CRASH: Ein neues Konzept für low responder


Das mag man in der Medizin: Griffige Namen. Und „CRASH“ und nun wirklich unübertroffen. Die Übersetzung dieses schönen Akronyms muss ich leider schuldig bleiben und werde es nachreichen, wenn ich den Original-Artikel bekomme.

Es handelt sich dabei um ein neues Protokoll für low responder, also Frauen, die nur mit wenige Follikeln auf eine hormonelle Stimulation reagieren, ein Umstand, den man mit speziellen Stimulationsprotokollen Rechnung tragen muss..

In einer prospektiven Studie wurden 36 Frauen 72 Behandlungszyklen *icsi*-zyklen unterzogen. Als „low responder“ wurden Frauen definiert, die nur mit 4 Eizellen oder 5 Follikeln oder weniger auf eine hormonelle Stimulation im langen Protokoll reagierten.

Die Patienten erhielten im Zyklus vor der eigentlichen Stimulation am 23. Zyklustag (auch gerne „Vorzyklus“ genannt) eine einmalige Gabe von 3 mg Cetrotide, einem GnRH-Antagonisten. Diese Dosis ist höher als die üblicherweise bei der täglichen Gabe des Antagonisten verabreichten 0,25 mg. Anschließend wurde eine Stimulation mit FSH durchgeführt. Die Downregulation erfolgte mit einem sogenannten flexiblen Antagonisten-Protokoll, also ab einer Follikelgröße von ca. 15 Millimeter.

Die Behandlung zeigte sich erfolgreich: Es wurden signifikant mehr Follikel gebildet (Im Durchschnitt 5,4 Follikel anstatt 3,5 im langen Protokoll), und mehr Eizellen (4,3 statt 2,4). Auch die Anzahl der übertagenen Embryonen war höher (1,8 gegenüber 0,8). Wichtiger als diese Ergebnisse waren jedoch die Schwangerschaftsraten und hier fanden sich Ergebnisse wie bei Frauen mit normaler Eierstocksreaktion (38,5%).

Nun ist zu sagen, dass die Fallzahl klein war und die Ergebnisse daher trotz ihrer statistischen Signifikanz eine abschließende Beurteilung der Methode nicht zulassen. Jedoch geben sie Anlass zur Hoffnung.

Humaidan P, Bungum L, Bungum M, Hald F, Agerholm I, Blaabjerg J, Yding Andersen C, Lindenberg S.
Reproductive outcome using a GnRH antagonist (cetrorelix) for luteolysis and follicular synchronization in poor responder IVF/ICSI patients treated with a flexible GnRH antagonist protocol.
Reprod Biomed Online. 2005 Dec;11(6):679-84.


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    nirako schreibt

    Lieber Doc,

    Vielen Dank!
    Dieses ist mal ein ganz neuer Ansatz, ob es hierbei darum geht, die Follikelvorselektion in der zweiten Hälfte des Vorzyklus zu stoppen, damit sich der Leitfollikel auch nicht schon absetzen kann, sondern die Stimulation noch auf mehr Antralfollikel trifft? (Die Hypophysen-Blockade hält ja mit Cetrotide Depot ca. 5 Tage vor). Bin mal gespannt, ob dabei dann auch die eigentliche Stimulation länger dauert….

    LG nirako

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Die Supression des Follikelwachstums im Vorzyklus wird nicht gelingen,denn diese erfolgt noch FSH-unabhängig. Das Problem bei Lowies ist, dass man sie einerseits versuchen muss, irgendwie etwas "runter zu regulieren", da sie ja auch zu früher Luteinisierung neigen (=vorzeitiger Eisprung bei unreifen Eizellen), andererseits jedoch auch eine zu starke Downregultaion das Eizellwachstum hemmt. Auch wenn das Cetrotide 3mg eigentlich nur weniger als eine Woche vorhält, so erhoffen sich die Autoren noch eine leichte Nachwirkung des Medikaments im Stimulationszyklus. Es ist ähnlich wie ein anderes Protokoll, von dem ich gelesen habe (nie selbst ausprobiert) wo zu Zyklusbeginn einige Tage parallel zur Stimulation die "Pille" gegeben wurde. Es geht also um eine leichte Suppression.

    Es ist halt eine Gratwanderung…..

  3. Elmar Breitbach
    Sasuana schreibt

    Lieber Doc Breitbach,

    danke für den interessanten Artikel! Toll, dass die Forschung sich auch mit so "hoffnungslosen" Minderheiten wie den Lowies beschäftigt.
    Zu dem Pillen-Protokoll, das Sie erwähnten: Das könnte meines gewesen sein, das ich aus Tschechien mitgebracht habe. Ich habe damals ab 1. ZT für 9 Tage die Pille Marvellon genommen. Ab 10. ZT dann aber die Pille abgesetzt (nicht gleichzeitig mit Stimu!) und ab diesem Tag mit der Stimu angefangen. Es wird also nicht noch einmal auf eine Blutung gewartet. Diese ist nach 3 Tagen zwar aufgetreten, aber nur für 2 Tage und nur ganz leicht, was den Schleimhautaufbau nicht gestört hat. Ergebnis waren 4 Follikel und 4 Eizellen. Mein Arzt bezweckt mit diesem ungewöhnlichen Protokoll genau die von Ihnen beschriebene sanfte Downregulierung, um einen vorzeitigen Eisprung zu verhindern. Nach seiner Erklärung wirken die Hormone der Pille noch einige Zeit nach. (Cetro setze ich trotzdem spät ein, auch wenn mein Arzt dies nicht für nötig hält).
    Es scheint übrigens zu klappen. Bin gerade im zweiten Versuch mit diesem Protokoll. Trotz zunächst null Antralfollikel nach der diesmal 11-tägigen Pilleneinnahme habe ich als Super-Lowie heute am 6. Spritzentag drei fast gleich große Follikel.

    Viele Grüße
    Sasuana

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    danke für die Info. Stimmt, ich glaube von Ihnen hatte ich das gelesen. Ein Kollege aus Deutschland macht es ähnlich und überlappt die kurze Pilleneinnahme und die FSH-Gabe um ein paar Tage. Was vermutlich ebenso gut oder schlecht ist. "Parallel" da haben Sie recht, ist irreführend/falsch.

  5. Elmar Breitbach
    Emma schreibt

    Ist das Crash- Protokoll weiterhin im Rennen, auch 2013 noch? Ich reagiere immer recht schlecht auf die Stimulation (max 2-3 Follikel), stimuliert habe ich entweder mit Menogon 4 Amp. oder Gonal F 250IE. Es wird immer das Antagonistenprotokoll verwendet, ab 6.ZT Cetrotide etc.pp…

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Halo Emma,

    es gibt immer wieder Situationen, in denen es ausprobiert wird, aber es ist sicherlich keine Standardtherapie. Wobei es für low responder ohnehin keine echte Standardtherapie gibt

  7. Elmar Breitbach
    Lulu schreibt

    Hallo, ich bin Lulu, 32 J., AMH: 0,2-0,5 ist jetzt einige Zeit nicht mehr gemessen worden, da sich meine Praxis nicht 100% darauf verlässt… Nach 8 erfolglosen künstl. Befr. (davon 3x spontan, also mit wenig Medikamenten (kein Merional) u. 5x mit sehr vielen Medikamenten (3-5 Amp. täglich + Clomifen, Orgalutran u. Brevactid) meine gestrige Punktion war da noch eine der Besten: 6 EZ, davon 2 reif, 2 sind nachgereift, 4 wurden befruchtet aber keine hat sich geteilt 🙁 in den letzten Behandlungen waren es immer so 1-3 EZ, von denen, wenn überhaupt, immer nur eine eingesetzt werden konnte, es aber nicht geschafft hat. Ich suche nach Lösungen, neuen Erkenntnissen… Kann ich den AMH irgendwie selbst verbessern? Ich bin natürlich auch offen für Anwendungen die nicht der Schulmedizin entsprechen, Naturheilkunde… Haben Sie einen Rat für mich? Was kann ich noch versuchen?
    Vielen Dank!
    LG
    Lulu

  8. Elmar Breitbach
    Lulu schreibt

    Gibt es evtl. neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der low responder?

  9. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Lulu,

    neue Erkenntnisse im Sinne von überwältigend neu: Nein. Ansonsten finden Sie hier einige Artikel in dieser Artikelsammlung hier.

  10. Elmar Breitbach
    Mylea schreibt

    Hallo Doc. Ich bin 40 Jahre und spreche ganz schlecht auf die Hormone an . Bei 300 Merional 1 Follikel , hat sich nicht eingenistet. Beim 2 Versuch wied mit 300 Merional kein Follikel. Beim nächsten Versuch clomifen 1 Eizellen wieder keine Einnistung. Beim nächsten Versuch clomifen und 150 Merional Follikel leer. Seit Juli keine Periode mehr. Was empfehlen sie mir für ein Protokoll wenn ich so schlecht auf Hormone reagiere. Natürlicher Zyklus geht ja auch nicht weil meiner unberechenbar ist. Danke für Ihre Antwort!