Kaiserschnittnarbe: Schlechtere Erfolgsraten bei IVF?

Schlechtere Schwangerschaftsraten nach Kaiserschnitt?


Nach einem Kaiserschnitt entsteht eine Narbe in der Gebärmutter, verringern sich durch die Kaiserschnittnarbe die Chancen auf eine Schwangerschaft?

Ein Kaiserschnitt (Sectio) ist heutzutage eine häufige Form der Entbindung. Für das Jahr 2019 berichtet das Statistische Bundesamt eine Sectiorate von fast 30%. Und Frauen, die sich einer IVF oder ICSI unterziehen müssen, haben zum Teil auch schon Kinder geboren und demzufolge eine Kaiserschnittnarbe.

Damit ist natürlich nicht die Narbe an der Bauchhaut gemeint, die hat keinen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit. Jedoch diskutiert man bei der Narbe in der Gebärmutter, ob sie die Erfolgsraten einer künstlichen Befruchtung vermindern könnte. Diese Kaiserschnittnarbe ist oft im Ultraschall als eine zipflige Ausbuchtung des Gebärmutterhalskanals zu erkennen, wie man auch im obigen Bild sehen kann.

Zum Einen ist dann an dieser Stelle die Wand der Gebärmutter dünner als sonst und zum Anderen ist durch diese dreizipflige Aussparung die Kontinuität des Gebärmutterhalses gestört. Hat dies Folgen für den Eintritt und den Verlauf einer weiteren Schwangerschaft?

Warum kann eine Kaiserschnittnarbe die Chancen auf eine Schwangerschaft vermindern?

Der rote Pfeil verweist auf eine Narbe der Gebärmutter, die sich typisch dreieckig darstellt und der alten Kaiserschnittnarbe entspricht.

Man muss erst einmal unbedingt darauf hinweisen, dass natürlich nicht immer eine solche Aussparung im Bereich der Kaiserschnittnarbe entsteht. Die Techniken, mit der diese Operation durchgeführt wird, wurde in den letzten Jahren angepasst. Der Naht der Gebärmutter wurde um die Jahrtausendwende eher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Damals setzte sich die „Sanfte Methode“ des Kaiserschnitts nach Misgav-Ladach durch. Diese schonende Methode beinhaltete aber auch eine weniger aufwendige Nahttechnik der Gebärmutter. Inzwischen wird jedoch wieder mehr darauf geachtet, Ausdünnungen im Bereich der Kaiserschnittnarbe zu vermeiden.

In der Nische, die durch die Sectionarbe entsteht, kann sich Flüssigkeit ansammeln. Manche Frauen bemerken dies, wenn sich das Menstruationsblut dort sammelt und dann über einen längeren Zeitraum abgegeben wird. Eine verlängerte Regelblutung kann ein Symptom für eine solche „Nische“ sein.

Auch wird angenommen, dass die Flüssigkeit, die sich dort ansammelt, auch in die Gebärmutter zurücklaufen kann. Man nimmt an, dass diese Flüssigkeit die Einnistung eines Embryos stören könnte. Man vermutet ähnliche Zusammenhänge wie bei einem flüssigkeitsgefüllten Eileiter (Hydrosalpinx). Aber es ist wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen: Das sind Theorien, die bislang keinesfalls belegt sind.

Studie: Sectionarbe stört Einnistung nach künstlicher Befruchtung

Im August dieses Jahres publizierte eine italienische Arbeitsgruppe eine Übersichtarbeit zu diesem Thema1)Riemma, G., De Franciscis, P., Torella, M., Narciso, G., La Verde, M., Morlando, M., … & Colacurci, N. (2021). Reproductive and pregnancy outcomes following embryo transfer in women with previous cesarean section: A systematic review and meta‐analysis. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica.. Sie fassten die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen, die die Erfolgsraten bei Frauen untersuchten, die sich nach Geburt eines Kindes einer erneuten Behandlung unterzogen. Es fanden sich 10 auswertbare Studien mit den Daten von insgesamt 13 696 Frauen, die sich nach einer ausgetragenen Schwangerschaft einer künstlichen Befruchtung unterzogen.

Biochemische Schwangerschaften

frühe Schwangerschaften, die sich nur über das Blut bestimmen lassen, aber noch nicht durch einen Ultraschall, werden als biochemische Schwangerschaften bezeichnet. Diese traten bei Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten ca. 10% seltener auf als bei jenen Frauen, die ihr Kind auf normalem Weg zur Welt gebracht hatten.

Klinische Schwangerschaften

Eine Klinische Schwangerschaft ist bereits im Ultraschall erkennbar. Die genaue Definition einer biochemischen und einer klinischen Schwangerschaft haben wir hier ausführlich beschrieben. Hier fand sich kein Unterschied in den Schwangerschaftsraten zwischen den Frauen mit Kaiserschnitt in der Vorgeschichte und jenen ohne.

Eileiterschwangerschaften, Fehlgeburten und Frühgeburten

Bei den Eileiterschwangerschaften findet sich auch keine gute Erklärung, warum dieser nach einem Kaiserschnitt häufiger sein sollten. Aber man würde annehmen, dass eine Kaiserschnittnarbe die Zahl der Fehlgeburten erhöhen könnte. Beides ist jedoch nicht der Fall; die Häufigkeit unterschied sich nicht in Abhängigkeit von der Art der Entbindung in der Vorgeschichte. Auch Frühgeburten traten in keiner Gruppe häufiger auf.

Lebengeburten

Lebendgeburten sind ja das Ziel einer IVF. Diese traten nach einem Kaiserschnitt gut 10% seltener auf als in der Gruppe der Frauen ohne einen Kaiserschnitt. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant. Es scheint also so zu sein, dass nach einem Kaiserschnitt das Schwangerwerden durch eine IVF oder ICSI erschwert sein kann.

Therapie: Operation?

Es gibt inzwischen Operationsverfahren, mit denen per Bauchschnitt oder endoskopisch der Defekt in der Kaiserschnittnarbe verringert oder beseitigt werden kann. Interessant wäre hierfür natürlich auch, ob die Größe des Defekts, der durch die Kaiserschnittnarbe entsteht, maßgeblich ist. Mit anderen Worten: Gibt es eine Ausdehnung der Sectionarbe, die eine klare Indikation für eine Operation ist?

Einen klaren Zusammenhang kann man hier nicht herstellen. Sicher ist eine solche Narbenkorrektur immer in Erwägung zu ziehen, wenn trotz bester Voraussetzungen eine IVF wiederholt erfolglos bleibt. Es gibt aber keinen Konsens über einen Wert der Narbe (Tiefe, Breite oder Ähnliches), der eine Operation als unabhängiger Parameter nahelegen würde.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine Kaiserschnittnarbe eine niedrigere Lebengeburtenrate nach künstlicher Befruchtung zur Folge hat, aber letztlich immer noch unklar ist, bei welcher Ausprägung man einen solchen Befund am besten operiert.

Noch Fragen?

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Literatur

Literatur
1 Riemma, G., De Franciscis, P., Torella, M., Narciso, G., La Verde, M., Morlando, M., … & Colacurci, N. (2021). Reproductive and pregnancy outcomes following embryo transfer in women with previous cesarean section: A systematic review and meta‐analysis. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica.
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