IVF: Keine vermehrten Fehlbildungen durch Imprinting


Mit Imprinting wird ein Vorgang bezeichnet, der die Gene auf unseren Chromosomen an- und abschaltet. Mit den väterlichen und mütterlichen Chromosomen werden alle Gene doppelt vererbt, aber meist wird nur eines benötigt, das andere wird “abgeschaltet”. Das “Imprinting” legt fest, ob das von der Mutter oder das vom Vater geerbte Gen aktiviert wird. Begünstigt durch die Reagenzglasbefruchtung soll es zu Defekten kommen, welche durch die Aktivierung beider elterlichen Gene entstehen können.

Eine aktuelle Diskussion darüber wurde in der Laienpresse durch einen Artikel in der „Zeit“ angestossen, in dem ein gehäuftes Auftreten des Beckwith-Wiedemann-Syndrom als Folge von Kinderwunschbehandlungen beschrieben wurde:

Selten ist auch das Beckwith-Wiedemann-Syndrom, durchschnittlich kommt ein Fall auf etwa 12000 Geburten. Die Babys leiden unter Riesenwuchs, der zu vergrößerten Organen und erhöhter Tumoranfälligkeit führt. Im vergangenen Jahr stellten Mediziner in den USA, in Großbritannien und Frankreich fest, dass in allen drei Ländern auffällig viele Babys mit Beckwith-Wiedemann-Syndrom im Labor gezeugt wurden. Insgesamt wurden 19 riesenwüchsige Babys nach In-vitro-Fertilisation (IVF) oder künstlicher Injektion eines Spermiums ins Ei (ICSI) entdeckt. Statistisch zu erwarten wären etwa fünf Fälle.

Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der American Society for Reproductive Medicine konnten diese Verdachtsmomente zwar bereits zum Teil entkräften, aber aussagefähige epidemiologische Studien zu diesem Thema gibt es wenige.

Aktuell widmet sich eine dänische Studie diesem Thema. Dazu wurden alle zwischen dem 1.1.1995 und dem 31.12.2001 in Dänemark nach Einlingsschwangerschaften geborenen Kinder aus zentralen Gesundheitsregistern (National Register of Patients und Central Register of Psychiatric Diseases) herausgesucht und im Hinblick auf für das „Imprinting“ relevanten Erkrankungen erfasst.

442 349 auf normalem Wege gezeugte Kinder (Kontrollgruppe) und 6052 „IVF-Kinder“ fanden Eingang in die Studie und wurden im Mittel mehr als 4 Jahre über die Gesundheitsregister verfolgt.

IVF Kontrollgruppe
Krebs 0 72
psych. Erkrankung 47 3766
neurol. Erkrankung 72 3654
angeborene Syndrome 4 287
Entwicklungsstörungen 96 6727

Bei den neurologischen Störungen fand sich für die IVF-Kinder ein erhöhter Anteil an cerebralen Lähmungen (1,8fach erhöht) sowie eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen. Bei allen anderen o. g. Erkrankungen ließen sich keine Unterschiede feststellen.

Bei der Kontrollgruppe fanden sich insgesamt 54 Kinder mit Erkrankungen, die man mit einem gestörten Imprinting in Zusammenhang bringt: 44 bösartige Nierenerkrankungen, 5 Retinoblastome, 3 Prader-Willi-Syndrome und zwei Russel-Silver-Syndrome. Wäre der Prozentsatz solcher Erkrankungen bei den durch IVF gezeugten Kindern ähnlich hoch gewesen, hätte man 0,74 Kinder mit einer solchen Erkrankung erwarten müssen. In der IVF-Gruppe trat eine solche spezifische Erkrankung, die mit einem Imprinting-Defekt zu erklären gewesen wäre, nicht auf.

Aufgrund der hohen Zahl der erfassten Kinder ist dieser Studie ist ein gehäuftes Auftreten von Imprinting-Defekten bei Kindern, die durch IVF gezeugt wurden, nicht anzunehmen.

Imprinting diseases and IVF: Danish National IVF cohort study
Øjvind Lidegaard, Anja Pinborg and Anders Nyboe Andersen
Human Reproduction 2005 20(4):950-954


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