Hatching: Bei wiederholt erfolgloser IVF und Kryo von Vorteil

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Bei dem sogenannten Assisted Hatching wird die Eizellhülle vor dem Transfer der Embryonen angeritzt, um deren Schlüpfen aus der Hülle und damit die Einnistung zu verbessern. Grundsätzlich eine gute Idee, jedoch gibt es bisher nur unzureichende Nachweise für die Effektivität dieser Maßnahme.

Vor einiger Zeit hatte ich hier die Ergebnisse der Cochrane Database zu Hatching hier vorgestellt und darüber hinaus hier eine sehr ausführliche Übersicht der Studienlage.

Zusammenfassend fanden sich bei den Studien Hinweise darauf, dass das Hatching häufiger zu Schwangerschaften führt, jedoch die Zahl an Lebendgeburten nicht erhöht. Untergruppen von Patienten, die möglicherweise stärker von dieser Methode profitieren, ließen sich nicht festlegen. Einer aktuellen Studie zufolge scheint dies nun jedoch gelungen zu sein.

In einer Analyse der Literatur zum Thema Assisted Hatching untersuchten brasilianische Wissenschaftler den Einfluss der Methode in vier Untergruppen:

  1. Bei unselektierten Patienten (also als Standard bei allen Patienten)
  2. Bei Patienten mit wiederholter IVF oder ICSI ohne Erfolg
  3. Bei „älteren“ Frauen
  4. In Zyklen mit Transfer von zuvor eingefrorenen Embryonen

Die Ergebnisse von 28 Studien mit über 5.500 Patienten konnten ausgewertet werden. Eine statistisch signifikanter Anstieg der klinischen klinischen Schwangerschaftsraten fand sich in der zweiten Gruppe (Anstieg um Faktor 1,7) und den Behandlungszyklen der Gruppe 4 mit den kryokonservierten Embryonen (Faktor 1.4).

Eine Aussage im Hinblick auf Fehlgeburten oder die Lebendgeburtenrate konnte aufgrund der geringen Fallzahl nicht gemacht werden. Zusammenfassend berichten die Autoren der Studie, dass es nicht zielführend zu sein scheint, das Hatching unselektiert bei allen Paaren durchzuführen, sondern diese Maßnahme auf jene zu beschränken, die wiederholt trotz guter Voraussetzungen nicht schwanger wurden und auf Zyklen, in denen zuvor eingefrorene Embryonen verwendet werden. Diese Aussage sind verglichen mit den älteren Übersichtsarbeiten nicht neu. Interessant ist die Tatsache, dass die Gruppe der Frauen > 35 bei dieser Untersuchung im Gegensatz zu anderen Studien nicht vom Hatching profitierten.

Martins WP, Rocha IA, Ferriani RA, Nastri CO.
Assisted hatching of human embryos: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
Hum Reprod Update. 2011


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    huhu, mal was anderes: das forum funzt nicht – oder??? Mi, 10:23

  2. Elmar Breitbach
    Die Nordicas schreibt

    Und trotzdem gibt es Ärzte, die diese Methode als Geldschneiderei ablehnen und im Zentrum stur ihr Standardprogramm durchfahren, auch bei wiederholter Erfolglosigkeit und im Kryo-Zyklus. Wir haben aus diesem Grund gewechselt.

  3. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Leider kann ich damit wieder nichts anfangen, wenn es um eine Entscheidung geht, ob ich das mache oder nicht, weil das Entscheidende wieder fehlt: Der Nachweis einer Steigerung der Lebendgeburtenrate. Wieso konnte da wegen der geringen Fallzahl nichts dazu gesagt werden, aber zur ss-Rate schon? Und 5500 sind doch gar nicht so wenige…
    Sie erwähnten schon, dass die früheren Studien eventuell vermuten lassen, dass mit dem AH Embryonen zum Schlüpfen verholfen wird, die nicht dauerhaft lebensfähig sind – das hilft ja nicht weiter.

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ raise: Da es mehr Schwangerschaften als Lebendgeburten gibt, ist die Zahl höher und damit die statistische Signifikanz leichter zu erreichen. das ist ja eigentlich recht simpel. Und 5.500 ist die Zahl der Behandlungen insgesamt. Die Zahl der Schwangerschaften ist natürlich niedriger. Es tut mir leid, wenn es Ihnen nicht hilft, aber ich kann die Studie nur so vorstellen, wie die Autoren sie geschrieben haben.

  5. Elmar Breitbach
    Sporky schreibt

    Bei unserem dritten Versuch, wurde auch Hatching gemacht und meine Frau wurde mit unseren bald 2jährigen Söhnen schwanger. Ob es im Endeffekt wirklich zusätzlich eine Hilfe war, wissen wir dennoch nicht.

  6. […] Jeder mag aus dieser Datenlage seine eigenen Schlüsse ziehen, denn für eine griffige Gesamtaussage sind die Ergebnisse zu heterogen. Recht sicher scheint das erhöhte Mehrlingsrisiko zu sein. Die früher berichteten Hinweise auf Vorteile bei älteren Patienten lassen sich nicht mehr bestätigen. Beim Kryotransfer wird der Nachweis der positiven Auswirkungen schwierig – ebenso wie bei den Einnistungsstörungen. Für die letzten beiden Indikationen gab es jedoch in einer Übersichtsarbeit aus 2011 (28 Studien und mehr als 5.500 Fälle) Hinweise auf einen positiven Effekt. […]