Ist die Eierstocktransplantation bald möglich?


Keine Eier Wechseljahre. Eierstocktransplantation

Wie sinnvoll ist eine Eierstocktransplantation? Erste vielversprechende Ergebnisse einer internationalen Studie zeigen im Tiermodell die technische Machbarkeit dieser Operation.  Ein Eierstock wurde von Individuum zu Individuum zu transplantiert (Allogene Transplantation), wodurch auch wieder ein Monats-Zyklus gestartet werden konnte.
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Bei vorzeitigen Wechseljahren: Therapie der Wahl ist die Eizellspende

Etwa ein Prozent aller Frauen weltweit leidet an vorzeitigen Wechseljahren. Die Ursachen sind meist genetischer Natur, die Eierstöcke stellen bei dieser Erkrankung vorzeitig den Dienst ein. Aber auch Chemotherapien wegen einer Krebserkrankung können den Eierstöcken irreversibel schaden und durch die Fortschritte der modernen Krebstherapie ist die Zahl an jungen überlebenden Patientinnen steigend. Am häufigsten wird in solchen Fällen eine Eizellenspende angeraten, bei der Eizellen einer Frau mit funktionstüchtigen Eierstöcken verwendet werden.

Eierstocktransplantation: Nicht ganz neu

Erste Berichte zur Transplantation ganzer Eierstöcke gab es bereits 2008 und auch hier wurde darüber berichtet. Auch Schwangerschaften traten ein und Kinder wurden geboren. Allerdings handelte es sich bei diesen Eierstocktransplantationen ausnahmslos um Übertragungen zwischen Zwillingen. Abstoßungsreaktionen sind dabei naturgemäß geringer oder gar nicht zu erwarten. Für Frauen ohne Zwillingsschwester stand diese Option bislang nicht zur Verfügung.

„Durch die verfrühte Menopause kann einerseits ein sehnlicher Kinderwunsch nicht erfüllt werden [….]“, erklärt Michael Feichtinger, Erstautor der Studie. Darüber hinaus sind der international bekannte Experte im Bereich der Fertilitätserhaltung, Samuel Kim von der University of Kansas, School of Medicine, und Mats Brännström von der Universität Göteborg beteiligt. Letzterem war im Herbst 2014 die weltweit erste Serie erfolgreicher Transplantationen von Gebärmutter gelungen, über die wir auch hier berichteten.

Transplantation zwischen nicht verwanden Individuen: Bislang einmalig

Im Tiermodell wurde nun versucht, erstmals eine allogene Eierstocktransplantation (von einem Individuum zum anderen) durchzuführen. Dabei kam eine Immunsuppression mit Hilfe von PIF (preimplantation factor) zu Einsatz. Das wurde am Institut der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Institute of Primate Research in Nairobi (Kenia), bei zwei Pavianen durchgeführt. Vor und nach der Transplantation wurden sie mit PIF behandelt. Das Ergebnis: Bei einem der Tiere war die Transplantation erfolgreich, ein funktionierender Monats-Zyklus wurde angestoßen – beim anderen blieb dieser Erfolg allerdings aus.

Feichtinger: „Dennoch ist die Studie vielversprechend. Auf Basis dieser Ergebnisse scheint eine erfolgreiche Eierstocktransplantation in der Zukunft möglich. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die neue Immunsuppression PIF ohne Nebenwirkungen gut funktioniert, das könnte Einsatzgebiete auch bei anderen Transplantationen eröffnen.“ Mit weiteren Studien soll gezeigt werden, welche Faktoren exakt wichtig sind, um die Transplantation erfolgreich gestalten zu können.

Wirklich notwendig?

Bei aller Begeisterung über die Machbarkeit: Es stellt sich die Frage, inwieweit  eine solche Transplantation überhaupt sinnvoll ist. Es stimmt natürlich nicht, wenn Feichtinger feststellt, dass der Kinderwunsch nicht erfüllt werden kann. Nicht in Österreich oder Deutschland, das stimmt. Im jeweils benachbarten europäischen Ausland hingegen schon. Und eine Schwangerschaft mit transplantierten Eizellen ist letztlich auch nur eine Variante der Eizellspende. Nur wesentlich aufwendiger.

Allogeneic transplantation of ovarian tissue with sole use of novel immunomodulator, preimplantation factor (PIF), restored ovarian function in baboons

M. Feichtinger, E.R. Barnea, A. Nyachieo, M. Brannstrom, S. Kim
O-266 Wednesday, October 19, 2016 11:30 AM
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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    grünhorn schreibt

    Kann sein, dass es schon mal hier gesagt wurde, aber noch mal zur Sicherheit: Die Eizellen eines transplantierten Eierstocks entsprechen genetisch denen der Eierstockspenderin, oder?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ grünhorn: Genau. Es sei denn, ich selbst habe etwas ganz grundsätzlich falsch verstanden. Deswegen verstehe ich den Therapieansatz auch nicht wirklich.