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Erfolglose IVF: Hilft Wachstumshormon?

Kann Wachstumshormon die Erfolgsrate nach wiederholt erfolgloser IVF oder ICSI verbessern helfen?


Kann Wachstumshormon (human Growth Hormone = hGH) die Schwangerschaftsrate nach wiederholt erfolgloser IVF oder ICSI verbessern helfen? Es gab Hinweise dafür, aber bislang keine hinreichenden Belege. Eine chinesische Studie macht nun Hoffnung – insbesondere bei älteren Frauen, die sich eine künstlichen Befruchtung unterziehen.

Wachstumshormon und IVF: Was bislang bekannt war

Was kann man tun, wenn eine künstliche Befruchtung wiederholt nicht zu einer Schwangerschaft führt? Die dafür eingesetzten Methoden sind zahlreich und meist umstritten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit. Vor einigen Jahren haben französische Wissenschaftler in der Zeitschrift „Reproductive BioMedicine Online“ den Nachweis versucht, dass eine zusätzliche Stimulation mit Wachstumshormonen zur Verbesserung der Schwangerschaftsraten führen könnte1)Hazout A, Junca AM, Ménézo YJR, Demouzon J, Cohen-Bacrie P. Effect of growth hormone on oocyte competence in patients with multiple IVF failures. Reprod Biomed Online. 2009 May;18(5):664-70..

Dazu wurden 291 Patientinnen untersucht, die 3 oder mehr Fehlversuche mit einer künstlichen Befruchtung hinter sich gebracht hatten und dies ohne nachvollziehbaren Grund. Neben der üblichen Stimulation der Eierstöcke mit Gonadotropinen wurden diesen Patientinnen 8 internationale Einheiten Wachstumshormon (GH) gespritzt. Die Ergebnisse wurden retrospektiv verglichen mit denen anderer Frauen, die diese zusätzliche GH-Gabe nicht erhielten, jedoch auch mehrere erfolglose IVF-Behandlungen hinter sich hatten.

Mit zusätzliche Gabe von Wachstumshormonen wurden mehr Eizellen gebildet und mehr befruchtet. Darüber hinaus war auch die Schwangerschaftsrate deutlich höher als ohne GH (25,7% gegenüber 18,2%). Die Schlussfolgerung der Autoren war naheliegenderweise, Patientinnen mit drei oder mehr Fehlversuchen zusätzlich mit GH zu behandeln.

Wie genau dieser Effekt zustande kommt, ist unklar. Man vermutet eine Verbesserung der Wirkung des FSH an den Zellen im Follikel (Granulosazellen) entweder direkt oder durch einen anderen Wachstumsfaktor (insulinlike growth factor IGF-1). Daher gibt es auch bereits zahlreiche Studien, die eine zusätzliche Gabe von Wachstumsfaktoren insbesondere bei low respondern untersuchten und eine Verbesserung der Eizellreifung feststellten, wobei diese Ergebnisse jedoch nicht durchgängig signifikant waren.

Bislang keine hinreichenden Belege für die Wirksamkeit?

Zumindest nicht nach den strengen Kriterien der Cochrane Database2)Duffy, J. M., Ahmad, G., Mohiyiddeen, L., Nardo, L. G., & Watson, A. (2010). Growth hormone for in vitro fertilization. Cochrane database of systematic reviews. Hier gibt es eine Übersichtsstudie zur Anwendung von Wachstumsfaktoren insbesondere zur Verbesserung der Eizellreifung bei low respondern. Hier konnte zwar ein Trend zur besseren Eizellausbeute festgestellt werden, jedoch waren diese Befunde nicht beweisend und statistisch nicht signifikant.

Aktuelle Studie zu Wachstumshormon und IVF

Bessere Aussagen zur Wirksamkeit waren bislang nicht möglich aufgrund der geringen untersuchten Fallzahlen. In einer chinesischen Studie wurden nun auf einen Schlag die Ergebnisse von fast 900 Frauen publiziert, die im Rahmen einer IVF-Behandlung human Growth Hormone (= hGH) bekamen. 1775 weitere Studienteilnehmerinnen dienten als Kontrolle (also ohne hGH).

Zusammen waren dies 2647 Frauen, die in vorherigen Behandlungen nicht schwanger wurden und bei denen dies vor allem auf eine schlechte Entwicklung der Embryonen zurückzuführen war.

Die Patientinnen wurden in drei Altersgruppen unterteilt: A (<35 Jahre), B (35-39 Jahre) und C (≥ 40 Jahre). Untersucht wurde vor allem die Entwicklung der Embryonen und natürlich die Schwangerschaftsrate bei den behandelten Patientinnen.

Wachstumshormon hilft vor allem älteren Frauen

Kurz gesagt, fand sich bei allen Altersgruppen eine bessere Embryonalentwicklung (Teilungsrate = oocyte-cleavage rates). Was natürlich schön ist, aber nicht unbedingt schwanger macht. Und das zeigte sich leider auch in den beiden jüngeren Altersgruppen: Nach Gabe von Wachstumshormonen traten hier nicht mehr Schwangerschaften als in der Kontrollgruppe auf.

Mit zunehmendem Alter änderte sich dies jedoch. Bei den Frauen, die 40 Jahre alt oder älter waren, wurden doppelt so viele Frauen nach der Gabe von hGH schwanger (31,8% statt 13,7% in der Kontrollgruppe). Dieser Unterschied ist zwar statistisch signifikant, aber eben auch nur gerade so. Daher äußern sich die Autoren und Autorinnen der Studie eher zurückhaltend („könnte helfen = may help“). In Anbetracht der Tatsache, dass man vier internationale Einheiten (IE)über fast 2 Wochen täglich benötigt und eine Einheit fast 20 Euro kostet, sollte man sich jedoch sehr sicher sein.

Die (sehr teure) zusätzliche Gabe von Wachstumshormon bei der IVF verbessert die Embryonalentwicklung und möglicherweise auch die Schwangerschaftsraten bei Frauen ≥ 40 Jahren

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Literatur

Literatur
1 Hazout A, Junca AM, Ménézo YJR, Demouzon J, Cohen-Bacrie P. Effect of growth hormone on oocyte competence in patients with multiple IVF failures. Reprod Biomed Online. 2009 May;18(5):664-70.
2 Duffy, J. M., Ahmad, G., Mohiyiddeen, L., Nardo, L. G., & Watson, A. (2010). Growth hormone for in vitro fertilization. Cochrane database of systematic reviews
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5 Kommentare
  1. lilleanni
    lilleanni schreibt

    Hallo,
    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Mich macht dieser sehr neugierig, denn auch ich habe 3 Fehlversuche hinter mir. Ich habe bei jedem Versuch, trotz erheblicher Steigerung der Hormondosis, wehsentlich weniger auf die Behandlung angesprochen. Bei mir gibt es keine beakannte Ursache. Aber eine Sache steht fest: ich habe schon von Geburt an immer zu wenig Wachstumshormone gehabt! (Deshalb bin ich auch nur 145 cm groß).
    Für mich bedeutet dieser Artikel einen interessanten Denkanstoß!!
    Grüße an alle Anni

  2. petri65
    petri65 schreibt

    Hallo habe gerade mit Interesse den Beitrag über das Wachstumshormon gelesen. Ist damit zum Beispiel Granocyte gemeint oder ist das dann wieder etwas anderes?
    Ist schon etwas über eventuelle Nebenwirkungen oder Langzeitwirkungen dieses Hormons bekannt?

    Liebe Grüße

    petri

  3. Rebella
    Rebella schreibt

    Mit welchen Kosten wäre denn die zusätzliche Gabe von diesem Wachstumshormon verbunden?

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: Das weiß ich leider nicht

  5. Windelglueck
    Windelglueck schreibt

    Hallo Herr Breitbach,

    gibt es neuere Studien zu dem Thema Wachstumshormon?
    Eines meiner Probleme ist auch die mangelhafte Eizellreifung…..

    Vielen Dank für Ihre Antwort!