ICSI bei normalem Spermiogramm: Nicht sinnvoll

Ist die ICSI immer besser als die IVF? Eher nicht.


Oft wird auch bei normalen Spermien eine ICSI durchgeführt. Das scheint keine Vorteile gegenüber der konventionellen IVF zu haben.

Bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion werden die Spermien direkt in die Eizelle gespritzt. Ist die Spermienqualität schlecht, dann ist dies sehr hilfreich, da sonst die Befruchtung ganz ausbliebe. Bei normaler männlicher Fruchtbarkeit wird die ICSI jedoch auch oft durchgeführt, um die Befruchtung sicherzustellen und dadurch die Chancen auf eine Schwangerschaft zu verbessern.

Unlängst hatten wir hier schon mal einen Artikel eingestellt, der sich mit dieser Frage beschäftigte. Die Schlussfoolgerung war recht eindeutig:

Bei uneingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit hat es keinen Vorteil, eine ICSI statt einer IVF durchzuführen. Das gilt auch völlig unabhängig von der Zahl der gewonnen Eizellen. Also auch bei weniger als 5 Eizellen gibt es keinen Grund, eine ICSI durchzuführen, wenn die Spermienqualität normal ist.

Wenige Eizellen: Lieber ICSI?

Dennoch wird vor allem bei einer niedrigen Zahl an Eizellen die ICSI immer noch durchgeführt, weil man Sorge hat, sonst zu wenige befruchtete Eizellen zur Verfügung zu haben. Um diese Entscheidungsmuster nun zu ändern ist oft eine Studie nicht ausreichend. Für jene, die noch zögern gibt es nun eine weitere Untersuchung1)Supramaniam, P. R., Granne, I., Ohuma, E. O., Lim, L. N., McVeigh, E., Venkatakrishnan, R., … & Mittal, M. (2020). ICSI does not improve reproductive outcomes in autologous ovarian response cycles with non-male factor subfertility. Human Reproduction.

 

Dazu untersuchte man die  Daten, die in den Jahren 1996 bis 2016 an die HEFA gemeldet wurden. Dieses Institut führt in Großbritannien eine landesweite Statistik, ähnlich wie das DIR in Deutschland. In diesem Zeitraum wurden bei Frauen mit einer eingeschränkten Aktivität der Eierstöcke (poor responder) insgesamt  62.641 künstliche Befruchtungen durchgeführt: 33.436 (53,4%) IVF-Zyklen und 29.205 (46,6%) ICSI-Zyklen. In allen Fällen war die Spermienqualität normal.

In der Gruppe der Patientinnen mit weniger als 5 Eizellen war die Zahl der lebend geborenen Kinder nach ICSI nicht höher als nach einer IVF.

Auch wenn die Zahl der befruchteten Eizellen nach ICSI mit 67,2% etwas höher war als nach IVF (64,7%), machte dies bei der Geburtenrate keinen Unterschied.

Befruchtungsversagen nach ICSI seltener?

Dennoch werden nun die Verfechter die ICSI bei wenigen Eizellen sagen, dass aber doch zumindest die Zahl der Behandlungen, bei denen die Befruchtung gänzlich ausblieb, niedriger sein muss, wenn eine ICSI durchgeführt wurde. Es ist naheliegend, aber der Studie zufolge nicht richtig.

Der Anteil von Zyklen mit Befruchtungsversagen betrug nach IVF 17,3%. Wurde eine ICSI durchgeführt, lag dieser Prozentsatz bei 17,0. Dieser UNterschied ist statistisch nicht signifikant.

Also kommen auch die Autoren dieser Studie zu dem Schluss, dass die ICSI keine Vorteile gegenüber der normalen IVF bietet, wenn die Spermienqualität des Partners normal ist. Dies gilt auch für Zyklen mit einer Eizellausbeute ≤ 5.

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Literatur   [ + ]

1. Supramaniam, P. R., Granne, I., Ohuma, E. O., Lim, L. N., McVeigh, E., Venkatakrishnan, R., … & Mittal, M. (2020). ICSI does not improve reproductive outcomes in autologous ovarian response cycles with non-male factor subfertility. Human Reproduction.
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