Eileiterschwangerschaft bei IVF


Warum sind Eileiterschwangerschaften bei IVF eigentlich häufiger als bei normal entstandenen Schwangerschaften? Man würde ja normalerweise davon ausgehen, dass sie hier seltener sind, da die Embryonen bei der IVF direkt in die Gebärmutter übertragen werden und mit den Eileitern nicht in Berührung kommen.

Das stimmt nicht ganz. Nach einem Transfer vergeht oft einige Zeit bis zur Einnistung des Embryos, so dass dieser noch in dem Flüssigkeitsfilm der Gebärmutter herumschwimmt und dabei auch in die Eileiter geraten kann. Wovon hängt es nun ab, ob das passiert oder ob er den Weg wieder in die Gebärmutterhöhle zurückfindet?

Dazu gibt es eine aktuelle Studie, von der jedoch nur die Kurzform in englisch vorliegt, der Original-Artikel erschien auf Chinesisch[1]. Die Zahl der beobachteten Eileiterschwangerschaften ist jedoch hoch und aussagekräftig, so dass diese kurze Version interessant genug erscheint.

Die Studie berichtet über 94 Schwangerschaften, die sich außerhalb der Gebärmutterhöhle einnisteten („Extrauterine Schwangerschaften, also nicht nur im Eileiter =“Eileiterschwangerschaften). Als Datenbasis dienten die Ergebnisse von 6007 Embryotransfers, die zu 2322 Schwangerschaften führten (38,7%). Davon waren 4,05% (=94) Schwangerschaften ektop, 92 der Schwangerschaften nisteten sich im Eileiter ein (3,96%).

Das ist etwas höher als z. B. die deutschen Zahlen aus dem Jahre 2004 und deutlich höher als die natürliche Rate (ca. 1%). Nun ist aber nicht ausschließlich der absolute Prozentanteil von Interesse, sondern vor allem, ob bestimmte Voraussetzungen mit einer erhöhten Rate an Eileiterschwangerschaften einhergingen. Mit anderen Worten: Liegt es an der Methode der IVF, dass der Anteil an Eileiterschwangerschaften höher ist, oder sind patientenbedingte Faktoren ursächlich für extrauterine Schwangerschaften?

Es scheint letzteres der Fall zu sein, denn in über 90% der Fälle, in denen eine Eileiterschwangerschaft auftrat, war der Grund für die Durchführung einer IVF die Schädigung der Eileiter oder Verwachsungen im Bauchraum, also Störungen des Eitransports. 25% der Frauen hatten bereits eine Eileiterschwangerschaft hinter sich. Der Anteil an Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter war am geringsten, wenn eine ICSI durchgeführt wurde, also eine männlich bedingte Unfruchtbarkeit vorlag.

Zusammenfassend lässt sich also daraus schließen, dass Eileiterschwangerschaften generell häufiger sind bei Frauen, die geschädigte Eileiter haben, unabhängig von der Entstehung der Schwangerschaft. Vermutlich kommt es durchaus öfters vor, dass sich bei der Reagenzglasbefruchtung ein Embryo in die Eileiter verirrt. Ein gesunder Eileiter ist in solchen Fällen eher in der Lage, den „verirrten“ Embryo wieder in die Gebärmutter zurück zu transportieren, ihrer Funktion beraubten Eileitern gelingt dies jedoch nicht.

[1] Xiao HM, Gong F, Mao ZH, Zhang H, Lu GX
[Analysis of 92 ectopic pregnancy patients after in vitro fertilization and embryo transfer.]
Zhong Nan Da Xue Xue Bao Yi Xue Ban. 2006 Aug;31(4):584-587


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

8 Kommentare
  1. Pina
    Pina schreibt

    Eileiterschwangerschaften können auch bei Kryo vorkommen, so war das bei mir der Fall.

  2. E. Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    stimmt, diese wurden auch in der Studie aufgenommen ud die Rate an Eileiterschwangerschaften war ähnlich hoch wie bei den IVF im Punktionszyklus.

  3. stephanie
    stephanie schreibt

    Wie sieht es denn aus wenn man weiß das die eileiter nicht funktionsfähig sind weil eine endo vorliegt,
    ist es dann nicht besser sie sich vor der behandlung entfernen zu lassen? Oder ist das risiko einer eileiterschwangerschaft genau so hoch wenn sie entfernt sind.

  4. E. Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    leider schützt die Entfernung der Eileiter auch nicht sicher vor einer intramuralen Eileiterschwangerschaft (siehe Theorie-Teil). Die Entfernung der Eileiter wird daher lediglich bei einer verschlossenen und mit Flüsssigkeit gefüllten "Hydrosalpinx" empfohlen

  5. Johanna(30)
    Johanna(30) schreibt

    Kann ich nur bestätigen. Nach 4 EileiterSS auf spontanem Wege wurde ich bei der zweiten IVF schwanger. Auch hier wieder eine EileiterSS (auf beiden Seiten). Eine genaue Diagnose, warum meine Eileiter wohl nicht funktionieren konnte mir keiner geben. Sie sahen bei einer BS von innen und außen Top aus. Vieleicht transportierten sie einfach nicht richtig. Wir haben sie dann ganz nah am Uterus durchtrennen lassen und weitere Transfers immer am 4. oder 5. Tag durchgeführt. Die letzte Kryo (10. Behandlung) war erfolgreich Leni Charlotta und Leonie Jette sind jetzt 6 Monate alt 🙂

  6. curly6
    curly6 schreibt

    hm, da hatte ich wohl ne seltene ICSI EL-SS … bei meiner 1. ICSI – "die zweite" schläft schon …
    was halten Sie von EL-SS aufgrund von hatching?

  7. E. Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Curly: Mir ist nicht bekannt, dass Eileiterschwangerschaften nach Hatching häufiger sind

  8. titoune
    titoune schreibt

    Dann hatte ich auch eine seltene ISCI EL-SS auch bei der 1. ISCI ohne dass vorher irgendwas an den Eileitern festgestellt wurde. Jetzt bei Kind Nr. 2 (Kind Nr. 1 bei der 3. ISCI) mache ich mir schon Gedanken…