Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Schilddrüsenantikörper: Spielen sie eine Rolle?

18

Eine einheitliche Regelung zur Behandlung von Erkrankungen der Schilddrüsen bei Kinderwunsch gibt es nicht, die gängigen Vorgehensweise wurden hier vor einiger Zeit bereits vorgestellt.

Am häufigsten kommen Unterfunktionen der Schilddrüse als Ursache von hormonellen Störungen vor. Während außer Frage steht, dass man bei einer (latenten) Unterfunktion der Schilddrüse die fehlenden Schilddrüsenhormone ausgleichen sollte, indem man diese meist als L-Thyroxin verabreicht, ist die Behandlung der sogenannten Hashimoto-Thyreoditis unklar.

Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen Bestandteile der Schilddrüse richtet und diese dabei in einem langandauernden Prozess zerstören kann, sie aber zumindest daran hindert, bei Belastungsspitzen ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren. Die Attacken des Immunsystems werden durch Antikörper gegen die Schilddrüse vermittelt, die auch im Blut nachweisbar sind.

Spezielle Behandlungskonzepte existieren nicht, wenngleich durchaus empirische (= Ausprobieren und sehen, ob es wirkt) Therapien mit gerinnungshemmenden Substanzen und Kortison zur Dämpfung des Immunsystems empfohlen werden.

Lange wurde angenommen, dass bei einer Immunerkrankung der Schilddrüse lediglich die mangelnde Funktion der Schilddrüse kompensiert werden muss, während die Antikörper gegen das Organ keinen negativen Einfluss auf die Schwangerschaftsraten haben. Kleinere Studien konnten jedoch zeigen, dass die „empirische“ Therapie auch der Immunreaktion (Mit ASS, Heparin und Prednisolon) die Erfolgsraten verbessern kann.

Davon gibt es nun eine mehr. Hier geht es um die richtige Therapie beim Vorhandensein von Schilddrüsenantikörpern, wobei die Fallzahlen auch hier bedauerlicherweise nicht sehr hoch sind. Verglichen wurden die Ergebnisse einer künstlichen Befruchtung bei Frauen mit normalen Schilddrüsenhormonwerten mit Antikörpern (129) gegen die Schilddrüse und einer Kontrollgruppe von 200 Frauen ohne diese Antikörper.

Während der Behandlung erhielten 38 der Frauen mit Antikörpern keine spezielle Zusatzbehandlung, 55 erhielten Schilddrüsenhormone und weitere 38 Schilddrüsenhormone in Kombination mit ASS (Aspirin 100) und Kortison.

Erst einmal konnte bei der Rekrutierung der Patientinnen für die Stzudie herausgefunden werden, dass bei Frauen mit Kinderwunsch und normalen Schilddrüsen-Hormonwerten in 10,5% der Fälle Schilddrüsenantikörper nachweisbar sind. Nicht wenig und aus meiner Sicht ein Grund, diese Antikörper in die Basisdiagnostik dieser Patienten aufzunehmen, zumal das jetzt auch keine so sensationell neue Erkenntnis ist und bereits in anderen Studien übr ähnliche Ergebnisse berichtet wurde.

Die Ergebnisse

Nur nochmal zur Erinnerung: Es ist hier ausschließlich die Rede von Frauen, mit normalen Schilddrüsenparametern und einem TSH < 2,5 sowie nachweisbaren Schillddrüsenantikörpern im Blut, die mit komplett schilddrüsengesunden Frauen verglichen wurden (Kontrollgruppe).

  • Bei Frauen mit positiven Antikörpern ohne eine zusätzliche Therapie waren die Schwangerschaftsraten und die Reaktion auf die hormonelle Stimulation signifikant schlechter als in der Kontrollgruppe
  • Ähnlich schlecht waren die Schwangerschaftsraten bei den Frauen mit Antikörpern, die nur L-Thyroxin, also Schilddrüsenhormone erhielten. Diese Patientinnen sprachen jedoch besser auf die Hormongaben an als die Frauen ohne jegliche Zusatzmedikation.
  • Die Ergebnisse der Frauen, die L-Thyroxin, Kortison (Prednisolon) und ASS erhielten waren vergleichbar mit denen der schilddrüsengesunden Kontrollgruppe

Natürlich können die Autoren angesichts der retrospektiven Studie mit einer relativ kleinen Fallzahl auch nicht auf den Hinweis verzichten, dass diese Ergebnisse durch größere und prospektive Studien kontrolliert werden müssen. In Anbetracht der geringen Nebenwirkung von L-Thyroxin, ASS und niedrig dosiertem Prednisolon ist jedoch der Versuch einer solchen Therapie empirische Therapie gerechtfertigt, wie es in dem eingangs erwähnten Artikel von Frau Bals-Pratsch auch vorgeschlagen wurde.

Revelli A, Casano S, Delle Piane L, Grassi G, Gennarelli G, Guidetti D, Massobrio M
A retrospective study on IVF outcome in euthyroid patients with anti-thyroid antibodies: effects of levothyroxine, acetyl-salicylic acid and prednisolone adjuvant treatment
Reproductive Biology and Endocrinology 2009, 7:137


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

18 Kommentare
  1. atonne schreibt

    Leider wird in solchen Studien irgendwie immer nur Hashimoto berücksichtigt. Was ist eigentlich, wenn Morbus Basedow vorliegt? Dann gibt es ja auch Schilddrüsenantikörper, aber noch mehr Schilddrüsenhormon zuführen kann ja eigentlich nicht die Lösung sein, weil ja eh schon zuviel produziert wird.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Das sind Schilddrüsenrezeptor-Antikörper und etwas völlig anderes, das stimmt.

  3. Anne schreibt

    Bei mir wurden sehr hohe Antikörperwerte festgestllt, alle anderen Schilddrüsenwerte waren aber okay, also weder Über-noch Unterfunktion. Wir haben experimentell mehrere Monate versucht, mit rel. hohen Kortisongaben den Spiegel zu drücken, das gelang auch anfäglich, dann schnellte er wieder hoch. Trotzdem 2 mal ICSI probiert und jedes Mal gab die Klinik in Karlsbad dabei viel Kortison. Ich hatte nur noch wenig Hoffnung , aber jetzt beim 2.Mal hat es tatsächlich geklappt, auch wenn ich erst 8.Woche bin und noch nichts sicher ist. Keine Ahnung, ob es am Kortison lag, aber man sollte die Antikörper bei Kinderwunsch dringend beachten (meine 1.Gyn hat sie unter den Tisch gespielt).

  4. jowi schreibt

    handelt es sich hier um TPO-AK und TG-AK?
    ansonsten ihr wort in den gehörgang der internisten und reproduktionsmediziner…wie oft bin selbst ich, als ärztin mit entsprechender literatur ausgestattet, gegen mauern gerannt, bis sich endlich jemand auf die zusatztherapie einließ..gsd, denn wir wurden belohnt…
    lg jowi

  5. Anne schreibt

    @ jowi:
    mein TPO-AK war am 3.9. noch +1339 IU/ml! (Norm ist <35) Das Labor hat extra nachgeprüft…

  6. grünhorn schreibt

    Also, ran an die Fachzeitschriften für Reproduktionsmedizin und für Endokrinologie oder auch für Innere Medizin, an die Diagnoseprotokolle oder wo sonst man die entsprechenden Empfehlungen unterbringen müsste (kenne mich als medizinischer Laie da nicht aus)!

  7. jowi schreibt

    nee, ich meinte mit meinem kommentar eher den doc…
    @ anne: mein TPO war bei diagnose 1800, hatte aber auch einen tsh von 22.
    eigentlich sagt man, daß cortison an sich die ak-spiegel nicht senkt. dies kann man nur, in dem man die sd mit thyroxin ruhigstellt und damit aus der schußlinie des immunsystems nimmt. dann sinken in der regel auch die antikkörper.
    lg jowi

  8. Elmar Breitbach schreibt

    @jowi: Es geht hier um TPO-AK. Zur Senkung der AK wird auch gerne und erfolgreich Selen gegeben, das nur als Ergänzung

  9. joelle schreibt

    Danke für diesen Artikel. Meine TPO-Aks liegen auch bei über 1000 (Norm kleiner 35), TSH normal. Mein Gefühl sagte immer schon, dass diese hohen Aks (zumindest mit-) Schuld an meinem unerfüllten Kinderwunsch haben. Aber bisher wurde dieses ‚Gefühl‘ von allen Ärzten belächelt – das könne nicht sein, weil die Aks Schilddrüsenspezifisch sind. Hmm..dass die das so genau wissen? Die TRAK-Antikörper bei Morbus Basedow greifen ja auch den Augenhintergrund an und lösen zudem komische Ekzeme an den Beinen aus, und keiner weiß warum.
    Ich bin jedenfalls froh um die neuen Studien, zumindest ein Anfang.

  10. raise schreibt

    wieviel selen braucht man, um die ak zu unterdrücken?

  11. silvia26 schreibt

    Mein Endo sagt das stabile AK´s sehr wichtig sind. Sie sollten nicht mehr schwanken, dann sind sie auch kein großes Hindernis. Bei Hashi dann kein Jod. Kortison hat bei mir nicht viel gebracht. Meine AK´s schwankten immer so zwischen 350 und 500. Sie wurden jedesmal mitbestimmt und ich gehe im Durschnitt alle 3 Wochen zur Blutabnahme. Selen hat auch nichts auf die Antikörper bewirkt. Aufjedenfall hab ich 3 HIVF´s hinter mir und eine HICSI und bin jetzt in der 17. Woche Schwanger. Die 2. und 3. HIVF mit Kortison, Heparin, ASS100, die HICSI hab ich ohne Kortison gemacht weil ich mich damit nicht wohl gefühlt habe, hatte das Gefühl das macht alles nur noch schlimmer. Jetzt in der Schwangerschaft sind meine AK´s so niedrig wie nie zuvor, bei 285. Ich bin aber auch sehr hochdosiert, schon in der Behandlung, mit Schilddrüsenhormonen. Ich denke bei Hashi ist es wichtig, wenn man es verträgt, hoch zu dosieren, das setzt die Schilddrüse eher ausser Kraft und die Antikörper beruhigen sich.

  12. Elmar Breitbach schreibt

    @raise: 200 µg werden üblicherweise empfohlen

  13. hasenohr schreibt

    Interessaner Artikel! Ich hab auch Hashimoto und bis vor kurzem auch noch einen Knoten, der trotz L-Thyroxin wuchs. Nun bin ich meine Schilddrüse los – die OP war vor 2 Wochen. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie sich nun meine Werte entwickeln. Ich hoffe, sie stabilisieren sich schnell – wir wollen einen weiteren Versuch wagen. Leider waren 4 Versuche bislang erfolglos – trotz Selen (brachte bei mir gar nichts), Heparin und Kortison…

  14. Mori schreibt

    Mit „nur“ PCO hatte ich eine FG nach der anderen – 6 nachgewiesen, als ich endlich anfing, testen zu lassen…. nach bereits 10 Jahren Kiwu!
    Dann Diagnose Zöliakie, glutenfreie Diät … AKs weg.
    Weitere Diagnose: Hashimoto Th. (gezielt gesucht dank Forum…), TSH zwar gar nicht sooo schlecht, aber die AKs….
    Dank Forum habe ich mich dann (nach FG trotz Utrogest, Metformin, Clomifen, Leukonorm, ASS…) zusätzlich zu L-Thyroxin selbst um Therapie mit ASS, Heparin und Kortison gekümmert … und Benedikt ist jetzt 5 Jahre.

    Ich hoffe, daß diese Erkenntnisse bald vielen Frauen zugute kommen, die sonst vergeblich warten!!!

  15. olga silitsch schreibt

    Viellen Dank für dise RETENDE Information

  16. Janina schreibt

    Vielen Dank für den Artikel, den ich interessant finde. Als Hashimoto-Patientin mit Bluthochdruck habe ich jetzt meine dritte ICSI erstmalig mit Kortison (Prednisolon) und Heparin gestartet, um die Einnistung zu fördern. Leider hat sich nun mein Blutdruck zusätzlich erhöht (bei OP war er 180/100, danach 150/100). Da als eine Nebenwirkung von Kortison Bluthochdruck genannt ist (Beibackzettel) hat meine Ärztin beschlossen, das Kortison wieder abzusetzen. Ein stabiler niedriger Bluthochdruck wird für die Einnistung als wichtiger erachtet als die Hilfe von Kortision. Bin jetzt verunsichert, denn ich hielt Kortison als guten Versuch für eine optimierte Einnistung, auch habe ich Sorge, dass es jetzt mit der Einnistung wieder nicht klappt. Gibt es ein anderes Kortisonmittel mit nicht diesen Nebenwirkungen?

  17. Elmar Breitbach schreibt

    Leider haben alle Kortikoide diese potentiellen Nebenwirkungen.

  18. […] etabliert. Während einer Kinderwunschbehandlung gibt es verschiedene Konzepte, deren Wirkung in kleinen Studien nachgewiesen werden konnten. Bewiesen ist hier jedoch nichts. Die empirische (= versuchsweise) Anwendung von Prednisolon und […]