Haare färben bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

Strähnchen und Haarefärben bei Kinderwunsch: Gibt es Risiken?

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Ob Haare Färben oder Dauerwellen in der Schwangerschaft oder zum Zeitpunkt einer möglichen Schwangerschaft “erlaubt sind”, verunsichert viele Frauen mit Kinderwunsch. Lesen Sie hier, welche Mittel in der Schwangerschaft und Kinderwunschzeit für Strähnchen und Co. erlaubt sind.

Aufnahme von Farbstoffen über Haarwurzeln und Kopfhaut?

Es wird oft darauf hingewiesen, dass bei Schwangerschaft, in der Stillzeit, aber auch bei Kinderwunsch auf das Färben von Haaren verzichtet werden sollte. Man geht davon aus, die Farbe wird über die Kopfhaut und die Haarwurzeln aufgenommen. So könnte es theoretisch ins Blut der Frau gelangen und sogar in die Milch der stillenden Mutter. Studien, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, können jedoch keine Klarheit schaffen und zeigen im Wesentlichen keine Gefahren auf. Leider gibt es nur wenige Untersuchungen dieser Art, so dass eine abschließende Entwarnung nicht möglich ist.

Eigentlich kann es nur der Friseur wissen

Denn dieser sollte schon wissen, ob die Inhaltsstoffe in den verwendeten Mitteln für das Haare färben gefährlich für eine Schwangerschaft sind. Dazu gibt es dann auch eine Stellungnahme des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks:

Die Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln und Dauerwellflüssigkeit stellen keine gesundheitliche Gefährdung für eine werdende Mutter und/oder das ungeborene Kind dar. Zudem sind Haarfärbemittel und Dauerwellflüssigkeiten nach der Kosmetikverordnung nach vorausgegangener strenger wissenschaftlicher Evaluierung durch das wissenschaftliche Komitee in Brüssel und das BG bzw. BGVV ausdrücklich zugelassen worden. Aus den vorgelegten Studien zur Embryotoxizität haben sich keinerlei Hinweise auf irgendwelche fruchtschädigende Wirkungen ergeben.“

Die Substanzen sind auch arbeitsmedizinisch untersucht worden, da es ja auch schwangere Friseurinnen gibt, die dann ggf. entsprechend geschützt werden müssten. Die verwendeten Substanzen wurden jedoch diesbezüglich in der Gefahrenstoffverordnung als unbedenklich eingestuft.

Der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel e.V. gibt an, dass auch bei intensiver Verwendung von Dauerwellenflüssigkeit und häufigem Haare färben der festgesetzte MAK-Wert in einem Friseursalon nicht erreicht wird (Studie «Ermittlung der Atemwegsbelastungen durch luftfremde Stoffe an Friseurarbeitsplätzen» vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BIA, Bericht Nr.: 36/199920117))
Es besteht daher auch keine entsprechende Kennzeichnungspflicht für die verwendeten Substanzen.

Risiko für Friseurinnen möglicherweise vorhanden

Eine Übersichtsstudie1)Kim D, Kang MY, Choi S, Park J, Lee HJ, Kim EA
Reproductive disorders among cosmetologists and hairdressers: a meta-analysis.
Int Arch Occup Environ Health. 2016 Jul;89(5):739-53
fasste die Ergebnisse von 19 wissenschaftliche Publikationen zusammen, die sich mit Fruchtbarkeitsstörungen bei Kosmetikerinnen und Friseurinnen beschäftigten. Die zusammenfassende Aussage der Studien ist für diesen Berufsstand durchaus ernüchternd und widerspricht den Aussagen ihres Berufsverbands: Im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung scheint die individuelle Fruchtbarkeit dieser Berufsgruppe signifikant vermindert zu sein.

Sicherlich sind die Vorgaben der Arbeitssicherheit in vielen Ländern schlechter als in Europa, aber es zeigt, dass ein Risiko bestehen kann, wenn man nicht sorgfältig arbeitet. Beruhigend wird sein, dass eine Studie aus dem Jahr 2006 aus Dänemark 2)K.S. Hougaard , H. Hannerz , J.P. Bonde , H. Feveile , and H. Burr
The risk of infertility among hairdressers. Five-year follow-up of female hairdressers in a Danish national registry
Hum. Reprod. 21: 3122-3126
 die Fruchtbarkeit von Frisörinnen untersuchte, keinen Hinweis auf negative Auswirkungen zeigte.

Potentiell kann es für diese Berufsgruppe ein Problem sein, aber unter Verwendung unproblematischer Inhaltsstoffe und Beachtung der Arbeitsvorschriften kann man offenbar auch hier entwarnen.

Chemische Haarfärbemittel

Chemische Haarfärbemittel – so genannte Oxidationshaarfarben – enthalten oft (auf der Packung ausgewiesen) aromatische Amine wie P-Phenylendiamin (PPD). Theoretisch kann PPD Allergien auslösen und sogar das Erbgut schädigen3)Marks T A, Gupta B N, Ledoux T A, Staples R E.
Teratogenic evaluation of 4-nitro-p-phenylenediamine, 4-nitro-o-phenlyenediamine and 2,5-toluenediamine sulfate in the mouse.
Teratology . 1981; 24 253-265
. Daher gibt es in Deutschland strenge Richtlinien zur Verwendung von PPD: Es dürfen nur Konzentrationen bis zu zwei Prozent eingesetzt werden und in Verbindung mit so genannte „Kupplersubstanzen“, die das Allergierisiko senken. Unter diesen Voraussetzungen sind Haarfärbemittel mit PPD gesundheitlich unbedenklich.

Haare tönen

Leider ist die reine Tönung für viele Frauen kosmetisch nicht ausreichend. Der Vorteil jedoch: In der Schwangerschaft sind Tönungen unbedenklich. Die Farbe durchdringt das Haar nicht, sondern legt sich nur der Struktur an und wird auch nicht in den Körper aufgenommen. Naturfarben sind nicht immer unbedenklich. Sie sollten aus kontrolliertem Anbau stammen, ohne Verwendung von Pestiziden. Gleiches gilt beispielsweise auch für Henna.

Wissenschaftliche Studien

Möglicherweise aufgrund der Tatsache, dass sie die verwendeten Substanzen nicht kennen und weil man im Zweifel immer lieber zur Vorsicht rät, wird von den Frauenärzten meist von Dauerwellen und Haare färben abgeraten. Dieser Rat ist jedoch wissenschaftlich nicht begründbar. Man würde sich zwar bessere Studien zu dem Thema wünschen, aber die vorhandenen geben durchaus Anlass zur Entwarnung.

In Tierversuchen4)DiNardo J C, Picciano J C, Schnetzinger R W.
Teratologic assessment of five oxidative hair dyes in the rat.
Toxicol Appl Pharmacol . 1985; 78 163-166
sind alle relevanten Substanzen bereits gründlich untersucht worden – zum Teil mit absurd hohen Konzentrationen. Der Nachwuchs zeigte erst ab Dosierungen, die bereits tödlich für die Mutter waren, Fehlbildungen. Studien an Menschen gibt es nur als Nachbetrachtungen (Vergleich Frisörinnen mit Frauen ohne Haarfärbung und Frauen mit Haarfärbung verglichen mit Frauen ohne) und zeigten keine Unterschiede.

Trotz dieser beruhigenden Studien: Es zwar keine verlässlichen Zahlen, die einen negativen Einfluss dieser Substanzen in der sehr empfindlichen Frühschwangerschaft 100%ig ausschließen.  Daher wird zumindest in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten meist zur Vorsicht geraten 5)Wernick U, Lanman B M, Fraux J L.
Chronic toxicity, teratologic, and reproductive studies with hair dyes.
Toxicol Appl Pharmacol . 1975; 32 450-460
. Die Haare zu tönen sollte aufgrund der verwendeten Substanzen keinen Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf haben.

Weitere mögliche Risiken

Vor allem bei beruflicher Exposition mit Haarfärbemitteln kommt es häufiger zu einer allergischen aber räumlich begrenzten Reaktion der Haut (Kontaktdermatitis). Auch bei den Kunden eines Friseurs kann dies (wesentlich seltener) der Fall sein. Diskutiert wurde auch der Zusammenhang mit gehäuftem Auftreten bösartiger Tumore6)Tzonou A, Polychronopoulou A, Hsieh CC, Rebelakos A, Karakatsani A, Trichopoulos D.
Hair dyes, analgesics, tranquilizers and perineal talc application as risk factors for ovarian cancer.
Int J Cancer. 1993 Sep 30;55(3):408–10
7)Cook LS, Malone KE, Daling JR, Voigt LF, Weiss NS.
Hair product use and the risk of breast cancer in young women.
Cancer Causes Control. 1999 Dec;10(6):551–9
, jedoch konnte dies nicht bestätigt werden.

Was ist mit Blondieren und Dauerwellen?

Hier ist die Aggressivität der verwendeten Substanzen größer als bei der normalen Färbung. Wasserstoffperoxid, Ammoniak und auch Formaldehyd werden hier verwendet. In der Schwangerschaft ist davon abzuraten. Auch in Phasen einer möglichen Schwangerschaft, also der zweiten Zyklushälfte ist die Anwendung nicht ratsam.

Zusammenfassung Haare färben bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

  • Haare Färben kann man bei Kinderwunsch und selbst in der Schwangerschaft
  • Vorzugsweise sollten Tönungen zu Einsatz kommen
  • Bei Haarfärbemitteln sollte auf Qualität und Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen geachtet werden.
  • Naturfarben aus kontrolliertem Anbau
  • Wenn kosmetisch möglich: Nur den Haaransatz färben. Oder nur Strähnchen
  • Blondieren und Dauerwellen sind nicht ratsam

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Literatur   [ + ]

1. Kim D, Kang MY, Choi S, Park J, Lee HJ, Kim EA
Reproductive disorders among cosmetologists and hairdressers: a meta-analysis.
Int Arch Occup Environ Health. 2016 Jul;89(5):739-53
2. K.S. Hougaard , H. Hannerz , J.P. Bonde , H. Feveile , and H. Burr
The risk of infertility among hairdressers. Five-year follow-up of female hairdressers in a Danish national registry
Hum. Reprod. 21: 3122-3126
3. Marks T A, Gupta B N, Ledoux T A, Staples R E.
Teratogenic evaluation of 4-nitro-p-phenylenediamine, 4-nitro-o-phenlyenediamine and 2,5-toluenediamine sulfate in the mouse.
Teratology . 1981; 24 253-265
4. DiNardo J C, Picciano J C, Schnetzinger R W.
Teratologic assessment of five oxidative hair dyes in the rat.
Toxicol Appl Pharmacol . 1985; 78 163-166
5. Wernick U, Lanman B M, Fraux J L.
Chronic toxicity, teratologic, and reproductive studies with hair dyes.
Toxicol Appl Pharmacol . 1975; 32 450-460
6. Tzonou A, Polychronopoulou A, Hsieh CC, Rebelakos A, Karakatsani A, Trichopoulos D.
Hair dyes, analgesics, tranquilizers and perineal talc application as risk factors for ovarian cancer.
Int J Cancer. 1993 Sep 30;55(3):408–10
7. Cook LS, Malone KE, Daling JR, Voigt LF, Weiss NS.
Hair product use and the risk of breast cancer in young women.
Cancer Causes Control. 1999 Dec;10(6):551–9
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Kommentar

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12 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Li Ripa schreibt

    Kann nur von mir reden, hab in allen drei Schwangerschaften gefärbt oder getönt und den Kindern geht es blendend 😉

  2. Elmar Breitbach
    siesn schreibt

    Hallo Dr. Breitbach,
    macht es denn beim Blondieren einen Unterschied ob man direkt am Haaransatz (also Kopfhaut) anfängt oder z.B. 2-3cm Abstand hält? Kommt es auf den direkten Kontakt mit der Kopfhaut an oder reicht auch ein geringer Abstand aus? Weiß man da etwas darüber?

    Vielen herzlichen Dank!

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Wissen ist zuviel gesagt. Oft wird aber auch darauf hingewiesen, dass Strähnchen deswegen weniger problematisch sind, weil sie nicht direkt an der Kopfhaut ansetzen. Studien dazu gibt es jedoch nicht, zumindest keine mir bekannten und ich habe die Literaturrecherche zu diesem Thema hier gerade aktualisiert

  4. Elmar Breitbach
    siesn schreibt

    Danke Dr. Breitbach!

  5. Elmar Breitbach
    Eibischteig Dauergast :-D schreibt

    Und wie ist das mit Henna? Man findet im Web Artikel, daß Lawson (die Substanz die im Henna enthalten ist) im Verdacht steht, reproduktionstoxisch oder erbgutschädigend zu sein? Wie bewerten Sie das lieber Doc? I

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Mir ist diesbezüglich noch keine Studie untergekommen. Was jedoch nicht bedeutet, dass nichts daran ist. Aber Henna wird in vielen Regionen ja nicht nur zum Haarefärben eingesetzt, sondern auch direkt auf die Haut aufgetragen. Und auch diesbezüglich fehlen mir belastbare Infos.

  7. Elmar Breitbach
    Eibischteig Dauergast :-D schreibt

    Hm…da haben Sie recht, in vielen Gegenden trägt man es ja auch direkt auf die Haut auf….
    Hm, ich würde mir sehr gerne die Haare mit Henna färben (leider kosmetisch nötig bei mir, war mit 25 Jahren schon schneeweiß tja). Kann ich das jetzt noch machen? Also mit Henna färben? Bin echt ratlos…ich kann mir ja nicht einen schneeweißen Ansatz rauswachsen lassen ;-( Das habe ich zB in Bezug auf Henna gefunden: http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=14166

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich kann da keine schlauen Infos liefern. Meine Einschätzung des Links und dessen, was ich da sonst noch so finde, ist aber eher skeptisch.

  9. Elmar Breitbach
    Eibischteig Dauergast :-D schreibt

    Lieber Doc,

    stehe mächtig auf der Leitung 😉
    Wenn Sie meinen, Ihre Einschätzung des Links ist kritisch, dann meinen Sie Haare färben mit Henna sollte ok sein, verstehe ich das richtig?
    (oder war es umgekehrt gemeint?)

    LG ET

  10. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich finde den Artikel nicht gut. Ab Henna deswegen gleich gut ist, weiß ich natürlich auch nicht.

  11. Elmar Breitbach
    Eibischteig schreibt

    Ok … wenn ich bei Ihnen Patientin wäre, würden Sie mir dann Henna bei KiWu oder in der (Früh)schwangerschaft erlauben? Oder würden Sie mir eher zu einer chemischen Tönung raten? LG ET

  12. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich würde sagen, was ich hier schon ein paar mal gesagt habe: Ich weiß es nicht.