Hohe Östrogene können Einnistung behindern

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Werden im Rahmen einer künstlichen Befruchtung viele Eizellen gewonnen und dadurch auch hohe Östrogenwerte erreicht, dann stellt sich auch die Frage, inwiefern dies einen Einfluss auf die spätere Einnistung haben kann. Eine Studie, die deutliche Vorteile für eine milde Stimulation erkennen lässt finden Sie hier.

In einer chinesischen Studie wurden der Zusammenhang zwischen hohen Östrogenwerten und Einnistung nun ebenfalls in fast 1200 Behandlungszyklen untersucht. Dazu wurden zunächst drei Gruppen gebildet, die sich aus den Verteilungen (Perzentilen) der Östrogenwerte vor der auslösenden Spritze ergaben. Die „normalen“ Reaktionen (Gruppe A, 25.-75. Perzentile: 1.199-3.047 pg/ml, 595 Zyklen), die moderat erhöht Reagierenden (Gruppe B, 75.-90. Perzentile: 3.048-4.127 pg/ml, 180 Zyklen) und die stark reagierenden Patientinnen (Gruppe C: >/=4.128 pg/ml, 119 Zyklen) wurden unterschieden.

Schlechtere Ergebnisse nur bei frischen Embryonen

Die Ergebnisse der Punktionszyklen und der ggf. nachfolgenden Kryotransfers wurden für die Studie ausgewertet. Es ergab sich kein Unterschied in der Eizellqualität und der Befruchtungsrate in den drei Studiengruppen. Verglichen mit der Gruppe A zeigten sich eine signifikante Verminderung der Einnistungsraten bei der Gruppe C, wenn frische Embryonen in die Gebärmutter zurückgegeben wurden.

Negativer Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut

Wurden zuvor eingefrorene Embryonen aus diesen Stimulationszyklen transferiert, so zeigte sich kein Unterschied in den Schwangerschaftsraten.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass hohe Östrogenwerte nicht unbedingt zu einer verminderten Eizellqualität führen, jedoch die Gebärmutterschleimhaut durch die unphysiologisch hohen Hormonspiegel ein Qualität verlieren kann. Es sei darüber hinaus auch darauf hingewiesen, dass die hohen Östrogenwerte für das Entstehen eines Überstimulationssyndroms hauptsächlich verantwortlich sind.

Chen QJ, Sun XX, Li L, Gao XH, Wu Y, Gemzell-Danielsson K, Cheng LN
Effects of ovarian high response on implantation and pregnancy outcome during controlled ovarian hyperstimulation (with GnRH agonist and rFSH).
Acta Obstet Gynecol Scand. 2007;86(7):849-54


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. […] Bereits im Jahre 2005 konnte eine chinesische Arbeitsgruppe zeigen, dass hohe Östrogenspiegel einen negativen Effekt auf die Einnistung der Embryonen haben können. In einer retrospektiven Untersuchung fand sich in drei Gruppen mit unterschiedlich hohen Östrogenspiegeln eine signifikante Verschlechterung der Erfolgsraten mit zunehmendem Östrogenspiegel. Dies galt jedoch nur für die frischen Transfers im Punktionszyklus. Es zeigte sich kein Unterschied, wenn zuvor eingefrorene Embryonen eingepflanzt wurden. Die Schlussfolgerung der Studie von 2007 war daher, dass hohe Östrogenspiegel die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut behindern können, jedoch keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Eizellen und Embryonen haben. Den Artikel hatten wir damals auch in unseren News, mehr dazu hier. […]

  2. […] Die von der NZZ interviewten Reproduktionsmediziner wiesen darauf hin, dass wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge hohe Dosierung zu mehr genetische Auffälligkeiten bei den Eizellen führen [siehe auch hier] und die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut vermindern könne [siehe auch hier]. […]

  3. […] negativen Effekt unphysiologisch hoher Östrogene auf die Qualität der Gebärmutterschleimhaut und ihre Fähigkeit, die Einnistung eines Embryos zuzulassen. Den Transfer dann im natürlichen Zyklus oder mit niedrig dosierten Östrogenen durchzuführen […]

  4. Elmar Breitbach
    sowahr schreibt

    Hallo,
    gibt es denn neue Erkenntnisse oder neue Studien zu diesem Thema („hohe Östrogenwerte vor PU und Gebärmutterschleimhaut“)?
    In welchem zeitlichen Abstand (Stunden) zur Auslösespritze wurden die Östrogenwerte gemessen? Direkt davor?
    Kann man eigentlich den Verlauf der E2-Werte abschätzen? Frage weil ich einen E2 Wert ca 60Stunden vor der Auslösespritze habe und daraus (bzw. aus den 4 letzten E2 Werten im Zyklus) dann hochrechnen könnte welchen Wert ich dann vor Auslösespritze hätte.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ sowahr: Grenzwerte dazu sind nicht bekannt, auch Hochrechnen ist natürlich aufgrund unterschiedlicher Dynamik der Hormonproduktion nicht möglich.

    Neuere Studien sind hier in den Kommentaren verlinkt.

  6. Elmar Breitbach
    sowahr schreibt

    Vielen Dank Dr. Breitbach für Ihre Antwort! 🙂
    Im Originalstudienartikel habe ich gefunden dass die Werte vom Tag stammen an dem das hcg verabreicht wurde – also max 24St vor Auslösespritze.
    In den verlinkten Beiträgen habe ich jetzt direkt nichts über die Östrogenwerte, sondern eher generell über die Stimulation gelesen.
    Da der Mensch keine Maschine ist 😉 könnte man wahrscheinlich nicht mal einen Durchschnittswert (pro x Stunden) oder ähnliches für den E2 Anstieg angeben..auch wenn man noch zig Umfragen, Studien, etc. hätte.
    Vielen Dank! 🙂