Höhe und Struktur der Gebärmutterschleimhaut: Beides wichtig


Anlässlich des gestrigen und eher anekdotisch zu sehenden Artikels über die Behandlung zu niedriger Schleimhaut mit Viagra ist mir nun noch ein weiterer aktueller Artikel untergekommen, in dem es deutlich wissenschaftlicher um den Einfluss der Schleimhautbeschaffenheit auf den Erfolg einer künstlichen Befruchtung geht.

Zwei Parameter wurden dabei untersucht. Zum einen die Darstellung der Gebärmutterschleimhaut im Ultraschall. Dass die gute Abgrenzung der Schleimhaut“blätter“ voneinander ein wichtiger Faktor zu sein scheint, wurde immer wieder nachgewiesen, am ausführlichsten in einer Studie aus dem Jahre 2005, aus deren Ergebnissen sogar die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass die Höhe der Schleimhaut nicht von Bedeutung ist, sondern lediglich die richtige Struktur im Ultraschall, wie man sie auf dem Bild gut erkennen kann.

Dass dies jedoch nicht die ganze Wahrheit sein kann, ist anderen Studien zu entnehmen, die einen sehr engen Zusammenhang zwischen der Höhe des Schleimhaut und der Schwangerschaftsrate herstellen konnten.

Sind die sonstigen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft gut bis sehr gut, dann ist jedoch auch eine ordentliche Erfolgsrate unterhalb der magischen Grenze von 7 Millimetern zu erreichen, wie eine türkische Arbeit zeigen konnte.

Mit einer sehr viel höheren Fallzahl geht eine aktuell Studie ins Rennen und beurteilt dabei die Höhe und auch die Struktur des Endometriums im Ultraschall. In 2.896 wurde der Aufbau der Schleimhaut vermessen und die Beschaffenheit in „triple-line“ und „no-triple-line“ unterschieden. Dieses „triple-line“ bedeutet die Erkennbarkeit der drei Linien, welche die Schleimhaut gegeneinander und von der Muskelwand der Gebärmutter abgrenzt, wie man es in dem Bild gut erkennen kann.

Die Autoren der Studie teilten Gruppen ein:

1: Schleimhauthöhe kleiner oder gleich 7mm
mit (1A) oder ohne (1B) „triple-line-pattern“

2: Schleimhauthöhe 7-14mm, analog zu 1 mit A + B

3: Schleimhauthöhe >14mm, analog zu 1 mit A + B

Immerhin 24,4% der Behandlungszyklen in der Gruppe 1A endeten mit einer sogenannten klinischen Schwangerschaft, während in der Gruppe 1B keine fortlaufenden Schwangerschaften auftraten.

Die Schwangerschaftsraten in den Gruppen 2A + 2B waren identisch, die Einnistung also zunächst nicht gestört, was bei der Höhe der Schleimhaut ja auch nicht zu erwarten war. Jedoch zeigte sich in der Gruppe 2B eine deutlich erhöhte Zahl an Fehlgeburten. Die „no-triple-line-pattern“ hatte also offenbar einen negativen Einfluss auf den Fortgag einer Schwangerschaft.

War das Endometrium höher als 14 Millimeter gab es weder bei der Schwangerschaftsrate noch bei dem Anteil der Fehlgeburten einen Unterschied zwischen den Gruppen 3A und 3B.

Insgesamt ergab sich in dieser Studie ein kontinuierlicher Anstieg der Erfolgsraten in Abhängigkeit vom Aufbau der Schleimhaut, der jedoch statistisch nicht signifikant war.

Der Einfluss der sonographischen Struktur ist den Ergebnissen dieser Studie zufolge lediglich im Hinblick auf den Verlauf der Schwangerschaft von Bedeutung, während eine signifikante Korrelation mit dem Eintritt einer Schwangerschaft nicht besteht. Dies widerspricht eigenen Erfahrungen und auch anderen Studien und daraus muss nun jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Der Zusammenhang zwischen der Fehlgeburtsrate und der Struktur ist jedoch nachvollziehbar und verdient womöglich mehr Beachtung, denn es besteht bei schlechten Schleimhautverhältnissen ja immer auch die Möglichkeit, die Eizellen einzufrieren und zu einem günstigeren Zeitpunkt zu transferieren.

Shi-Ling ChenFang-Rong WuChen LuoXin ChenXiao-Yun ShiHai-Yan ZhengYun-Ping Ni
Combined analysis of endometrial thickness and pattern in predicting outcome of in vitro fertilization and embryo transfer: a retrospective cohort study
Reproductive Biology and Endocrinology 2010, 8:30


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    Tonihase schreibt

    Für mich evtl. auch interessant, da ich nach meinem Sohn nun schon 3 FGs hatte – Einnisten funktioniert also aber das SS-bleiben nicht so recht. Werde meine FA mal bitten zu schauen, wie meine GMSH aufgebaut ist. was könnte man denn für eine Verbesserung tun? Vor meinem Sohn damals war sie auch recht dünn (8-9mm) und da habe ich dann Himbeerblättertee getrunken – dann war ich SS – ob’s daran lag? Wer weiß?