Entwicklung der Kinder nach IVF und ICSI


Die Frage, ob nach einer IVF oder ICSI vermehrt Fehlbildungen auftreten, stellt sich (fast) jedes Paar, welches eine solche Behandlung nötig hat. Eine aktuelle Zusammenstellung der Literatur zu diesem Thema habe ich jetzt einmal im Theorie-Teil dieser Seite eingestellt. Die dazu passenden Studien aus diesen News sind dort verlinkt und in einen Gesamtzusammenhang gebracht worden.

Hier geht es zu diesem Artikel.

Anlass dazu war eine neue Publikation, sie sich ebenfalls dieses Themas angenommen hat. Die niederländischen Wissenschaftler suchten dazu alle publizierten Studien heraus, in welchen bei Kindern nach einer IVF- oder ICSI-Behandlung über einen längeren Zeitraum die psychomotorische Entwicklung nachbeobachtet wurde.

In die Literaturübersicht wurden Studien aufgenommen, in denen Kinder nach künstlicher Befruchtung mit auf normalem Wege gezeugten Kindern verglichen wurden (kontrollierte Studien). Nicht alle Studien wurden den strengen Kriterien der Wissenschaftler gerecht, lediglich 23 von 59 Publikationen waren kontrolliert (14 Studien) oder Teil einer zentralen Statistik (wie z. B. das deutsche IVF-Register, 9 Studien).

Die zentralen Statistiken bestätigen das, was in den im Theorie-Teil unserer Seite Studien auch bereits geschlussfolgert wurde: Die künstliche Befruchtung erhöht das Risiko für mentale Störungen der Kinder nicht per se. Ebensowenig das Risiko für neuromotorische Störungen. Letztere können aber häufiger auftreten, da der Anteil frühgeborener Kinder bei IVF- und ICSI-Schwangerschaften größer ist.

Die Ergebnisse der kontrollierten Studien sind da noch beruhigender. Unterschiede in der neuromotorischen Entwicklung konnten hier nicht festgestellt werden. Die Autoren monieren jedoch, dass der Beobachtungszeitraum der meisten Studien zu kurz sei, um abschließende Bewertungen durchführen zu können. Weniger ausgeprägte Störungen wie geringe motorische Einschränkungen oder Legastenie können nur ausgeschlossen werden, wenn die Kinder über das Kindergarten-Alter hinaus nachbeobachtet werden.

Da dies einen extremen Aufwand bedeutet und mit zunehmender Dauer einer solchen Nachbeobachtung natürlich auch immer mehr Kinder wegen Umzug und ausbleibendender Rückmeldung aus der Studie herausfallen, stehen solche Untersuchungen gegenwärtig nicht zu Verfügung und es steht zu befürchten, dass dies auch in Zukunft nicht der Fall sein wird.

Middelburg KJ, Heineman MJ, Bos AF, Hadders-Algra M
Neuromotor, cognitive, language and behavioural outcome in children born following IVF or ICSI-a systematic review.
Hum Reprod Update. März 2008[Epub ahead of print]


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    meine KiÄ und Freundin und auch betroffene KiWulerin meinte, ICSI– bzw IVF-Kinder hätte ein erhöhtes Risiko für einen bestimmten Augentumor. Gibt es dazu irgend ne Studie?

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo miez,

    wahrscheinlich hat deine KiÄ das hier gemeint:

    http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/klimo/doi/10.1055/s-2007-963096;jsessionid=0B22FFD39C55EB2F24221609EAEEFC93.jvm3

    allerdings: man beachte die !fallzahl!
    und auch die tatsache, dass nicht jeder OAT-mann auch chromosomale inversionen hat

    ich denke, diese ganzen terratogenen ereignisse sind in erster linie zufall, dann veranlagung aus der familiengeschichte heraus, dann nachweisbare, fiese umwelteinflüsse.
    ich würde großen abstand davon nehmen wollen, solche geschehen ausschließlich am ICSI festzumachen.

    LG reaba

  3. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Doc, ich muss Ihnen mal widersprechen ;-). Wir haben uns nie die Frage nach erhöhter Fehlbildungsrate gestellt. Das alles ist eh Statistik und eine Garantie auf ein gesundes Kind hat man eh nicht. Dass man trotz guter statistischer Prognose immer auch auf der anderen Seite stehen kann, lässt sich leider nie ausschließen und man sollte sich dessen bewusst sein. Wenn man andererseits ohne Behandlung keine Kinder bekommen kann, dann ist es zumindest für uns egal, ob das Risiko genauso hoch oder weniger oder mehr ist als auf normalem Weg, denn die andere Wahl (normaler Weg) haben wir ja gar nicht (allerdings natürlich weitere Alternativen, diese aber auch ohne Garantie).

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ok,

    Ich habe den Artikel entsprechend geändert 😉

  5. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    Ich glaube, auh das "fast" trfft nicht die Realität. Die Paare, die ich kenne, stellen sich alle diese Frage NICHT, weil sie ja eben, wie atonne schon anmerkte, gar keine andere Wahl haben. Ich kenne auch kein Paar, welches wegen des evtl. erhöhten Risikos eine Behnadlung ablehnen würde. KEnnen Sie solche Paare? Die Frage nach der Fehlbildungsrate bei KB stellen sich eher die Gegner und Kritiker und die KK, weil sie eben möglichst viel Schlechtes finden wollen um Gründe zu haben, das alles nicht bezahlen zu müssen. Also sollten die Betroffenen und KiWu-Ärzte nciht auch noch Öl in deren Feuer gießen.

  6. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    natürlich haben wir im vorfeld des behandlungsbeginns nach möglichen krankheiten und behinderungen gefragt, die ein so gezeugtes kind haben könnte. damals (2000) wurde uns eine wahrscheinlichkeitserhöhung von 2,4% genannt. wir fanden beide, dass das ein vertretbares risiko war.
    daher bin ich dankbar für jede studie und veröffentlichung, die dieses risiko weiter analysiert und entsprechend relativiert.
    klingt für einige vielleicht jetzt nicht nachvollziehbar, aber mit einer risikobewertung im 2stelligen bereich hätten ich und auch mein mann schlecht leben können.
    das ist aber wohl genauso ein individuelles ding wie die inanspruchnahme (oder eben das weglassen) vorgeburtlicher diagnostik 😉 .
    persönlich halte ich es für nicht verwerflich sich primär ein gesundes kind zu wünschen…ob nun mit KB gezeugt oder ohne.

  7. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    aber wer sagt denn, dass diese 2,4 % (wieviel sind es denn bei normaler SS-erzeugung?)unmittelber mit den Methoden ICSI und IVF zu tun hat, sprich, der Embryo durch den massiven Eingriff tatsächlich geschädigt wird? Ich denke eher, die vielleicht höhere FB-Rate kommt dadurh zustande, dass eben vermehrt Mehrlings-SS auftreten und diese SS meist vor Termin beendet werden mit KS und es dann eben immer irgendwie Frühchen sind, und eben sowieso schon mickriger (sorry) und anfäliger sind als Einlinge. Für mich hört sich das immer noch so an in den Medien, dass eben die Methoden der KB kritisiert werden, weil dadurch das FB-Risiko erhöht wird. Und das glaube ich nicht.
    Im Übrigen kenne ich bisher nur kerngesunde KB-Kinder oder eben solche, die genausoviel Wehwehchen haben wie andere Kinder auch.

  8. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ungefähr 2% sind es bei normaler Zeugung. Wenn man 20 ICSI-Kinder "kennt", dann haben davon 0,4 eine Fehlbildung. So macht man keine Statistik 😉