IVF und ICSI: Wie hoch muss die Gebärmutterschleimhaut sein?

Welche Rolle spielt die Dicke der Gebärmutterschleimhaut?


Immer, wenn eine IVF oder ICSI trotz bester Voraussetzungen ohne Erfolg bleibt, stellt sich die Frage, woran es liegt und was man besser machen könnte, um die Chancen zu erhöhen. Naturgemäß steht bei der Einnistung die Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut im Fokus. Aber nicht nur die Höhe ist hier von Bedeutung.

Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ist der Ort, an dem die Einnistung des Embryos stattfinden muss und deswegen ist man bestrebt, diese möglichst gut auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Zum Einen ist dabei die Höhe des Endometriums von Bedeutung und zu anderen seine Struktur. Beides lässt sich um Ultraschall gut erkennen.

Was genau wird durch die Höhe der Gebärmutterschleimhaut beeinflusst? Nur die Einnistung?

Offenbar ist nicht nur die Einnistung als solche betroffen, sondern auch der weitere Verlauf einer Schwangerschaft, wenn eine Einnistung erfolgte. So kommt es bei ungenügend aufgebautem Endometrium zu häufiger zu Fehlgeburten oder auch zu Eileiterschwangerschaften. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie aus dem Jahre 2016, in der mehr als 10.000 künstliche Befruchtungen ausgewertet wurden1)Yuan X, Saravelos SH, Wang Q, Xu Y, Li TC, Zhou C
Endometrial thickness as a predictor of pregnancy outcomes in 10787 fresh IVF-ICSI cycles.
Reprod Biomed Online. 2016 Aug;33(2):197-205

Die Schleimhauthöhe wurde am Tag des Auslösens zur Vorbereitung auf die Eizellentnahme gemessen und in 4 Gruppen eingeteilt: Gruppe 1: < 8 mm; Gruppe 2: ≥ 8 und ≤11 mm; Gruppe 3: > 11 und ≤15 mm; Gruppe 4: > 15 mm. Die Zahl der klinischen Schwangerschaften, davon der Anteil lebend geborener Kinder und schließlich die Zahl der Eileiterschwangerschaften.

Schleimhauthöhe Schwangerschaften Lebendgeburten Fehlgeburten Eileiter-schwangerschaften
< 8 mm 23 % 63,3 % 26,7% 10,0 %
≥ 8 und ≤11 mm 37,2 % 72,0 % 23,8 % 4,3 %
> 11 und ≤15 mm 46,2 % 78,1 % 19,9 % 2,1 %
> 15 mm 53,3 % 80,3 % 17,5 % 2,2 %

Alle vier untersuchten Schwangerschaftsverläufe waren statistisch signifikant von der Höhe der Gebärmutterschleimhaut abhängig. Mit anderen Worten: Je höher, desto besser.

Neuere Studien bestätigen diese Zahlen

[Update 11/19]: Eine Zusammenfassung von mehr als 25.000 IVF-Zyklen aus dem Jahre 20182)Gallos, I. D., Khairy, M., Chu, J., Rajkhowa, M., Tobias, A., Campbell, A., … & Coomarasamy, A. (2018). Optimal endometrial thickness to maximize live births and minimize pregnancy losses: Analysis of 25,767 fresh embryo transfers. Reproductive biomedicine online37(5), 542-548. bestätigte die Ergebnisse der ersten Studie. Hier waren die maximalen Erfolgsraten mit einer Höhe von 10 mm Gebärmutterschleimhaut erreicht und das Auftreten  von Fehlgeburten ging auch hier mit zunehmender Höhe des Endometriums zurück.

Noch mehr? Da wäre noch die Analyse von mehr 80.000 Zyklen aus verschiedenen Studien3)Gao, G., Cui, X., Li, S., Ding, P., Zhang, S., & Zhang, Y. (2019). Endometrial thickness with in-vitro fertilization: a meta-analysis. Reproductive BioMedicine Online. Auch hier fand sich ein signifikanter Einfluss der Schleimhauthöhe auf die Einnistung der Embryonen. Allerdings war die Zahl von Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften bei flacher Schleimhaut nicht erhöht.

Nun gibt es schon seit längerem Hinweise darauf, dass die hohen Östrogenwerte im Rahmen einer Hormonbehandlung die Einnistung stören können. Deswegen wird ja bei sehr hohen Hormonwerten und vielen Eizellen auch zu einem sogenannten „Freeze all“ geraten, also alle Eizellen zunächst einzufrieren. Wie wichtig ist dieser Einfluss der Östrogene?

Gebärmutterschleimhaut im natürlichen Zyklus

Nun könnte es ja sein, dass dieser direkte Zusammenhang mit der Schleimhauthöhe und der erfolgreichen Einnistung ein Phänomen ist, welches vor allem bei der künstlichen Befruchtung unter hormoneller Stimulation zum Tragen kommt und nicht im natürlichen Zyklus oder bei sehr niedrig dosierten Hormongaben. Kürzlich berichteten wir hier über die Möglichkeit, eine IVF auch im natürlichen Zyklus durchzuführen („IVF naturelle“, „NC-Cycle IVF“). Eine andere Arbeitsgruppe stellte sich nun die Frage, ob hier die Erfolgsraten unter anderem auch von der Höhe des Endometriums abhängen4)von Wolff M, Fäh M, Roumet M, Mitter V, Stute P, Griesinger G, Kohl Schwartz A
Thin Endometrium Is Also Associated With Lower Clinical Pregnancy Rate in Unstimulated Menstrual Cycles: A Study Based on Natural Cycle IVF.
Front Endocrinol (Lausanne). 2018 Dec 20;9:776.
.

In einer retrospektiven Analyse von 105 Behandlungen mit einer NC-Cycle IVF untersuchten die Forscher die Abhängigkeit der Erfolgsraten in Abhängigkeit von der Höhe des Endometriums. Insgesamt kam es im Rahmen dieser Therapien in 24,8% zu einer Schwangerschaft und einer Lebendgeburtenrate von 15,2% pro Transfer. Die Autoren der Studie legten als Grenzwert eine Schleimhauthöhe von 7mm an. Bei einer Höhe von ≤7 mm traten in 7,4% der Transfers eine Schwangerschaft ein, hingegen 30,8% der Transfers, wenn das Endometrium auf mehr als 7 Millimeter aufgebaut war.

Ein sehr deutlicher Unterschied, der auch statistisch signifikant ist. Im Hinblick auf die Lebendgeburtenrate war der Unterschied nicht signifikant, was auch der niedrigen Zahl der Probanden zuzuschreiben ist. War die Schleimhaut 11 mm oder höher, dann war die Schwangerschaftsrate pro Transfer wieder niedriger als bei den Patientinnen, deren Schleimhaut die optimale Höhe von > 7 und < 11 Millimeter aufwies. Allerdings zeigt die Graphik, dass die Verteilung sehr ungleichmäßig ist und insbesondere die Einschätzung der Chancen bei > 11 Millimetern möglicherweise der geringen Fallzahl geschuldet ist.

 

 

Gebärmutterschleimhaut und Einnistung
Originalartikel

Zusammenfassung

  • Eine flache Gebärmutterschleimhaut hat einen negativen Einfluss auf die Einnistung.
  • Unterhalb des Grenzwertes von 7 Millimetern treten allerdings auch Schwangerschaften auf.
  • Die meisten Studien zeigen auch einen Einfluss der Höhe der Gebärmutterschleimhaut auf den Verlauf der Schwangerschaft. Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften sind möglicherweise häufiger (nicht alles Studien bestätigen dies).
  • Auch im natürlichen Zyklus ist die Einnistung bei flacher Gebärmutterschleimhaut unwahrscheinlicher.

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Literatur   [ + ]

1. Yuan X, Saravelos SH, Wang Q, Xu Y, Li TC, Zhou C
Endometrial thickness as a predictor of pregnancy outcomes in 10787 fresh IVF-ICSI cycles.
Reprod Biomed Online. 2016 Aug;33(2):197-205
2. Gallos, I. D., Khairy, M., Chu, J., Rajkhowa, M., Tobias, A., Campbell, A., … & Coomarasamy, A. (2018). Optimal endometrial thickness to maximize live births and minimize pregnancy losses: Analysis of 25,767 fresh embryo transfers. Reproductive biomedicine online37(5), 542-548.
3. Gao, G., Cui, X., Li, S., Ding, P., Zhang, S., & Zhang, Y. (2019). Endometrial thickness with in-vitro fertilization: a meta-analysis. Reproductive BioMedicine Online.
4. von Wolff M, Fäh M, Roumet M, Mitter V, Stute P, Griesinger G, Kohl Schwartz A
Thin Endometrium Is Also Associated With Lower Clinical Pregnancy Rate in Unstimulated Menstrual Cycles: A Study Based on Natural Cycle IVF.
Front Endocrinol (Lausanne). 2018 Dec 20;9:776.
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Mariechen74 schreibt

    Wie gut, dass Sie den Artikel erst jetzt veröffentlicht haben….meine Kiwu war auch eher der Meinung, Struktur sei wichtiger als die Höhe…. Gilt das damit nicht mehr?
    Bei mir wurde im leicht stimulieren Zyklus ein Kryotransfer mit 7mm Schleimhaut durchgeführt. Auf meine Frage, ob wir noch warten, dass sie ggf etwas höher wird, sagte der Arzt: Es sieht gut aus und gut muss man nicht mehr verbessern. Bin jetzt schwanger in der 15. Woche, es hat also geklappt.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Herzlichen Glückwunsch.

    Diese Studien beschäftigten sich halt vornehmlich mit der Schleimhauthöhe und meine Erfahrung ist auch, dass 7 Millimeter eine Höhe ist, mit der sich gut arbeiten lässt, wenn die Struktur stimmt. Dass diese auch von Bedeutung ist, steht außer Frage. Es ist nur immer schwierig, eine Studie zu mehreren Faktoren zu machen (Struktur ohnehin, denn da gibt es ja kein einheitliches Punktesystem.

    Ich danke Ihnen auch für Ihren Kommentar, denn er zeigt, dass neben alles schlauen Studien die Realität auch mal eine andere sein kann 😉