IVF-Chancen online ausrechnen

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Wäre es nicht schön, wenn man nur ein paar Zahlen in ein Internetformular eintippen müsste, um herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche IVF-Therapie ist? Englische Wissenschaftler haben einen Rechner entwickelt, der genau dies ermöglichen soll.

Anhand von 9 Punkten werden die individuellen Chancen berechnet:

  • Alter
  • Dauer des Kinderwunschs
  • Eizellspende oder eigene Eizellen
  • Ursache der Kinderlosigkeit
  • Wievielte IVF-Behandlung und wieviele ohne Erfolg
  • Bestanden bereits Schwangerschaften oder sind eigene Kinder vorhanden?
  • Geplante Medikation
  • IVF oder ICSI geplant?

Interessant ist, dass der AMH-Wert bei dieser Kalkulation keine Berücksichtigung findet, obwohl er die Ergebnisse sicherlich signifikant beeinflussen würde und die Ersteller dieses Rechners Einiges zu diesem Thema publiziert haben. Außerdem wären Gewicht und Nikotinkonsum sicherlich auch Punkte, die man mit einbeziehen sollte.

Kann man individuelle Wahrscheinlichkeiten vorhersagen?

ivfpredictorNun kann man von solchen Modellen vieles erwarten, aber sicherlich keine 99%ige Sicherheit bei der Vorhersage, wie auf der Webseite behauptet wird. Denn was bedeutet es denn, wenn einem eine Wahrscheinlichkeit von 10% für ein lebendes Kind errechnet wird und wie wird dieses Ergebnis verifiziert? Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wenn es nach dieser Prognose im ersten Versuch zu einer Schwangerschaft und Geburt kommt, ist dann die Vorhersage 100%ig richtig?

Wenn auf der Webseite „100% accuracy for you“ verspochen wird, ist dies natürlich aus Sicht einer individuellen Person Nonsense. Es bedeutet – orientiert am oben genannten Beispiel – dass von 100 Paaren mit meinen Voraussetzungen 10 ein Kind bekommen werden. Zu welcher Gruppe ich gehören werde, weiß vor der Behandlung jedoch niemand.

Statistische Grundlage

Nun möchte ich nicht den Eindruck entstehen lassen, dass hier jemand ein einfaches Rechenmodell zusammengestümpert hat. Die Grundlage für den Rechner ist eine statistische Untersuchung von 144.018 Behandlungszyklen, die von 2003 bis 2007 in Großbritannien durchgeführt wurden (hier der Orignal-Artikel).

Der Einfluss der o. g. Variablen wurde mit Hilfe der statistischer Methoden (multivariable logistische Regression) ausgewertet. Die große Zahl lässt eine recht gute statistische Aussage zu, der Nachteil dieser Stichprobe liegt in den wenigen Variablen, die man untersuchen konnte, denn einige wichtige fehlen, wie bereits eingangs erwähnt.

Statistische Spielerei

Probiert man den Rechner aus und spielt ein wenig damit herum, dann bestätigt er einige bekannte Zusammenhänge sehr eindeutig.

Verändert man auf der Ergebnisseite einzelne Parameter, werden die Ergebnisse unten in Echtzeit angepasst. Gibt man bei bestimmten Konstellationen als Alter „39 Jahre“, dann ist die Schwangerschaftsrate doppelt so hoch wie bei der 40jährigen. In der Praxis ist dies natürlich so nicht nachvollziehbar. Ähnliche Sprünge zeigen sich bei 42 und 35 Jahren. Eine feinere Abstufung entspräche da eher der Realität.

Ist die Ursache für die Kinderlosigkeit auf eine Schädigung der Eileiter zurückzuführen, dann halbiert dies die Chancen im Vergleich zu anderen Ursachen, während die Endometriose nur einen geringen Einfluss auf die Schwangerschaftserwartung hat.

Nicht zu ernst nehmen

Anhand von 9 Faktoren die Chance auf ein Kind ausrechnen zu wollen ist sicherlich schwierig und das Versprechen einer 100%ig sicheren Aussage mehr als vermessen. Einige Parameter zeigen einen anderen Einfluss als man ihn selbst in der Praxis beobachten kann oder als ihnen in anderen großen Statistiken (Deutsches IVF-Register) zugewiesen wird.

Zum Herumspielen ist dieser Rechner durchaus interessant. Man sollte die Ergebnisse als betroffenes Paar jedoch mit Vorsicht genießen. Der behandelnde Arzt kennt wesentlich mehr signifikante Faktoren eines Paares mit Kinderwunsch und ist daher viel eher in der Lage die Chancen zu bewerten als es ein statistisches Modell sein kann, welches nur 9 Variablen berücksichtigt.

Nelson SM, Lawlor DA
Predicting Live Birth, Preterm Delivery, and Low Birth Weight in Infants Born from In Vitro Fertilisation: A Prospective Study
of 144,018 Treatment Cycles
PLoS Med 8(1): e1000386. doi:10.1371/journal.pmed.1000386


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Kommentar

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16 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    malu schreibt

    Warum ist der Punkt "damaged tubes" so einschneidend? Ist doch der generelle Hauptgrund für IVF, oder? War gerade sehr schockiert, meine Chancen halbiert zu sehen…

  2. Elmar Breitbach
    malu schreibt

    …und noch ein Unverständnis: warum mildert die Auswahl "ICSI" die Chancen noch einmal drastisch (in meinem spez.Fall: Chance ohne ICSI 22,..% mit ICSI knapp 10%?
    Sehr seltsam…

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @malu: Das habe ich ja auch bereits in meinem Artikel kritisiert. Die ICSI hatte ich nicht erwähnt, fand den Einfluss aber auch nicht nachvollziehbar.

    Ob jemand schwere Verwachsungen mit einer Saktosalpinx hat oder lediglich verschlossene Eileiter ist ein himmelweiter Unterschied. Und selbst bei einem ausgeprägten Befund halte ich dieses Ergebnis nicht für nachvollziehbar: liegen viele Gründe für eine Sterilitat vor, dann ist das dem Rechner zufolge günstiger als wenn "nur" die Eileiter verschlossen sind.

    Letztlich hangen die Ergebnisse auch von der Datenbasis ab und da stellt sich die Frage, wie differenziert diese in Großbritannien erhoben wurde.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Naja, das ist vielleicht der erste Rechner dieser Art. Den kann man jetzt weiter entwickeln, um noch treffendere Aussagen heraus zu bekommen.

    Auch die Zahl und Qualität der Embryonen könnte man optional für die Paare in der Warteschleife mit in das Rechenmodell aufnehmen.

    Dass wir hier mit Wahrscheinlichketen rechnen und dass das keine Kugel ist, mit der wir in die Zukunft schauen können, sollte natürlich jedem klar sein.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich könnte mir vorstellen, dass man mit den Daten des DIR eine deutlich bessere Aussagekraft hinbekäme, da mehr Daten in das Rechenmodell einfließen würden

  6. Elmar Breitbach
    Nauka schreibt

    Deprimierend. Aber langsam habe ich auch keine Hoffnung mehr. Seufz.

  7. Elmar Breitbach
    miletti schreibt

    21,4 % wenn ich die verklebten Eileiter weg lasse, ansonsten 10 % *?* Uaaah, und das, wo ich sowieso nicht sicher bin, wie lange ich das alles noch mache. Ich vertrau mal meinem Doc, der mir Mut gemacht hat.

  8. Elmar Breitbach
    looney schreibt

    Ich habe mal meine Chancen ausrechnen lassen Stand vor der 4. und posiven ICSI. Hatte da auch nur lausige 20, nochwas %.
    Komisch, hab inzwischen sogar 2 gesunde Kinder,das letzte sogar ganz ohne KB…

    Zum Verunsichern lassen ist dieser Rechner ganz große Klasse :-/

  9. Elmar Breitbach
    grueneGurke schreibt

    23%… naja, ich seh es als Spielerei und warte, was meine reale IVF bringt. 😀

    Ich denke die Hoffnung sollte man nie aufgeben!

  10. Elmar Breitbach
    sweetlara schreibt

    wir liegen bei 2,3 %…. und so fühle ich mich auch, seufz.

  11. Elmar Breitbach
    Sabrina schreibt

    Bei uns ergibt sich eine Chance von 36,2 %, für die erste ISCI bei OAT. Das entspricht meines Wissens der Realität.

  12. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Zitat: "Ich könnte mir vorstellen, dass man mit den Daten des DIR eine deutlich bessere Aussagekraft hinbekäme, da mehr Daten in das Rechenmodell einfließen würden."
    -> Zustimmung!

  13. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Nochmal als Ergänzung: Es geht hier nicht um die Schwangerschaftsrate, sondern um die Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu bekommen.

  14. Elmar Breitbach
    daniela schreibt

    ich habe chancen von 31,5 ist dAs gut?????

  15. Elmar Breitbach
    Anna67 schreibt

    Oh dann kann ich mir ja noch Zeit lassen, von 45 bis 50 bleiben meine Chancen bei 3,7 %! 😉

  16. […] vielen individuellen Faktoren beeinflusst, dass dies fast unmöglich erscheint. Der Versuch wurde bereits vor 5 Jahren unternommen und der aktuelle Rechner basiert auf den gleichen Parametern, jedoch auf einer größeren Zahl an […]