Assisted Hatching: Kein Vorteil bei Frauen unter 38 Jahren


Assisted Hatching ist eine Methode, von der man sich eine Verbesserung der Einnistung im Rahmen der künstlichen Befruchtung erhofft. Und hoffen ist angesichts der Studien zu diesem Thema leider notwendig, wie es aussieht.

Was ist Assisted Hatching?

Die ersten Zellteilungen eines Embryos nach der Befruchtung finden in der Eizellhülle statt. Um sich dann einnisten zu können, muss sich der Embryo von dieser Hülle befreien, also daraus herausschlüpfen (=hatching). Nun ist die Idee, dass eine zu dicke oder rigide Eizellhülle (oder genauer später dann Embryonenhülle) das Schlüpfen des Embryos verhindert und damit dann auch die darauf folgende Einnistung.

assisted hatchingIm Prinzip eine hervorragende Idee ist es daher, die Hülle anzuritzen und somit eine Sollbruchstelle zu erzeugen, die dem Embryo das Einnisten erleichtert. Mehr dazu in unserem Artikel des Theorie-Teils dieser Seite.

Aktueller Stand der Forschung

Es gibt zahlreiche Studien zu diesem Thema, die ich auch in einem Übersichtsartikel hier zusammenfasste. Die Ergebnisse der Studien sind verwirrend und widersprechen sich zum Teil. Eine umfassende Analyse der bisher vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen in der sogenannten Cochrane Database ließen nicht den Schluss zu, dass das Hatching aktuell uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Aktuelle Studie zeigt Altersgrenze

Wirklich Licht in die unklare Datenlage wird man vermutlich nie bringen können. Aber dennoch kann man anhand der Studien bestimmte Gruppen eingrenzen, die vom Hatching evtl. profitieren könnten. Kurz gefasst sind dies:

  • ältere Frauen
  • Beim Transfer mit kryokonservierten Embryonen
  • Nach wiederholten Fehlversuchen
  • Bei Eizellen mit einer überdurchschnittlich verdickten Eizellhülle

In einer kürzlich erschienen Studie wurde nun untersucht, ob das Assisted Hatching für Frauen von Vorteil ist, die jünger als 38 Jahre alt sind und deren Eizellhüllen verdickt sind ( ≥13 µm). Das Studiendesign war doppelblind, randomisiert und kontrolliert (Was heißt das?). Dazu wurden 121 Frauen in die Studie aufgenommen, die jünger als 38 Jahre alt waren und deren Eizellen eine entsprechende Dicke aufwiesen.

Diese Frauen wurden während der Behandlung in zwei Gruppen aufgeteilt und nur in der Behandlungsgruppe erfolgte die „Schlüpfhilfe“ unter Verwendung von Enzymen, die die Eizellehülle andauen und damit verdünnen. Die Ergebnisse waren eindeutig. Es fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich:

Ein ziemlich eindeutiges Ergebnis also. Nicht generell gegen die Anwendung des Assisted Hatching jedoch, sondern lediglich bei jüngeren Frauen, deren Eizellhüllen eine Dicke von ≥13 µm aufweisen.

Kritikpunkt: Die Zahl der in die Studie aufgenommen Probanden ist gering, möglicherweise hätte eine größere Zahl zu anderen Ergebnissen geführt, was bei diesem Studiendesign jedoch erfahrungsgemäß sehr mühsam ist, hatten die Ärzte doch bereits für diese Studie 3 Jahre lang Patienten zusammensuchen müssen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Methode des Hatchings. In den Händen eines erfahrenen Biologen ist die enzymatische Andauung der Eizellhülle sicherlich ein brauchbares Verfahren, jedoch ist das Hatching unter Verwendung eines Lasers gebräuchlicher und in Studien besser einsetzbar, da weniger unterschiedliche Variablen das Ergebnis verfälschen können (Einwirkzeit etc.)

Zumindest ergeben sich aus dieser Studie keine neuen Aspekte, die für den Einsatz des Hatchings bei dieser Indikation (that other centers throughout the world will take note of these findings and also change their practices.“

Hagemann AR, Lanzendorf SE, Jungheim ES, Chang AS, Ratts VS, Odem RR
A prospective, randomized, double-blinded study of assisted hatching in women younger than 38 years undergoing in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2009 Mar 5. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    simba schreibt

    ich denke das assisted hatching frauen unter 38 jahren sehr wohl einen grossen vorteil bietet. statistik hin oder her, ich habe nach 5 erfolglosen ET ohne hatching, in einem neuen zentrum endlich das hatching bekommen und bin prompt schwanger geworden. alle frauen welche in den jahren kennengelernt habe sind letztendlich auch nur unter AH schwanger geworden.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @simba: Das ist eben der Vorteil der Statistik: Individuelle Betrachtungen werden objektiviert und dann leider auch oft widerlegt. Sie kennen nur Frauen, die AH bekommen haben, wenn Sie schwanger wurden. Gehen Sie mal diejenigen durch, die zeitgleich AH bekommen haben und nicht schwanger wurden. Und dann versuchen Sie mal eine kausalität herzustellen.