Häufiger eineiige Zwillinge nach Blastozystentransfer?

Eine Übersichtsichtsstudie zeigte eine doppelt so hoher Rate eineiiger Zwilinge im Vergleich zu Tag drei Embryonen

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Bei Kinderwunschbehandlungen sind Mehrlinge häufiger als bei normal entstandenen Schwangerschaften. Durch die Hormongaben entstehen mehr Eizellen und bei einer künstlichen Befruchtung werden oft auch zwei Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Das führt jedoch zu mehreiigen Zwillingen. Sind eineiige Zwillinge auch häufiger?

Zweeiige Zwillinge sind eine recht häufige Folge von Kinderwunschbehandlungen. Wie ist es jedoch mit Mehrlingen, die aus einer Eizelle stammen? Eine Untersuchung aus Dänemark1)Hviid KVR, Malchau SS, Pinborg A, Nielsen HS
Determinants of monozygotic twinning in ART: a systematic review and a meta-analysis.
Hum Reprod Update. 2018 Mar 12. doi: 10.1093/humupd/dmy006
analysierte die Daten von insgesamt 42 Studien mit der Fragestellung, inwieweit eineiige Mehrllnge bei einer künstlichen Befruchtung häufiger auftreten und von welchen Faktoren dies abhängt. Untersucht wurden Tag des Transfers nach Punktion, mütterliches Alter, Hatching, die Art des Stimulationsprotokolls, Kulturmedien und Qualität des Embryos.

Null bis dreizehn Prozent eineeiige Zwillinge nach Blastozystentransfer

Die zu diesem Thema gefunden Studien wiesen hinsichtlich der Mehrlingsschwangerschaften sehr unterschiedliche Ergebnisse auf. Von null bis 13% eineiige Mehrlinge war alles dabei. Verglichen mit den Ergebnissen nach Tag 2-3 Transfer erhöhte sich die Zahl bei Blastozystentransfers auf mehr als das Doppelte. Auch das Alter der Mutter scheint einen Einfluss zu haben, bei jüngeren Frauen traten auch eineiige Mehrlinge häufiger auf.

Während hier ein statistisch signifikanter Zusammenhang hergestellt werden konnte, galt dies nicht für das Hatching. Die Morphologie der Embryonen hatte keinen nachweisbaren Einfluss, ebenso wenig die Stimulationsprotokolle, wenngleich über eine geringfügige Erhöhung im langen Protokoll oder bei höherer Anzahl von Eizellen spekuliert wurde.

Ursachen für das Phänomen sind unklar

Warum sich Blastozysten häufiger als jüngere Embryonen noch einmal in eineiige Mehrlinge teilen, ist ungeklärt, wenn auch statistisch belegbar. Ob es die Kulturflüssigkeiten sind, in denen die Embryonen in der Petrischale heranreifen oder weil in der längeren Kultur systematisch Embryonen Vorteile haben, die sich später noch einmal selbst teilen, warum auch immer.

So lange man nicht genau weiß, warum eineiige Mehrlinge nach Blastozystentransfer häufiger sind,  um das beeinflussen zu können, ist dazu zu raten, im Zweifel lieber eher einen Single Embryo Transfer durchzuführen, also nur einen Embryo in die Gebärmutter“ einzupflanzen.

 


Literatur   [ + ]

1. Hviid KVR, Malchau SS, Pinborg A, Nielsen HS
Determinants of monozygotic twinning in ART: a systematic review and a meta-analysis.
Hum Reprod Update. 2018 Mar 12. doi: 10.1093/humupd/dmy006
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Franziska schreibt

    Wir haben auch eineiige Zwillinge nach Blastozystentransfer bekommen. Und als ich nach dem Transfer das Bildchen meiner Blastozyste nach Hause bekommen habe, habe ich etwas gegoogelt um eine vielleicht eine Einschätzung der Qualität der Blastozyste zu bekommen. Dabei habe ich mich gewundert, da ich bei meiner Blastozyste irgendwie zwei typische Zellanhäufungen entdeckt habe – also zwei Embryoblasten. Mir kam intuitiv sofort der Gedanke “ eineiige Zwillinge“, den ich dann aber schnell verworfen habe, denn was hatte ich denn schon überhaupt Ahnung….
    Im Nachhinein frage ich mich, ob dass die erfahrenen Biologen, die ja auch die Embryonen hinsichtlich ihrer Qualität beurteilen müssen, nicht ebenso hätten erkennen und zumindest gegenüber uns Patienten erwähnen hätten können. Wäre vielleicht hilfreich um die nicht so seltenen Drillingsschwangerschaften aus 2 Blastotysten besser vermeiden zu können.
    Ich habe das Foto meiner Blastozyste beim Entlassungstermin aus der Kiwu auch meinem Arzt gezeigt. Der bestätigte mir, dass man wirklich zwei Embryoblasten erkennen kann. Wusste aber selber auch nicht, wie die Biologen bei ihm im Labor damit umgehen!

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Ehrlich gesagt, höre ich zum ersten Mal davon, dass man das zu einem so frühen Zeitpunkt schon sehen kann. Aber ich bin ja auch kein Biologe. Aber offenbar sind auch die sich nicht so sicher, zumindest nicht post ante. Nachher weiß man es natürlich immer besser. Aber wirklich interessant, ich werde mich da mal reingoogeln, wenn ich die Zeit finde.