Hunderte von Embryonen gehen verloren


kaputtes_ei_470.jpgFallengelassene Petrischalen, versehentlich weggeworfene Proben, Stromausfälle der Brutschränke: das sind die häufigsten Ursachen für den Verlust von Embryonen.

Diese Horrorszenarien treten selten ein, jedoch wurden aus England über mehr als 500 solcher Ereignisse seit dem Jahr 2003 berichtet. Dabei war ein starker Anstieg in den letzten Jahren zu verzeichnen: 2006 und 2007 wurden über 224 solcher Vorfälle aus Kliniken in England und Wales gemeldet, wie die britische Regierung in der letzten Woche berichtete.

Gesundheitsminister Dawn Primarolo wies jedoch darauf hin, das der Anstieg dieser Zwischenfälle auf ein neues und verbessertes Meldesystem zurückzuführen sei.

Die Reproduktionsmedizinerin Dr. Gillian Lockwood erklärte, dass menschliche Fehler nie völlig ausgeschlossen werden könnten, wenngleich die Folgen im Einzelfall natürlich tragisch seien. „Hochqualifizierte Experten behandeln Eizellen, die kleiner als eine Nadelspitze sind und injizieren einzelne Spermien mit Nadeln, deren Durchmesser ein Zehntel eines menschlichen Haars beträgt. Ein solches Szenario macht es unmöglich, technische Fehler vollständig zu vermeiden.“

Für die Paare ist es schon schlimm genug, sich einer Behandlung unterziehen zu müssen, die nur in einem Drittel der Fälle erfolgreich ist. Dies zu akzeptieren sei bereits sehr schwierig, dass es dann aber zusätzlich auch noch zu vermeidbaren Fehlern kommen kann (wie überall in der Medizin) übersteigt gerade in der Reproduktionsmedizin die Leidensfähigkeit betroffener Paare. Wobei Lockwood auch darauf hinweist, dass es natürlich auch für die beteiligten Labormitarbeiter extrem schwierig ist, mit einer solchen Situation klarzukommen.

Die englische Regulierungsbehörde „Human Fertilisation and Embryology Authority“ teilt dazu mit, sie erwartete, dass die Kosten für einen weiteren Behandlungszyklus von der Kinderwunschklinik übernommen werden, wenn es zu einem vollständigen Verlust der Embryonen kommt. Die Kliniken seien angehalten, die Arbeitsbedingungen in den Labors so zu gestalten, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse möglichst gering gehalten wird, wobei hier optimale räumliche Voraussetzungen im Vordergrund stehen.

Im deutschsprachigen Raum gibt es solche zentralen Statistiken nicht, es ist jedoch davon auszugehen, dass auch hier Vorfälle dieser Art vorkommen.

Via: Telegraph


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16 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Daniela schreibt

    Und ich frage mich, ob solche Fehler dann nicht teilweise als "Nullbefruchtung" verkauft werden, um sich aus der Verantwortung zu stehlen? Nicht, dass jede Nullbefruchtung auf einen Laborfehler zurückzuführen wäre, das glaub ich absolut nicht, aber so eine Aussage ist doch einfacher, als den eigenen Fehler zu gestehen und dann auch die Konsequenzen zu tragen. Oder?

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Also, sowas habe ich ja noch nie gehört bzw. gelesen. Und wenn das in England passiert, warum dann nicht auch in Deutschland?

    Da ich ja seit Jahren hier in den Foren viel lesen und noch kein einziges Mal davon gelesen habe, dass sowas vorgekommen ist, schließe ich mich der Vermutung von Daniela an.

    He, und in so einem Fall müsste das Paar die Kosten erstattet bekommen, was aber auch anscheinend noch nie der Fall war.

    Was können wir tun, damit sich das zukünftig ändert?

  3. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Bevor nun reihenweise Verdächtigungen ausgesprochen werden einmal etwas Statistik: in 5% aller IVF-Behandlungen bleibt die Befruchtung der Eizellen aus.

    Was nicht wenig ist. Und daher grundsätzlich erst einmal ein recht normales Ereignis, was nicht damit erklärt werden kann, dass bei jeder 20. IVF jemand mit den Petrischalen gegen die Wand läuft.

    Und in Fällen, wo man nur 1-3 Eizellen hat, ist selbst mit der ICSI ein komplettes Ausbleiben der Befruchtung aufgrund der geringen Zahl nicht selten.

    Womit ich nicht sagen möchte, dass das was Daniela schreibt, nicht durchaus sein kann.

  4. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    Die lassen da Petrischalen mit KINDERN auf´n Boden falle *grmml*

    Mensch, mit Menschen kann man doch etwas vorsichtiger umgehen….etwa so vorsichtig, wie mit der Tasse Kaffee und der Zigarette in der Pause *grmml*….

  5. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    Ich vermute eher, dass einem dann Null Embryos transferiert werden. Ich jedenfalls habe in meinem ganzen KiWudasein nur einmal ins Mikroskop gucken dürfen, weil die Ärztin noch mal kurz raus musste. Ansonsten hab ich NIE gesehen, was mir da angeblich transferiert wurde.

  6. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    Na DAS wäre ja noch schöner, alle sprechen von wunderbaren Embryonen, und Du bekommst nur Trägerflüssigkeit 🙁

    Möglich ist aber alles, und wenn man bedenkt, dass es urplötzlich doch ging… ist es schon merkwürdig, oder?

  7. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    14x mal Trägerflüssigkeit und mit Embryonen gings dann plötzlich 😉

    Der Artikel sollte nun kein Aufhänger sein für paranoide Gedankengänge. Schlimm genug, dass es passieren kann.

  8. Elmar Breitbach
    Nella schreibt

    Vielleicht bin ich naiv. Aber ich geh doch davon aus, dass sich alle größtmögliche Mühe geben und nicht leichtfertig mit Embryonen umgehen. Und auch ehrlich sind, wenn was schief geht.
    Perfekt ist natürlich niemand.
    Nella

  9. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    Ich gebe nur zu bedenken, dass ich damals zum Transfer (Kryo) von Dreien angetreten war und mir bis zum Entblößen des Unterleibes niemand was anderes sagte und als ich dann eben mit nacktem Popo noch mal vom Stuhl kletterte um ins Mikroskop zu gucken, da sah ich nur ein kümmerlichen C-Embryo, deutlich fragmentiert. Ich war erschrocken und die Biologin war etwas verlegen. Keine Ahnung, ob ich das je erfahren hätte.

  10. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich würde ja auch nicht mutmaßen, dass soweas andauernd passiert oder gar, dass das bei "Null Befruchtung" wahrscheinlich die Ursache wäre. Ich wundere mich nur, warum ich das echt noch NIE gelesen habe. Hat hier EINER von euch das schon EINMAL als Nachricht gelesen: "Leider konnte bei mir heute kein Transfer stattfinden, weil meine Embryonen durch ein technisches Problem gestorben sind. Ich bekomme aber meine Kosten erstattet." ???

  11. Elmar Breitbach
    Nella schreibt

    Miez, das stimmt, da wär ich dann wohl auch skeptisch. Ob das Team so ehrlich gewesen wäre, Dir zu sagen, dass es nur ein Embryo ist?
    Ich denk halt nur, dass die Biologen und Ärzte mit den Petrischalen nicht wie mit ner Kaffeetasse umgehen. Warum wir hier nie von solchen Verlusten lesen, macht natürlich stutzig. Auch wahr.
    Nella

  12. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    glaube es ist wie in jedem anderen beruf auch: shit happens 🙁
    meine gerade erst gelesen zu haben, dass es bestrebungen im gesundheitssystem seitens der mediziner/medizinischer berufe gibt mit fehlern ähnlicher art offener umzugehen. das stellt natürlich zuerst mal ein paar hierachien in frage…….fände ich nicht verkehrt.

    wenn einer mein EZs umgemeiert hätte oder kryos falsch aufgetaut etc…ich hätte es zumindest wissen wollen. und unter dem aspekt der heutigen finanzierung ist das auch nicht ganz ohne.

  13. Elmar Breitbach
    Nadine Mevius schreibt

    Hallo, hatte auch gerade eine Nullberfruchtung, obwohl alles Werte top waren.
    Wann kann ich eigentlich noch einmal mit dem ganzen Prozedere beginnen?
    Spritzen, Punktion usw?

  14. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Nadine Mevius: Das tut mir leid. Aber wann es weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab, die nur Ihr Arzt kennt, so dass Sie diesen fragen sollten

  15. Elmar Breitbach
    Franke schreibt

    Ich wollte gerne ihre Einschätzung haben Dr. Breitbach.
    Ich hatte einen TF. Bei mir kommt man schlecht an die Gebärmutter (geknickt), der Arzt hat ewig gebraucht (wie immer alle Ärzte) wollte die Embryonen einsetzen. Kam immer noch nicht ideal hin (bis in die Gebärmutter, aber letzte knick ist immer das Problem). Hat den Katheter mit Embryonen zurückgegeben. Weiter gemacht. Irgendwann wieder "perfekt" drin gewesen. Nach dem Katheter gefragt und die Labordame meinte, der ist doch leer. Der Arzt hat ganz schön entsetzt gekuckt. Keiner kann mir sagen wo sie hin sind. Zuerst meinte der Arzt er geht davon aus, dass es nichts wird, dann am Ende doch optimistisch, dass sie in der Gebärmutter sind… naja, was ich mir denke, können sie sich sicher denken.
    Bestehen überhaupt minimale Chancen, dass sie in der Gebärmutter gelandet sind? Die spritze gedrückt hat er nicht. Zumindest nicht bewusst.

  16. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Auch nach der ausführlichen Beschreibung des Szenarios kann ich Ihnen Ihre Frage auch nicht beantworten. Es ist manchmal mühsam, in die Gebärmutter zu gelangen ist das einzige, was ich dazu sagen kann. Und: Dass Sie solche Frage bitte im Forum stellen, denn hier sollten nur Fragen und Anmerkungen zum jeweiligen Artikel erfolgen.