Bessere Auswahl der Eizellen mit Polarisationsmikroskop



Ein neues Verfahren zur Auswahl der richtigen Eizellen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung scheint zu einer Verbesserung der Schwangerschaftsraten zu führen. Das berichten Wissenschaftler von der Bonner Universitätsklinik gemeinsam mit chinesischen Kollegen im Journal „Reproductive Biomedicine“ (Bd. 16, S. 239) und es wird nun auch gegenwärtig in der Laienpresse darüber berichtet.

polarisationsmikroskop.gifDie dabei verwendete Methode ist im Prinzip recht simpel: Mit Hilfe eines Polarisationsmikroskops und einer speziellen Software wird die Eizelle begutachtet. Die Eizellhülle besteht aus drei Schichten, von denen die innerste Schicht die höchste Brechung des polariserten Lichts verursacht. Diese Untersuchung wird bereits vor der ICSI durchgeführt, die in Verbindung mit dieser Methode notwendig ist, da die Eizelle zur Beurteilung von den sie normalerweise umgebenden Zellen (Granulosazellen) befreit werden muss, was bei der normalen IVF dem Befruchtugsprozess jedoch abträglich ist.

Die Intensität dieser Lichtbrechung und der daraus resultierenden Färbung (durch die Software umgerechnet zur besseren Erkennbarkeit, siehe Bild), ist bei verschiedenen Eizellen sehr unterschiedlich und kann offenbar ein Marker für das weitere Entwicklungspotential der einzelnen Eizelle sein. Der zugrundeliegende Mechanismus dafür ist noch nicht geklärt. Da die innerste Schicht der Eizellhülle jedoch während des Wachstums der Eizelle von dieser selbst entwickelt wird, könnte sich das Entwicklungspotential einer Eizelle in ihrer Hülle niederschlagen, welcher für die Phänomene unter dem Polarisationsmikroskop verantwortlich ist.

„Eine Eizelle mit guter Hülle bildet später auch gute Embryonen“, erläuterte der Bonner Biologe Markus Montag. Das Leuchten sei damit ein zusätzlicher Hinweis darauf, welche Eizellen künstlich befruchtet werden sollten.

In älteren Studien mit kleineren Fallzahlen konnte ein deutlicher Zusammenhang der Brechungsphänomene mit der Eizellqualität und der Schwangerschaftsrate hergestellt werden:

  • Zwei Eizellen mit optimaler Ringstruktur: 71 % Schwangerschaftsrate pro Transfer
  • Zwei Eizellen, davon eine mit optimaler Ringstruktur: 44 %
  • Zwei Eizellen jeweils ohne optimale Ringstruktur: 21%

Die Frage, inwieweit die Auswahl nicht auch getroffen werden könnte, indem man die Eizellen am Tage nach der Punktion anhand ihres Aussehens unter dem normalen Mikroskop beurteilt, wie es sonst üblich ist, bleibt jedoch gegenwärtig unbeantwortet. Denn nur, wenn die Anwendung eines Polarisationsmikroskops eine deutliche Verbesserung der Auswahl gegenüber der konventionellen Selektion (PN-Scoring) durch einen geübten Biologen ergibt, kann man auf effektiv bessere Schwangerschaftsraten hoffen.


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Kommentar

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11 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    wow..interessante neue technik. sie erinnert ein bisschen an IMSI (wobei es mir noch nie gelungen ist eine dazu gehörige studie auszugraben).
    etwas schade ist die sache mit den granulosazellen um die eizelle drumherum.
    kann man sich das entfernen dieser zellen vorstellen wie chemisches hatching?
    an hand der zahlen scheint es sich ja zu lohnen in ein polarisationsmikroskop zu investieren 😉

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    granulosa_oozyte.jpgNein, die Granulosazellen umgeben die Eizellen wie eine Wolke und stellten vorher die Verbindung mit der Wand des Follikels und der Eizelle dar (=Ernährungszellen im weitesten Sinne)

    Ja es scheint sich zu lohnen und deswegen werden wir diese Investition auch wagen 😉

  3. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ..da kommt frau mit nahezu 39 jahre alten eizellen ja schon fast wieder auf dumme gedanken 🙂

    ich unterstelle mal einfach, dass diese neue methodik ja dann auch selektive vorteile im hinblick auf eine optimiertere auswahl "älterer" eizellen haben dürfte…theoretisch müsste man ja die rausfischen können, die eine wahrscheinlich intaktere genetische potenz haben (wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist das wohl der haupt-bug für den knick in der erfolgsrate < 38 jahre?)…interessant!

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Inwieweit der Polarisationseffekt mit der genetischen Intaktheit zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Ich vermute mal, dass das schon untersucht wurde. Es wäre zumindest naheliegend, da die Bonner Uni ja auch die Polkörperchendiagnostik durchführt.

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Mich würde ja mal interessieren, was so ein Mikroskop kostet und welchen Satz man da auf die einzelne Behandlung umsetzen müsste.

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    5-Stellige Beträge. Wobei das dann noch nicht einmal unbedingt ein neues Mikroskop bedeutet, sondern nur den Polarisationsfilter und die Software zur Darstellung der Effekte.

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Nun, wenn die Beträge eher im unteren 5-stelligen Bereich sind, dürfte es ja dadurch nicht sooo viel teurer werden. Also, z.B. 10.000 Euro geteilt durch 1.000 Anwendungen = 10 Euro pro Anwendung. Wobei das Gerät ja auch mehrere Jahre eingesetzt werden kann. Also selbst bei 100 Euro pro Anwendung und einem sichtbaren Erfolg müsste es ja rentabel sein …

  8. Elmar Breitbach
    Puce schreibt

    Ich bin nun 41 und stehe vor meiner 2. IVF. Bei der 1. war ich direkt schwanger, es gab sogar 2 Eizellen, die sich zunächst einnisteten, wobei die eine kleiner entwickelt war und dann verschwand, die 2. blieb bis zur 8. Woche, dann hatte sie keinen Herzschlag mehr. Ich frage mich nun, ob ich zur Vermeidung einer weiteren Fehlgeburt eine Polkörperdiagnostik oder die Polarisationsmikroskopie hinzuziehen soll, wobei ich bei der Lektüre Ihrer und anderer Kommentare über den Erfolg der PKD nicht mehr ganz sicher bin. Die Polarisationsmikroskopie scheint mir eine gute Methode. Da wir Selbstzahler sind spielt natürlich auch die Finanzierung eine Rolle, entscheidender aber ist die richtige Methode.

  9. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Haben Sie diese Investition denn inzwischen gewagt, Doc? Und – wenn ja – welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

    Im anderen Forum kam gerade eine Frage dazu. …

  10. […] der Eizellen- und Embryonenbeurteilung. Grundsätzlich gibt es zwar verschiedene Methoden (Polarisationsmikroskopie, Polkörperdiagnostik, PID), jedoch ist die Aussagekraft dieser Methoden limitiert oder sie […]

  11. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Hallo,

    wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann ich mit dieser mikroskopischen Untersuchung den gleichen Effekt erzielen, als wenn ein Embyro mit einem Mikroskop morphologisch untersucht wird?