Insemination: Schwanger wird, wer durchhält


Wie viele Zyklen sind bei einer Inseminationsbehandlung sinnvoll?

Die Richtlinien für die Krankenkassen beantworten diese Frage scheinbar eindeutig: 8 Inseminationen ohne Hormongaben oder nur mit Clomifen und drei Zyklen mit Hormongaben, womit Spritzen mit sogenannten Gonadotropinen gemeint sind. Macht also 11 insgesamt.

Warum führt man diese denn nicht durch, bevor man auf eine IVF wechselt? Ja, und siehe oben: Wieviele Versuche sind eigentlich medizinisch sinnvoll?

Die letzte Frage beantwortet eine Studie aus den Niederlanden. Diese untersuchte, bis zu welcher Zahl an Inseminationsversuchen die Rate an fortlaufenden Schwangerschaften stabil bleibt, also nicht absinkt und wie hoch die kumulative Schwangerschaftsrate ist (= Erfolgsrate über alle Behandlungszyklen und nicht für jeden einzelnen Zyklus insgesamt).

Atemberaubende 15.303 Behandlungszyklen bei 3.714 Paaren wurden flossen in diese Untersuchung ein. Grund für die Inseminationen waren

  • schlechte Spermienqualität
  • idiopathische Sterilität
  • schlechter Zervixfaktor, also erschwertes Eindringen der Spermien in die Gebärmutter

Die Vorbehandlung zur Insemination erfolgte in 51% mit Clomifen, 19% mit Spritzen und in 30% der Fälle wurden keine Hormone gegeben. Durchschnittlich 5,6% der behandelten Paare konnten sich pro Zyklus über eine fortlaufende Schwangerschaft freuen.

Die kumulativen Schwangerschaftsraten betrugen nach 3 Zyklen 18%, nach 7 Zyklen 30% und nach 9 Zyklen 41%. Die statistische Analyse der Einflussgrößen ergab, dass weder das Alter der Frau, die Ursache der Unfruchtbarkeit, die Art der Stimulation oder die Zykluszahl einen den Erfolg der Behandlung beeinflusste.

Die Autoren der Studie kommen daher zu dem Schluss, dass mit einer wenig belastenden hormonellen Vorbehandlung durchaus 9 Behandlungszyklen mit einer Insemination vertretbar erscheinen.

Gründe für einen frühzeitigeren Wechsel auf die IVF

Üblicherweise wird (zumindest in Deutschland) jedoch früher auf eine künstliche Befruchtung gewechselt. Was sind die Gründe?

  • Mir sind einige Untersuchungen (allerdings mit einer geringeren Fallzahl) bekannt, die sehr wohl erkennen ließen, dass die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mit zunehmender Zykluszahl sinkt.
  • Die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft hängt auch von der Qualität der Eizellen und vom Timing der Insemination ab, weshalb die Hormonbehandlung oftmals zu besseren Resultaten führt. Was dann widerum die in Deutschland mit Unterstützung der Krankenkassen durchführbaren Behandlungen limitiert.
  • Geht man davon aus, dass bei einer Clomifen-Stimulation immer mal wieder ein Zyklus wegen Zystenbildung am Eierstock pausiert werden muss und das Paar ja auch gelegentlich etwas Besseres oder Wichtigeres zu tun hat als ständig in der Kinderwunschklinik aufzulaufen, dann dauern 9 Zyklen vermutlich deutlich mehr als ein Jahr, realistisch sind 1,5 bis 2 Jahre.
  • Die Chancen mit einer IVF schwanger zu werden sind um ein Vielfaches höher als bei der Insemination, was in Zusammenschau mit dem vorherigen Punkt natürlich dazu führt, dass die Paare nicht gewillt sind, eine solch lange Therapie in Kauf zu nehmen. Zumal ja auch eine Insemination Geld kostet

Dass man mit einer IVF deutlich bessere Schwangerschaftsraten erzielen kann, darf kein Grund sein, die Insemination – wenn sie denn erfolgversprechend erscheint – nicht durchzuführen. Denn in begrenzter Zahl ist sie durchaus erfolgreich, wenn man die richtigen Paare dazu auswählt.

Aber bei einem Paar, welches ja üblicherweise bereits zuvor schon einige Jahre versuchte, auf normalem Wege eine Schwangerschaft zu erzielen, zuzumuten, im schlechtesten Fall noch mehr als ein Jahr auf eine Inseminationstherapie zu verwenden, ist aus meiner Sicht schon aus psychiologischen Gründen nicht vetretbar, wenn es erfolgreichere Alternativen gibt. Nicht, dass es jemand falsch versteht: Ich bin kein Freund der Abkürzung auf dem Weg zur Schwangerschaft, sehe aber auch den Leidensdruck der Patienten als einen limitierenden Faktor, wenn es darum geht, die Schlussfolgerungen der holländischen Kollegen in die Tat umzusetzen.

Custers IM, Steures P, Hompes P, Flierman P, van Kasteren Y, van Dop PA, van der Veen F, Mol BW
Intrauterine insemination: how many cycles should we perform?
Hum Reprod. 2008 Feb 8 [Epub ahead of print]


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Regenherz schreibt

    Hallo Doc Breitbach,

    dieser Artikel passt ja super zu meiner gestrigen Frage im Kinderwunsch-Forum. (Vielleicht haben Sie mal Zeit reinzulesen?)

    Hilft so allgemein gesehen nur ein bisschen – aber hilft.

    Ich finde es gut mal zu lesen, dass man vielleicht zu früh umschwenkt auf IVF, ich werde noch ein bisschen nachdenken müssen.

    Ihre Artikel sind immer toll!

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo doc,

    wie sind denn so die grenzwerte beim spermiogram mit dem IUI noch sinnvoll ist..?
    ist das irgendwie geregelt oder legt das durchführende institut/die praxis das selbst fest..?
    gibt es unterschiede zum zykusoptimierten koitus vs. IUI von der erfolgsaussicht her..?

    sorry, viele fragen..

  3. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    So weit, so richtig.

    Was, wenn man nur noch einen Eierstock hat und Lowie mit 1-2 Follikel trotz Stimu ist? Bleibt nicht viel, da ist nämlich IVF echt Geld verbrennen 🙁

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Reaba: Welche Werte sinnvoll sind, ist schwer zu sagen, da die Beurteilung der Spermienqualität auch durchaus unterschiedlich sein kann in Abhängigkeit vom besucher und von der Tagesform des Spenders. Deswegen orientiert man sich da vor allem an den werten nach Aufbereitung, wo ca. 5 Mio. Spermien eine ordentliche Zahl sind mit ebenso ordentlichen Erfolgsraten.

    @ Greta: Man darf bei solchen Studien nie die individuelle Betrachtung des Einzelfalls außer acht lassen, keine Frage

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Nur 5.6% fortlaufende Schwangerschaften pro Zyklus. Ist das ein Tippfehler oder ist die Rate wirklich so niedrig?

    Ich meine, das Paar sollte das nach umfassender Beratung selber entscheiden dürfen, ob und wie lange es sich diesen Psycho-Marathon antun will.

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Nein, kein Tippfehler. Selbst, wenn man berücksichtigt, dass die fehlgeburtenrate 15-20% beträgt, dann ist die Schwangerschaftsrate nicht sehr gut, das stimmt. deswegen wird in der Studie ja auch so auf die kumulative Schwangerschaftsrate abgehoben.

  7. Elmar Breitbach
    acedia schreibt

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe bisher auch öfters gehört, dass nach 3 negativen IUIs die Chancen extrem niedrig wären mit dieser Methode Erfolg zu haben.

    Uns wäre aber eine IUI erheblich sympathischer weil eben die Überstimulation weg fällt. Erstaunlicherweise wird über diesen ethischen Aspekt selten geredet, bei uns ist es so, dass das SG meines Partners stark eingeschränkt ist, vor allem in der Motilität.

    Bei mir ist alles in Ordnung. Jetzt muss ich die Risiken und Nebenwirkungen der Stimulation auf mich nehmen. Sicher möchte ich ein Kind, habe jedoch Angst vor den Nebenwirkungen. Die IUI scheint mir da erstmal eine Alternative zu bieten mit weniger Risiko die Chancen wenigstens ein bisschen zu erhöhen. Als Psycho-Marathon sehe ich die IUIs übrigens gar nicht.

  8. Elmar Breitbach
    Vicky schreibt

    Mein Mann und ich haben 2 Jahre lang versucht, auf natürlichem Weg ein Kind zu zeugen. Davon haben wir es 1,5 Jahre ganz gelassen probiert und dann 9 Monate mit System(Zykluscomputer ect.)-nichts. Dann sind wir in die Kinderwunschklinik: 4 fehlgeschlagene Inseminationen, keine Diagnose.Ich bin so müde.Und jetzt soll ich noch 2-5 Inseminationen machen lassen, um dann erst durch die IvF meine Chancen zu verbessern? Ach übrigens: iCH bin 28, habe mit 26 die Pille abgesetzt.

  9. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Vicky: » Natürlich müssen Sie nicht noch so viele Inseminationen durchführen lassen. Der Artikel besagt lediglich, dass jemand, der keine IVF wünscht, auch häufiger eine Insemination machen kann. Ich schrieb ja bereits, dass das psychologisch eine BElastung darstellt, die man eigentlich keiner Frau zumuten kann

  10. Elmar Breitbach
    Luna schreibt

    Hallo Doc,
    bin 35 und habe schon einen 11 jähriges Kind was ohne Probleme funktionierte.Nun 11 Jahre Pille im Dezember abgesetzt.Insemination wurde uns empfohlen da ich eine Konisation hatte und vernarbt bin,sonst alles supi,auch beim Mann.Nun stehe ich vor der 3. Iui und soll laut KiWu die letzte sein und man sollte es anders probieren.Ist das sinnvoll da doch alles ok,warum klappt Iui nicht?Soll ich wirklich Ivf machen?Wieviel Paaren sind inkompatibel?