Befruchtungsrate sagt Schwangerschaft voraus


So lautet die Kurzversion des Ergebnisses einer Studie, die kürzlich im Magazin Fertility Sterility veröffentlicht wurde.

Es gibt viele Faktoren, die statistisch mit dem Ausgang einer künstlichen Befruchtung korrelieren und somit helfen können, die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt einer Schwangerschaft einzuschätzen. Vor allem dem Aussehen der Embryonen am Tage des Transfers kommt dabei eine große Bedeutung zu.

Eine weitere und statistisch von anderen Parametern unabhängige Variable scheint die Befruchtungsrate zu sein. Wissenschaftler aus San Francisco untersuchten den Verlauf von insgesamt 3.603 IVF-Zyklen und richteten ihr Augenmerk dabei auf die Schwangerschaftsraten in Abhängigkeit von der Befruchtungsrate bei der IVF.

Wenn man bei der „konventionellen“ IVF eine Grenze bei 75% befruchteten Eizellen zieht, dann fand sich bei den Paaren oberhalb dieser Grenze eine Schwangerschaftsrate eine Implantationsrate (=Einnistung pro Embryo) von 32,1 % und darunter eine von 17,8%. Bei der ICSI zog man diese Grenze bei 50% befruchteten Eizellen und die Implantationsraten lagen hier bei 25,2% und 17,8%. Beide Unterschiede sind statistisch signifikant und die Befruchtungsrate ist bei der Einbeziehung anderer Variablen (Alter, Eizellzahl, Dauer der Unfruchtbarkeit, Embryo Grading etc. die üblichen Verdächtigen halt) ein von diesen Faktoren unabhängiger Einzelparameter.

Ausreichende Spermienqualität vorausgesetzt, kann man die Befruchtungsrate ohnehin als einen Parameter zur Beurteilung der Eizellqualität heranziehen. Diese Studie zeigt, dass man auch weiterreichende Schlussfolgerungen ziehen kann.

Bevor nun alle ins Grübeln kommen: Ich denke nicht, dass diese Beurteilung greift, wenn eine schlechte Befruchtungsrate aufgrund starke eingeschränkter Spermienqualität eintritt (TESE z. B.). Außerdem ist es wie immer: Im Einzelfall kann man selbstverständlich auch mit der einen befruchteten Eizelle von 10 schwanger werden. Zur Einschätzung der Prognose bei weiteren Behandlungen (Zur Beantwortung der Frage: Lohnt es sich noch, weiterzumachen?) können die Ergebnisse dieser Studie sicherlich eine Hilfe sein. Wenn man die Entscheidung nicht auf einem einzigen Versuch mit schlechter Befruchtung gründet. Das könnte nämlich ziemlich voreilig sein.

Rosen MP, Shen S, Rinaudo PF, Huddleston HG, McCulloch CE, Cedars MI
Fertilization rate is an independent predictor of implantation rate.
Fertil Steril. 2009 Jun 26. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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17 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    lilleanni schreibt

    Danke Doc,
    das ist wirklich sehr interessant, und hilfreich für uns, denn wir hatten immer schlechte (< 50 %)Befruchtungsraten bei 3 x ISCI, und wir überlegen noch einen Versuch zu wagen. Danach soll in jedem Fall schluss sein, und mit dieser Info wird es uns sicher etwas leichter fallen, diese Entscheidung zu treffen! (andere Gründe gibt es für uns auch, dann Schluss zu machen, aber je mehr Arguemente für die eine oder andere Sache, desto sicherer die Entscheidung)

    DANKE

  2. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Sehr spannend – und so sehr ich es auch nicht möchte (da es mir aufgrund der vielen möglichen Parameter ein wenig zu einseitig erscheint – pures Bauchgefühl) als Prognose mit unseren Ergebnissen recht stimmig. Wir hatten exzellente Befruchtungsraten in den Versuchen, wo ich schwanger wurde, einen mit guter Rate, wo ich nicht schwanger wurde und der Rest war jedes Mal so la la.

  3. Elmar Breitbach
    looney schreibt

    Bei mir scheint diese These auch zu stimmen. Bei den ersten 3 Versuchen (ICSI) hatte ich immer ne lausige Befruchtungsrate. Beim 4. Versuch hatte ich dann 6 befruchtete Eizellen von 7 und es hat geklappt.

  4. Elmar Breitbach
    Fischgrete schreibt

    Ich bin dann wohl die Ausnahme von der Regel ;): 3 von 14 EZ befruchtet und bei der ersten ICSI schwanger geworden.
    Allerdings kann die EZ Qualität doch auch durch die Stimulation beeinflusst werden, oder?

  5. Elmar Breitbach
    belli schreibt

    Ich kann das auch bestätigen, bei der ersten ICSI schlechte Befruchtungsrate: negativ.
    zweite Icsi: sehr gute Befruchtungsrate: 1x biochm. SS, mit Kryo aus dem Versuch schwanger geworden.
    Das macht mir sehr Mut, wir haben noch 4 Kryo´s aus dem Versuch und ich würde mich sehr über ein Geschwisterkind freuen.

  6. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Tja, trotz TESE gute Befruchtungsraten und immer noch nicht schwanger. Ausnahmen in der anderen Richtung gibt es anscheinend auch 🙁 (okay, als pour responder gibt es da eben auch andere Parameter, die einschränkend wirken)…

    Ist es wirklich so, dass die Befruchtungsrate einen Eindruck für die Eizellqualität gibt?

  7. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    @atonne: Das ganze wurde einem peer-reviewed Fachmagazin (http://ees.elsevier.com/fns/)in einem renommierten Fachverlag (Elsevier) veröffentlicht. Würde die vom Doc daraus zitierte Studie nicht minimalen Kriterien für die gute wissenschaftliche Praxis genügen (und diese untere Hürde ist ziemlich hoch!), hätte sie es nie dort rein geschafft. Soll heißen, sie haben sich diese Ergebnisse mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit (leider betrügen auch Wissenschaftler) wohl nicht aus den Fingern gesogen. Also kein Grund für den med. Laien (der ich auch bin, aber zumindest bin ich im Wissenschaftsbetrieb zuhause) daran ernsthaft zu zweifeln.

  8. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    Ergänzung – am Beispiel dieses Artikels, wie lange es durchaus dauert von Einreichung bis Veröffentlichung…
    Received 16 October 2008;
    revised 8 May 2009;
    accepted 11 May 2009.
    Available online 27 June 2009Und in der Zeit zwischen "received" und "accepted" ist garantiert der eine oder andere Brief/E-Mail zwischen Verlag, Autoren und Gutachtern verschickt worden.

  9. Elmar Breitbach
    Viktoria1 schreibt

    Wie schön…. in meinem letzten ICSI Versuch, der leider in einer FG endete, hatte ich eine Befruchtungsrate von 75 %…. vielleicht sind ja die Kryos gar nicht so schlecht??

    Hatte aber auch schon einen Versuch mit 22 % Befruchtungsrate…den werde ich mal vergessen.

  10. Elmar Breitbach
    pmpersrocker schreibt

    Dann gehöre ich wohl auch zu den Ausnahmen…
    1 von 6 hat es geschafft und ist bei mir geblieben…
    Und das gleich bei der 1.ICSI

  11. Elmar Breitbach
    miezi schreibt

    Also, wenn ich das jetzt mal auf unseren Fall so betrachte, dann könnte da tatsächlich was dran sein.
    1.ICSI 75% (3 von 4) befruchtet…biochem. SS, 2. ICSI 25% (1 von 4) befruchtet negativ, 3.ICSI ~67% (2 von 3) befruchtet positiv 20. SSW jetzt.

  12. Elmar Breitbach
    Tauchpüppchen schreibt

    Hmm dann falle ich mal wieder durchs Raster, aber laut Statistik müsste ich auch schon ein paar Kinder haben.. Viele EZ, Alter von 29 bis jetzt 31, zwar TESE aber Befruchtungsrate immer über 50 %, Quali A-B, Bedingungen suuper, 2x ICSI, 7x Kryo, 1x Biochemische SS(Kryo)
    Unterm Strich, nix Baby :o(

  13. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    nur ein beispiel:
    gute bis sehr gute befruchtungsraten liegen vor, aber es tritt keine schwangerschaft dauerhaft ein.

    wäre nicht nur ein grund weiterzumachen, sondern auch von der anamnese ausgehend gezielt nach einnistungshindernissen zu suchen.

    was nützt die beste befruchtungsrate und der intakteste embryo, wenn man ein auf krawall gebürstetes immunsystem hat oder eine gerinnungsmacke und nichts dauerhaft im uterus gedeiht (ohne flankierende medis jedenfalls)..?

    wir hatte immer recht gute befruchtungsraten und trotzdem hat sich erst im 6. versuch mit kryos und gerinnungsoptimieren was getan.

  14. Elmar Breitbach
    *charly schreibt

    Hallo

    Damit bestätigt sich für mich eher, dass London damals doch gut daran getan hätte, die Ergebnisse von Dr Reichel zu berücksichtigen, wenn man dort schon nicht selbst entsprechend testet. Die Befruchtungsraten waren dort jedes Mal ganz ordentlich, dennoch waren alle drei Versuche negativ. Wobei wir dann ja in D eine Befruchtungsrate von 100% hatten. Bei eienr verbliebenden Eizelle war das aber mehr Glück als Verstand. Letztlich ist’s wohl immer nur ein statistischer Schnitt.

    Gruß,
    Charly

  15. Elmar Breitbach
    issi-79 schreibt

    Tja dann bin ich wohl auch eher die Ausnahme von der Regel:
    1. IVF= 2 von 12 Eizellen befruchtet-> SS endete in früher FG
    danach 2 ICSI´s mit je 2 von 12 befruchteten Eizellen -> negativ
    3. ICSI= 1 befruchtete Eizelle von 13 entnommenen -> das Ergebnis ist nun 6 Monate alt und kerngesund!!!
    Die Spermienqualität war übrigens jedes Mal sehr gut.

  16. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Sehr interessante Ergebnisse, die wir auch so vermutet haben und die auch die Biologen bereits anklingen ließen- und die in jedem Fall unsere Entscheidung für oder gegen weitere Versuche beeinflußt. Da halten wir es ganz mit der alten Maxime: Lieber ein (vorzeitiges) Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Herzlichen Dank!

  17. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    @remis: Danke für die Belehrung, aber ich bin selbst Wissenschaftlerin ;-).

    Es ging mir nicht um die Studie, sondern nur die Schlüsse, die die Autoren daraus gezogen haben.