Natürliche Killerzellen und Prednisolon

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Natürliche Killerzellen sind – trotz ihres gefährlichen Namens – ein wichtiger Bestandteil des gesunden menschlichen Immunsystems und werden den weißen Blutkörperchen zugerechnet. Schon lange spekuliert man darüber, ob diese Zellen den Erfolg einer IVF oder ICSI negativ beeinflussen können, wenn es zu viele von ihnen gibt.

Der Name Killerzelle ergibt sich aus der Funktion der Zellen, die fremde Zellen wie Viren oder Tumorzellen erkennen und abtöten. Sie machen beim gesunden Menschen 5-15% der Blutzzellen aus1)Maren Claus, Johann Greil, Carsten Watzl: Comprehensive analysis of NK cell function in whole blood samples. In: Journal of Immunological Methods. Band 341, Nr. 1-2, S. 154–164.

Natürliche Killerzellen im Blut

Im Rahmen der Reproduktionsmedizin wurde schon lange der Anteil der natürlichen Killerzellen im Blut bestimmt.

Aber schon vor mehr als 10 Jahren wurde hier die Frage gestellt: Natürliche Killerzellen: Was wird da eigentlich gemessen? Und richtig vermutet: Eine Antwort auf diese Frage gibt es immer noch nicht.

Die Bestimmung dieser Zellen aus dem Blut führt daher bestenfalls zu Verwirrung, nicht jedoch zu sinnvollen Behandlungsmaßnahmen.

Natürliche Killerzellen in der Gebärmutter (uNK)

Die Bedeutung der natürlichen Killerzellen in der Gebärmutter hingegen ist zumindest nachvollziehbarer, wenn es um die Diagnostik wiederholter Fehlgeburten und Einnistungsstörungen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung ging. Denn hier geht es um die Wirkung dieser Zellen direkt am Ort der Einnistung. Und die uNK richten sich gegen fremde Zellen, zu denen grundsätzlich ja auch der Embryo gehört, zumindest zu 50%. Und dass Entzündungen und damit verbundene Immunreaktionen einen Einfluss auf die Einnistung haben, hatten wir ja hier bereits kürzlich im Zusammenhang mit den Plasmazellen erwähnt.

Die uNK mit Hilfe einer kleinen Biopsie aus der Gebärmutterschleimhaut zu bestimmen, ist nicht schwierig. Die Schwierigkeit ergibt sich daraus, etwas Sinnvolles mit den Ergebnissen der Untersuchung anzufangen. Das Cortisonpräparat Prednisolon unterdruckt die Aktivität des Immunsystems. Es ist daher auch in der Lage, die Zahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen in der Gebärmutter zu senken.

Prednisolon gegen uNK

So viel vorab: Zumindest in der Hälfte der Fälle gelingt es, die Konzentration der Zellen in der Gebärmutter zu senken. Eine Gruppe englischer Wissenschaftler untersuchte 136 Frauen mit wiederholt erfolglosen IVF-Behandlungen2)Cooper S, Laird SM, Mariee N, Li TC, Metwally M
The effect of prednisolone on endometrial uterine NK cell concentrations and pregnancy outcome in women with reproductive failure. A retrospective cohort study.
J Reprod Immunol. 2018 Oct 25;131:1-6
. Man entnahm Biopsien der Gebärmutterschleimhaut und untersuchte sie auf uNK. Bei 45 Frauen war die Konzentration erhöht; sie wurden mit 10 mg Prednisolon täglich behandelt. Nach einem Monat wurde eine Kontrolle durchgeführt. Bei nur knapp der Hälfte der Frauen fand man eine deutliche Reduktion der Zellzahl (48%).

Bei diesen führte man in Falle einer Schwangerschaft die Prednisolonbehandlung bis zur 12. Schwangerschaftswoche fort.

Die Gabe von Prednisolon änderte nichts am Verlauf der Schwangerschaft. Fehlgeburten und Komplikationen waren ebenso häufig wie bei den Frauen, die keine Medikation erhielten.

Zusammenfassung

Bei Frauen mit wiederholt erfolgloser IVF-Behandlung sind erhöhte uNK-Zell-Konzentrationen häufig. Prednisolon senkt in der Hälfte der Fälle zuvor erhöhte Konzentrationen uteriner NK-Zellen. Ein Einfluss auf den Verlauf und Eintritt von Schwangerschaften hat die Therapie jedoch leider nicht.

 


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Literatur   [ + ]

1. Maren Claus, Johann Greil, Carsten Watzl: Comprehensive analysis of NK cell function in whole blood samples. In: Journal of Immunological Methods. Band 341, Nr. 1-2, S. 154–164
2. Cooper S, Laird SM, Mariee N, Li TC, Metwally M
The effect of prednisolone on endometrial uterine NK cell concentrations and pregnancy outcome in women with reproductive failure. A retrospective cohort study.
J Reprod Immunol. 2018 Oct 25;131:1-6

Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Glückskind schreibt

    Lieber Doc,

    vielen Dank für den interessanten Artikel! Die Studie wurde mit Prednisolon gemacht – gilt das dann genauso für Dexamethason, da es auch ein Cortison ist? Oder gibt es da Unterschiede?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Der Unterschied ist vor allem die 10x stärkere Wirkung des Dexamethason. Später – im Falle einer Schwangerschaft kommen noch Plazentagängigkeit hinzu, hier spielt es aber eine untergeordnete Rolle

  3. Elmar Breitbach
    Glückskind schreibt

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Das mit der Plazentagängigkeit wusste ich. Wenn Dexamethason 10x stärker als Prednisolon wirken soll, wäre doch interessant, ob die Studie andere Ergebnisse mit Dexamethason ergeben hätte, oder?

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Nein, weil man dann analog mit einem Milligramm Dexamethason hätte arbeiten müssen, da sonst die Nebenwirkungen zu problematisch gewesen wären bei einer 10fachen Dosis 😉

  5. Elmar Breitbach
    vergwirkst schreibt

    Lieber Doc,

    danke für den Artikel. Bin sowieso nicht immugläubig smile Trotzdem eine Frage:

    Was ich noch gerne verstehen würde: Die Aussage ist ja die, das Predni senkt die uNK, aber trotz geminderter uNK gibt es keinen Behandlungserfolg.

    Jetzt möchte ich gerne wissen: Ist die Schlußfolgerung dann die, daß die uNK dann für den Ausgang der Therapie gar nicht relevant sind (genausowenig wie die NK im Blut) oder bedeutet es dass die erhöhten uNK noch mit anderen Faktoren vergesellschaftet ist, die wohl relevant sind, aber die man mit Predni nicht beeinflussen kann. Wie darf man das verstehen?

    LG gwirksi

  6. Elmar Breitbach
    Sowahr schreibt

    Hallo,
    ich habe gelesen dass Dexa einen bestimmten IG-F oder IG-G Parameter mehr beeinflusst als Predni und deshalb Dexa im Falle von NKs etwas überlegen wäre.
    @verwirgst: die Entstehung einer Schwangerschaft ist so nomplex dass man auch heutzutage nicht alle Mechanismen hierzu kennt oder erklären kann. Deshalb gibt es auch den Aspekt der Immunologie die vielfach diskutiert, etc wird. Wie der Doc schon schrieb können die NKs auf eine andere „Entzündung“ im Körper hinweisen (man kennt den genauen Ort im Körper nicht). Ich würde sagen dass man bezüglich der Therapie der uNKs noch etwas am experiemtieren ist da es sicherlich auf die Höhe der uNKs ankommt (wenn man allen die gleiche Dosis Predni gibt hilft das nicht bei allen gleich gut) und natürlich die Aktivität (wo dann wieder Intralipid und Co ins Spiel kommt). Ebenso ist eine Behandlung mit Antibiotika denkbar (zumindest bei NKs bei denen man ja nicht weiß welcher Prozess im Körper gerade falsch läuft)..
    P.S. ich glaube die zweite Überschrift zu den uNK müsste etwas anders lauten 🙂

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ sowahr, danke für das Lektorat 😉

    @ vergwirkst
    In der Tat kann man diese Schlussfolgerung ziehen, aber solche Rückschlüsse sind nicht wissenschaftlich. Der einzige Schluss, den man aus dieser Studie ziehen darf ist, dass

    1. die NK-Zellen bei der Hälfte der Frauen signifikant gesenkt wird
    2. das aber keine signifikanten Verbesserung der Lebendgeburtenrate nach sich zieht
    3. Die Studie – rein von der Zahl der untersuchten Frauen aber auch von Studiendesign her – keine abschließende Beurteilung des Sachverhalts zulässt

    Die von sowahr erwähnten Spekulation sind daher auch nur genau das, aber das sind sicherlich Überlegungen, zu denen gute Studien interessant wären. Die gibt es aber leider nicht.

    Aber es scheint zumindest nicht verkehrt zu sein, den NK-Zellen generell nicht so viel Bedeutung beizumessen, wie es oft der Fall ist. Wie z. B. auch beim TSH-Wert finde ich eine übermäßige Pathologisierung nicht hilfreich.