bunch, M.A., Charles A. Stiller, M.A., M.Sc., Michael F.G. Murphy, M.B., B.Chir., Beverley J. Botting, Ph.D., W. Hamish Wallace, M.D., Melanie Davies, M.B., B.S., and Alastair G. Sutcliffe, M.D., Ph.D.
Cancer Risk among Children Born after Assisted Conception
N Engl J Med 2013; 369:1819-1827
. Nun folgt eine Untersuchung aus Holland. Hierzu wurden die Daten der Kinder aller Frauen, die in Holland zwischen 1980 und 2001 eine Kinderwunschbehandlung hatten, untersucht. Die Daten wurden im Rahmen der „OMEGA study“ in 14 Kinderwunschkliniken oder -praxen erhoben.

Über einen so langen Zeitraum kommt natürlich Einiges zusammen. Die Daten von 47.690 Kindern wurden erhoben. 24.269 wurden nach IVF oder ICSI geboren, 13.761 Schwangerschaften entstanden auf natürlichem Weg und 9.660 nur nach Gabe von Hormonen. Durch eine Abfrage des nationalen Krebsregisters wurden das Auftreten von Krebserkrankungen in diesen Studiengruppen festgestellt. Das Krebsrisiko der natürlich entstandenen Kinder wurde mit denen nach künstlicher Befruchtung und nach Hormonbehandlungen verglichen. Zum Vergleich diente auch die durchschnittlichen Daten der allgemeinen Bevölkerungsstatistik in diesem Zeitraum.

Kein erhöhtes Krebsrisiko

Im Mittel wurden die Kinder über einen Zeitraum von 21 nachverfolgt. Insgesamt traten 231 Krebserkrankungen auf. Weder bei den nach Kinderwunschbehandlungen auf normalem Wege gezeugten Kindern noch nach IVF und ICSI waren die Risiken für das Auftreten einer bösartigen Erkrankung erhöht, verglichen mit der Durchschnittsbevölkerung.

Diese Studie hat einen eher erfreulichen Grund für ihre eingeschränkte Aussagekraft: Bösartige Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind sehr selten und daher ist trotz der sehr hohen Zahl an Daten eine Aussage über bestimmte Krebserkrankungen nicht zuverlässig möglich. Zusammenfassend kann man aber mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass das Risiko für Krebs nach einer künstlichen Befruchtung nicht erhöht ist.

 

 


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Literatur   [ + ]

1. Carrie L. Williams, M.B., B.Ch., Kathryn J. Bunch, M.A., Charles A. Stiller, M.A., M.Sc., Michael F.G. Murphy, M.B., B.Chir., Beverley J. Botting, Ph.D., W. Hamish Wallace, M.D., Melanie Davies, M.B., B.S., and Alastair G. Sutcliffe, M.D., Ph.D.
Cancer Risk among Children Born after Assisted Conception
N Engl J Med 2013; 369:1819-1827
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