In-Vitro-Fertilisation nur bis 43 Jahre


Das zumindest empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Meldung macht aktuell die Runde durch den deutschen Blätterwald. Die DGGG beruft sich dabei auf eine Studie, die vor einem Jahr erschien.

Eine israelische Arbeitsgruppe untersuchte dabei die Ergebnisse einer künstlichen Befruchtung von 459 Frauen, die ≥ 42 Jahre alt waren zum Zeitpunkt der Behandlung. Insgesamt wurden 843 Zyklen ausgewertet.

Pro Zyklus wurden 7,7 Prozent der 42-Jährigen schwanger, 5,4 % der 43-Jährigen und 1,9 % der 44-Jährigen. Frauen ≥ 45 Jahren erhielten insgesamt 54 Behandlungen – keine von ihnen wurde schwanger.

Die Autoren schlussfolgern aus diesen Ergebnissen, dass man Frauen, die älter als 43 Jahre alt sind, eine IVF-Therapie mit eigenen Eizellen nicht mehr anbieten sollte, sondern auf die Möglichkeit einer Eizellspende hinweisen.

Grundsätzlich decken sich diese Daten mit den aktuellen Ergebnissen aus dem Deutschen IVF-Register (DIR) (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

IVF-Ergebnisse in Abhängigkeit vom Alter der Frau
IVF-Ergebnisse in Abhängigkeit vom Alter der Frau

Auch hier sieht man einen deutlichen Abfall der Schwangerschaftsrate ab dem 43. Lebensjahr, wenngleich die Ergebnisse wesentlich besser sind als in der israelischen Studie. Ein Grund sind sicherlich die verschiedenen Bezugsgrößen (in der Studie: klinische Schwangerschaften pro Behandlungszyklus; im DIR pro Transfer). Dadurch, dass es bei älteren Frauen vergleichsweise häufiger aufgrund niedriger Eizellzahlen und schlechter Eizellqualität erst gar nicht zum Transfer kommt, lassen sich die Differenzen jedoch nicht alleine erklären. Eine Mutmaßung meinerseits ist, dass man in Deutschland hartnäckiger mit sehr individuell angepassten Stimulationsprotokollen den Erfolg sucht, da die Eizellspende als Alternative nicht zur Verfügung steht. Wie auch immer, die Grenze von 43 ist auch an den deutschen Daten ablesbar.

Persönlich halte ich es immer für problematisch, pauschale und strenge Grenzen zu setzen. Denn wenn man sich einerseits über die hinsichtlich der Kostenübernahme aktuell geltende Altersgrenze von 40 Jahren (mit Recht) aufregt, kann man andererseits eine individuelle Einschätzung im Einzelfall auch bei älteren Frauen nicht ablehnen. Auch wenn die Eizellqualität generell mit zunehmendem Alter abnimmt, so ist es doch ein Unterschied, ob man problemlos > 5 Eizellen vergleichsweise guter Qualität gewinnt, oder mit Ach und Krach 2-3.

Und wer meint, dass man doch auch bitte das Alter des Mannes berücksichtigen sollte, hat nur bedingt recht, wie man in diesem Artikel sehen kann.

Abschließend sei noch auf einen Artikel verwiesen, der auch recht ordentliche Erfolgsraten bei Frauen ab 45 aufzeigt, jedoch sind diese Erfolge bedauerlicherweise nur vorübergehender Natur, da die Zahl der Fehlgeburten sehr hoch ist.

Hourvitz A, Machtinger R, Maman E, Baum M, Dor J, Levron J
Assisted reproduction in women over 40 years of age: how old is too old?
Reprod Biomed Online. 2009 Oct;19(4):599-603.


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hallo dr breitbach,

    dazu mal eine eher persönliche frage: die embryonen, mit denen ich schwanger wurde, entstanden als ich 34 war.
    die kleine wurde mit 37 geboren (war ja ein kryoembryo).
    wo bin ich jetzt in der statistik – bei 34 oder bei 37..?

    und noch eine frage: gibt es statistiken, die einen (mehrere) vorhergehende reproduktionserfolge berücksichtigen..?
    -> sehen die erfolgsraten bei ähnlichen bedingungen (selbe partner etc) also gleich aus wie bei erstgebärenden oder anders..?

    LG reaba

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ein sehr wichtiger Beitrag. Obwohl er mich als 43-jährige trotz abgeschlossenen Kinderwunsches schon etwas melancholisch macht. …

  3. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    ich würde auch gerne die zahlen der "durch unfall" schwanger gewordenen über 42jährigen erfahren, die dann abtreiben. Und die, die gar nicht behandelt wurden, das kind aber austragen.

    des weiteren sollte man patientinnen mit intakten reproduktionsorganen und intaktem "herrn" auch über 42 darauf verweisen, dass man OHNE mediziner schwanger werden kann…. übenübenüben…. dauert halt wat länger. kann aber auch klappen.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt
  5. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    danke, rebella 🙂

  6. […] Das ist genau das Problem solcher Nachrichten: Man könnte daraus schließen, es handele sich hier um eine „normale“ künstliche Befruchtung und könne diese Therapie also erfolgreich bis zum Rentenalter anwenden. Und das ist leider nicht der Fall. Zahlreiche Studien zu diesem Thema belegen eine sehr starke Abhängigkeit der Erfolgsraten bei der IVF vom Alter der behandelten Frau. Auch eine gute Aktivität der Eierstöcke kann das nur zwischen 40 und 44 Jahren zum Teil kompensieren und ab 45 ist die Reagenzglasbefruchtung nur noch in wenigen Einzelfällen erfolgreich. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) rät daher auch von Behandlungen ab, wenn die Frau älter als 43 Jahre ist. […]