Hysteroskopie vor IVF verbessert Schwangerschaftsraten

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Vor langer Zeit hatte ich hier einmal über eine Studie veröffentlicht, in der man zu dem Schluss kam, dass eine Biopsie (Gewebsentnahme) an der Gebärmutterschleimhaut in direkter zeitlicher Nähe zu einer künstlichen Befruchtung, deren Erfolgraten deutlich verbessern kann. Dies gilt insbesondere für Frauen, die bereits mehrere erfolglose Behandlungen hinter sich hatten.

Eine Erklärung dazu gab es nicht, lediglich einen statistischen Zusammenhang. Auch andere kleinere Studien gaben Hinweise darauf, dass die Verletzung der Gebämutterschleimhaut paradoxerweise ihre Aufnahmefähigkeit für Embryonen verbessern könnte. Beweisend war jedoch keine dieser Studien, wie Übersichtsarbeiten zeigten[1].

Nun ist eine Studie geplant, die in Zusammenarbeit mit mehreren Zentren (aus England und Belgien, wenn ich die Autoren richtig zuordne [2]) die diesen Sachverhalt genauer untersuchen soll.

Dabei werden Patientinnen mit IVF ohne Einnistung in der Vorgeschichte auf zwei Gruppen verteilt. In einer werden die Frauen einer Gebärmutterspiegelung im Zyklus vor der IVF unterzogen, in der Kontrollgruppe wird diese Operation nicht durchgeführt.

Dabei sollen die Lebendgeburtenraten pro begonnenem Zyklus aus wichtigster Parameter gelten, die Zahl der eingenisteten Embryonen und die Zahl der Fehlgeburten jedoch ebenfalls untersucht werden. Im Vorfeld wurde bereits errechnet, dass man für eine statistisch signifikante Aussage 758 Patientinnen in diese Studie aufnehmen muss, mit 379 Frauen in jeder Gruppe.

Ich hatte mich schon damals, als ich das erste Mal über diese Ergebnisse stolperte (übrigens im Kinderwunsch-Forum, wie heute auch wieder, ist ja nicht so, dass ich da nichts lerne) gewundert, dass weitere Ergebnisse und Erfahrungsberichte zu diesem Thema so spärlich gesät sind. Dies vor allem, da die Erstbeschreibung des nun untersuchten Phänomens bereits 6 Jahre zurückliegt [3]. Ich bin gespannt, was nun bei dieser Studie herauskommt, wenngleich aufgrund der hohen Patientenzahlen einige Geduld vonnöten ist.

[1] El-Toukhy T, Sunkara SK, Coomarasamy A, Grace J, Khalaf Y.
Outpatient hysteroscopy and subsequent IVF cycle outcome: a systematic review and meta-analysis.
Reprod Biomed Online. 2008 May;16(5):712-9.

[2] El-Toukhy T, Campo R, Sunkara SK, Khalaf Y, Coomarasamy A
A multi-centre randomised controlled study of pre-IVF outpatient hysteroscopy in women with recurrent IVF implantation failure: Trial of Outpatient Hysteroscopy – [TROPHY] in IVF.
Reprod Health. 2009 Dec 3;6(1):20.
[vollständiger Text]

[3] Barash A, Dekel N, Fieldust S, Segal I, Schechtman E, Granot I.
Local injury to the endometrium doubles the incidence of successful pregnancies in patients undergoing in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2003 Jun;79(6):1317-22.


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Kommentar

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21 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Jana schreibt

    Das stimmt! Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen: nach fünf negativen ICSIs und zwei negativen Kryos mit jedesmal TF von drei mindestens vollen Blastozysten (bin über 35 J., aus Österreich), wurde ich 14 Tage nach einer Gebärmutterspiegelung beim Eisprung vor der Downregulation zur 6. ICSI spontan schwanger. Die Einnistung meiner von den Biologen stets gelobten Eizellen hat eindlich einmal geklappt! Ich bin jetzt in der 20.SSW und alles sieht super aus (die DR hat offensichtlich nicht geschadet).
    Doch welche Konsequenz folgt für die Behandlungen daraus? Bei "hoffnungslosen" Fällen vor den ICSIs immer eine Gebärmutterspiegelung? Ist das nicht zu aufwendig? Und eigentlich dürfte das doch auch nur für Frauen mit guten Embryonen, aber Einnistungsstörungen gelten?

  2. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Hallo. In den USA wird routinemaessig vor einer IVF ein HSG gemacht (Roentgen mit Kontrastmittel). Nun weiss ich ja schon, dass das eine nicht ganz kleine Strahlenbelastung ist. Aufgrund einer Auffaelligkeit wurde dann eine Gebaermutterspiegelung gemacht. Ohne waere ich niemals schwanger geworden, denn es wurden viele kleine Polypen gefunden und entfernt, die auf dem Ultraschall nie sichtbar waren, mir aber seit Jahren Schmierblutungen vor der Regel bescherten, die stets als "normal" abgetan wurden. Daraufhin wurde ich im ersten Uebungszyklus spontan schwanger. Ich finde es schon wichtig, dass so etwas im Vorfeld einer aufwendigen und teuren und fuer die Frau sehr belastenden ICSI abgeklaert wird.

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Steffi: Dass man eine Hysteroskopie durchführen sollte, ist ohnehin klar. Nicht zwingend vor der ersten Behandlung, aber spätestens, wenn die Schwangerschaft ausbleibt. Das Thema hier ist, ob eine Hysteroskopie evtl. neben der diagnostischen Aussage auch einen direkten therapeutischen Effekt hat

  4. Elmar Breitbach
    Miezi schreibt

    Na das ist ja mal interessant!
    Ich hatte nämlich vor meiner 3. ICSI, von der ich nun in der 38. SSW schwanger bin, auch eine Gebärmutterspiegelung gleichzeitig mit Endo-Entfernung.
    Hmm, ob es da nun wirklich einen Zusammenhang gibt wird man wohl nie rausbekommen…aber könnte ja sein 😉

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Die alte Studie ist für mich zumindest Anlass gewesen immer mal wieder eine Hysteroskopie durchzuführen, wenn sie medizinisch indiziert war und dann zeitlich möglichst im Zyklus vor der eigentlichen Therapie. Zusammenhänge ausschließen kann man da sicherlich nicht

  6. Elmar Breitbach
    Tauchpüppchen schreibt

    @Doc in vielen Artikeln ist meist der Verweis auf IVF/ICSI, ich weiß nie ob das auch für einen Kryo-Versuch gilt oder halt nicht.
    Gibt es da evtl.eine Faustformel?

  7. Elmar Breitbach
    Floydine schreibt

    @Doc Gilt das auch noch, wenn zwischen der GS und der nächsten ICSI 1 Pillenzyklus liegt? *hoff*
    Floy

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Floydine und Tauchpüppchen: Diese Frage kann man nicht differnziert beantworten, jedoch glaube ich, dass das Prinzip auch bei Kryozyklen gelten müsste und vermutlich auch über einen Zyklus hinaus anhalten sollte. Aber das sind Vermutungen, wie das Ganze ja aktuell auf Vermutungen basiert

  9. Elmar Breitbach
    sunbaby schreibt

    Wurde bei mir gemacht, direkt im Zyklus vor Icsi…die Kleinen werden nun bald 1 Jahr alt…wer weiß:-))

  10. Elmar Breitbach
    BuPa schreibt

    wurde bei mir nach 2x ICSI, 1x IVF und 3x Kryo auch gemacht.
    Es kam in den Versuchen nie zu einer Einnistung. Im letzten Versuch nach der Biopsie bin ich nun nach einem Kryotransfer in der 20 SSW.
    LG aus Österreich!

  11. Elmar Breitbach
    Sonne 2010 schreibt

    Das ärgert mich so. Ich habe schon 5 erfolglose Versuche hinter mir.
    Und jedes mal nach dem misslungenem Versuch habe ich immer wegen Gebärmutterspiegelung gefragt, und jedes mal hieß es " es ist nicht nötig".

  12. Elmar Breitbach
    funnysunny schreibt

    Macht es denn nach einer erfolgreichen ICSI und erneutem Kinderwunsch auch Sinn vor einem erneuten Versuch eine Gebärmutterspiegelung zu machen, weil sich zB. auch nach der SS Myome o.Ä. gebildet haben könnten oder ist das eher unwahrscheinlich?

  13. Elmar Breitbach
    Dannina schreibt

    Und wie sieht es mit einer Laparoskopie aus? 😉 Hatte diesen Monat nämlich eine und wir wollen im Januar unseren Kryoversuch starten.

    Na, dann drücke ich mir ja zumindest doppelt die Daumen (und wenn’s nur der Glaub ist) *g*

  14. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Mir ist nun nicht klar und bitte um Erklärung:
    Hysteroskopie = Gebärmutterspiegelung = Bauchspiegelung (oder BS wie man ihn in Forum nennt)?
    Oder gibt es Unterschiede?

    Die erste bedeutet ja: Im Gebärmutter schauen.
    Wie invasiv (also mit Op)ist das?
    BS ist ja eine Op. an sich.

  15. Elmar Breitbach
    Donza schreibt

    Ach prima, diese Studie suchte ich gerade neulich!
    Ich wurde übrigens auch direkt nach einer GM-Spiegelung (mit Gewebeentnahme) durch IUI schwanger.

  16. Elmar Breitbach
    Evi schreibt

    Hallo,
    habe dazu auch eine Frage. Ich habe bereits Zwillinge die durch Icsi vor 12 Jahren entstanden sind. Nach einer FG mit anschl. Curettage in der 9.SSW möchte ich nun mit 38J. noch ein Kind. Leider waren die 3 Icsis mit Imsi neg. trotz guter Embryonen im Blastostadium. Ich habe noch 2 Blastos auf Eis und möchte aber vor dem Kryotransfer abklären, was ich noch untersuchen lassen könnte. Immu-Befund ist o.k. sonst. Blutwerte auch, mein Arzt meinte Hs wäre nicht notwendig, da ich ja schon schwanger war mit Einnistung. Meine Angst ist aber die, ob durch die Curettage evtl. Verwachsungen oder sonst. ist, das man am US nicht sieht. Die GMS ist nämlich immer schön aufgebaut. Was meinen Sie als Doktor. Soll ich auf eine HS bestehen? Bitte, bitte um Antwort. Ich will einfach nicht wieder ein Neg. kassieren nur weil in der GM vielleicht etwas nicht i.0. ist.
    Danke!!!
    lg Evi

  17. Elmar Breitbach
    barbalala schreibt

    hallo, vielleicht wird diese frage ja noch beantwortet. habe 2 negative EZ-spenden hinter mir, davor 1 ICSI und 3 kryozyklen negativ. 2007/08 je 1x FG (die letzte mit ausschabung). habe dieses jahr hysterosonografie gemacht und doc meinte hysteroskopie nicht nötig, da kein auffälliger befund. plane 3. EZSP. soll ich (44) nun unbedingt hysteroskopie machen lassen oder waren die negativs einfach zufall? würde eine antwort sehr schätzen! vielen dank!

  18. Elmar Breitbach
    sily schreibt

    Hallo Doc,
    was ist denn aus dieser Studie geworden?
    Gibt es zukunftsweisende Ergebnisse?

  19. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich sammle gerade Daten, wo es eher um die Gebärmutterschleimhautbiopsie geht als um die Gebärmutterspiegelung. Dauert noch ein wenig mit dem Artikel. Eine Gebärmutterspiegelung als solche sollte man spätestens nach 1-2 erfolglosen Zyklen durchführen, denn mit einem Ultrschall kann man viele Fehlbildungen nicht sicher ausschließen.

  20. Elmar Breitbach
    s.hippert schreibt

    hallo doc!

    wir haben vor 3 jahren mit inseminationen angefangen und sin letztes jahr auf die icsi umgestiegen.der erste icsi versuch war leider negativ.der erste kryo transfer positiv:-) leider hat in der 9ssw das herzchen nicht mehr geschlagen und ich wurde ausgeschabt.in den verschiedenen blutuntersuchungen wurde fest gestellt das ich heterozygot faktor v habe.da ich damals von meinem ersten freund normal schwanger wurde und auch eine fg hatte,wurde die untersuchung vorgezogen..
    letzte woche donnerstag hatte ich eine gebärmutterspiegelung. laut der ärztin wurde nichts auffälliges gefunden-das ergebnis vom gewebe bekomme ich am montag.
    mein arzt meinte,das ich im nächsten kryoversuch direkt mit heparin anfangen soll.welches heparin ist denn das beste?!ich habe angst,das ich noch mal mein baby verlieren würde-das würde ich nicht aushalten.kann ich denn sonst noch irgendwas tun,um schwanger zu werden oder wenn es geklappt hat,um die schwangerschaft zu halten?stimmt es,das nach einer gebärmutterspiegelung die chancen auf eine schwangerschaft höher sind?gilt das auch für einen kryoversuch? mitte nächsater woche würden wir wieder starten:-)

    bei meiner letzten schwangerschaft hatte ich auch ein beschäftigungsverbot.. ich würde mich sehr freuen wenn sie mir schnell antworten würden.

  21. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Das wäre ja mal eine schöne Frage für’s Forum gewesen.

    Die Marke des Heparins ist ziemlich wurscht, hauptsache es ist niedermolkulares, das weiß aber auch Ihr Frauenarzt.

    Die Chancen sinken durch die Hysteroskopie jedenfalls nicht. Ob frisch oder Kryo.