Beurteilung der Embryonenqualität: Embryograding (Tag 2-3)

Die Beurteilung der Embryonenqualiität lässt nur bedingt eine Aussage über die Erfolgschance zu.

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Bevor die Embryonen bei einer künstlichen Befruchtung in die Gebärmutter zurückgegeben werden, wird mit Hilfe eines sogenanntes Embryograding die Qualität beurteilt. Dieses spiegelt – mit Einschränkung – die Chancen auf eine spätere Einnistung wider.

Für das Blastozystenstadium hatten wir das ja hier bereits ausführlich beschrieben. Für die Embryonen bis zum Tag 3 nach der Punktion (meist 8-Zeller) wird das Embryograding anders durchgeführt. Es orientiert sich jedoch ebenfalls am Aussehen der Embryonen unter dem Mikroskop und korrelliert mit der Fähigkeit zur Einnistung. Im deutschsprachigen Raum wird dazu meist ein Grading von A-D verwendet (dabei ist „A“ die beste Qualität) und im englischsprachigen eines von 1-5, den deutschen Schulnoten entsprechend.

Auch B- und C-Embryonen führen zu Schwangerschaften

Diese Korrelation mit dem Erfolg der Behandlung ist jedoch nicht so eindeutig, wie oft angenommen wird. Natürlich kann man auch mit vermeintlich schlechteren Embryonen schwanger werden und „A“-Embryonen garantieren noch lange keine Schwangerschaft.

Die Klassifikation A bis D bezieht sich auf das Aussehen der Embryonen, insbesondere das Ausmaß der Fragmentierung des Embryos beeinflussen das Embryograding. Fragmente sind Abschnürungen und Ausstülpungen der Zellmasse der einzelnen Blastomeren. Auch die gleichmäßige Größe der Blastomeren ist ein Beurteilungskriterium. Das Erscheinungsbild eines Embryos ändert sich schnell, deswegen beschreibt eine Klassifikation immer nur das Aussehen zu genau diesem Zeitpunkt. Es ist möglich, dass der Embryo ein paar Stunden später ganz anders aussieht.

  • „A“ bedeutet keine Fragment, also den perfekten Embryo
  • „B“ bedeutet weniger als 30% der Zellmasse sind fragmentiert (häufig)
  • „C“ bedeutet 30 – 50% Fragmente
  • „D“ bedeutet mehr als 50% Fragmente. Die Entwicklungsfähigkeit dieser Embryonen ist eingeschränkt.

Auch mit Grade 3 und 4 sind Schwangerschaften möglich

Die englische Einteilung ist hier im Bild dargestellt:

 Embryograding Grad 1 Hier sieht man regelmäßig geformte und gleichmäßig große Zellen (=Blastomere), ohne Fragmentierungen am 2. Tag nach der Punktion
Embryo Grading Grad 2 Hier sieht man gleichmäßige Zellen mit wenigen Fragmentierungen, als kleine „Streusel“ erkennbar.
Embryo Grading Grad 3 Hier sieht man zwar keine Fragmentierungen, jedoch sind die einzelnen Zellen nicht gleich groß.
Embryograding Grad 4 Hier sieht man gleichmäßige oder auch irreguläre Blastomere mit vielen Fragmentierungen, was dem Stadium „C“ oben entspricht.
Embryograding Grad 5 Mehr als 50% Fragmente und die Zellen als solche sind kaum erkennbar, entsprechend dem „D“ oben.

 

Das Embryograding lässt keine sichere Aussage über die Erfolgschancen zu

Abschließend ist zu sagen, dass aus „hässlichen“ Embryonen auch durchaus hübsche Kinder entstehen können.

Was ist wichtiger, die zeitgerechte Entwicklung oder die Morphologie?

Zwei Tage nach der Punktion ist eine Entwicklung des Embryos bis zum Zweizellstadium zu erwarten und bis hin zu einem 6-Zeller. Und entsprechend erwartet man nach 3 Tagen einen 6-10-Zeller. Zu der Frage, ob diese zeitgerechte Entwicklung der Embryonen eher von Bedeutung ist oder doch das oben beschriebene äußere Erscheinungsbild (Morphologie), gibt es leider nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen.

Französische Wissenschaftler kamen anhand der Daten von mehr als 1.800 Behandlungszyklen1)Fauque P, Leandri R, Merlet F, Juillard JC, Epelboin S, Guibert J, Jouannet P, Patrat C
Pregnancy outcome and live birth after IVF and ICSI according to embryo quality
J Assist Reprod Genet. 2007
zu dem Ergebnis, dass die Teilungsrate, also die Entwicklungsgeschwindigkeit der Embryonen durchaus einen Einfluss auf die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit hat. Jedoch war dieser Zusammenhang nicht statistisch signifikant.

Das Embryograding hatten jedoch einen signifikanten Einfluss auf die Schwangerschaftsrate und auch den Verlauf der Schwangerschaft. Einschlüsse im Zellinhalt (Fragmentierungen) verschlechterten im Vergleich zu Embryonen ohne eine solche Fragmentierung Die Erfolgsrate deutlich. Neben einer signifikant besseren Schwangerschaftsrate ergab sich nach Transfer von fragmentierten Embryonen eine signifikant erhöhte Fehlgeburtenrate (18.9% gegenüber 24,2%).

Eine sichere Aussage für den Einzelfall lässt keine der beiden Faktoren zu. Die Qualität der Embryonen bei der lichtmikroskopischen Beurteilung scheint jedoch nicht nur die Schwangerschaftsrate sondern auch den Verlauf der Schwangerschaft zu beeinflussen.

 


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Literatur   [ + ]

1. Fauque P, Leandri R, Merlet F, Juillard JC, Epelboin S, Guibert J, Jouannet P, Patrat C
Pregnancy outcome and live birth after IVF and ICSI according to embryo quality
J Assist Reprod Genet. 2007
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Kommentar

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6 Kommentare
  1. […] Beurteilung der Embryonenqualität: Embryograding […]

  2. Elmar Breitbach
    mjuka schreibt

    Die Biologin meinte beim Transfer, ich solle mir nicht wirklich Hoffnung machen. Meine beiden Eizellen hätten D-Qualität, was eine Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich werden lasse. Die eine Eizelle ist jetzt 13 und schneidet aktuell Ballettmusik für eine eigene Choreographie. Also, alles ist relativ…

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Mjuka. So ist es, Man kann die Chancen im Einzelfall nie endgültig und abschließend beurteilen. Immer gibt es positive und natürlich auch negative Überraschungen 😉

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  6. […] der Embryonen sagen. Wie diese Qualität in diesem Stadium der Entwicklung beurteilt wird, ist hier gesondert zusammengefasst. Oft erfolgt der Transfer der Embryonen in die Gebärmutter dann noch einen Tag später. Dann kann […]