Heilkräuter sind nicht ungefährlich

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Das kannst du ruhig nehmen, das ist ja ein Naturheilmittel“ ist eine häufige Antwort auf die Fragen nach Nebenwirkungen von Kräuterzubereitungen. Als Arzt kann man dem nur entgegenhalten: Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen

In der Fachzeitschrift „Fertility and Sterility“ veröffentlichen kalifornische Forscher unter Leitung des Gynäkologen Richard Ondrizek im März 1999 die Ergebnisse ihrer Experimente. Die Wissenschaftler brachten im Labor Eizellen und Spermien von Hamstern mit vier Naturarzneimittel zusammen.

In hohen Konzentrationen führten die Heilpflanzen Johanniskraut, Sonnenhut, Ginko und Sägepalme zu Schäden an Eizellen und schmälerten deren Fähigkeit, sich mit Spermien zu vereinigen. „Johanniskraut war außerdem in der Lage, die Erbinformation der Spermien zu verändern“, so Ondrizek. Der Forscher räumte allerdings ein, dass die Daten nur „vorläufig“ seien. Man könne noch nicht sagen, ob die Wirkstoffe beim Menschen ähnliche Folgen haben.

Außerdem ist bekannt, dass Johanniskraut die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen kann, wie es in Schweden in zwei Fällen nachgewiesen werden konnte.

Zu den beliebtesten Kräutlein in unserem Forum gibt es solche Berichte nicht. Mönchspfeffer ist nachhaltig wissenschaftlich untersucht und auch Himbeer– und Frauenmanteltee scheinen keine negative Auswirkungen auf den Hormonhaushalt zu besitzen, wobei hier aussagkräftige Studien fehlen.
Ondrizek RR, Chan PJ, Patton WC, King A
An alternative medicine study of herbal effects on the penetration of zona-free hamster oocytes and the integrity of sperm deoxyribonucleic acid.
Fertil Steril. 1999 Mar;71(3):517-22.


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Kommentar

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12 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Wenn mir einer hartnäckig erzählt "Das ist harmlos, ist rein pflanzlich!", dann greife ich auch gerne mal ins Küchenregal, halte meinem Gegenüber eine x-beliebige Schachtel unter die Nase und antworte "Oh, danke schön, und ich habe hier noch leckeren Schierlingstee. Soll ganz harmlos sein, der ist auch rein pflanzlich."

    Das überzeugt dann zumindest diejenigen, die die Geschichte von Sokrates kennen. *g*

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Dem ist natürlich entgegenzuhalten, dass Sokrates jetzt auch so tot wäre…

    Das ist also auch nicht evidenzbasiert 😀

  3. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Sie wollen es doch nicht etwa auf einen Feldversuch ankommen lassen, Doc? *g*

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    😉 Lieber nicht. Toxikologie ist nicht mein Fachgebiet

  5. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    hab hier ein shcönes buch "Giftpflanzen-Pflanzengifte" und kann von dieser art Selbstversuch nur abraten. Selbst Muskatnuß hat nebenwirkungen (soll Leute geben, die nicht nur als Gewürz, sondern als Aufputschmittel nutzen), ein Todesfall ist dokumentiert… Nur mal als Beispiel. Es gibt einige Dinge, die wir essen und auch gut vertragen – bei entsprechender Verarbeitung aber fatale Wirkungen haben können… (gut, daß ich dieses buch nicht vor meiner SCheidung in die Hände bekam, könnten einem ganz komische Gedanken kommen…) [der Mann, der mir dieses Buch vor jahren schenkte, heiratet mich demnächst – oder ich ihn, iss egal – bei vollem Bewußtsein 😉 ]

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ich habe irgenwann einen Artikel gelesen über jemanden, der sich wissenschaftlich mit natürlichen Halluzinogenen auseinandergesetzt hat, also über Fliegenpilz Stechapfel und die anderen bekannten Stoffe hinaus. Muskatnuss war da übrigens auch dabei. Vermutlich sollte man sie nicht rauchen… 😀

  7. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Wenn sich das rumspricht, gibt’s in ganz Deutschland bald Flatrateparties der anderen Art: Rein Pflanzlich *g*

  8. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Dazu in diesem Zusammenhang: Ist auch pflanzlich

  9. Elmar Breitbach
    Anna schreibt

    Was wirk kann natürlich auch Nebenwirkungen haben, auf der Erde herrscht doch das Gesetzt der Dualität 😉
    Wann hört das endlich auf!??
    Man kann den Menschen nicht mit dem Tier vergleichen und mit hoher Konzentration wirk jeder Stoff wohl irgentwie schädlich. Von daher sind die s.g. Experimente für mich nicht aussagekräftig. Kanienchen vertragen Arsen z.B. im vergleich zum Menschen, wohingengen Aspirin (acetylsalizylsäure) tödlich wirkt. Bei allen Experimenten und Studien muss heute leider der Hintergrund erfragt werden. Wer gab die Experimente in Auftrag? Welche Lobby bzw. Geldgeber steht dahinter ?

  10. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Das hört dann auf, wenn es hilfen gibt, die nur wirken und nicht nebenwirken. Und was für den einen aussagekräftig ist, mag es für den anderen nicht sein. Interessant ist, dass die Schulmedizin sofort in den Ruch des Lobbyismus gerät, wenn sie die Naturheilkunde hinterfragt. Ein Totschlagargument.

  11. Elmar Breitbach
    Daniela schreibt

    Hallo Herr Breitbach,
    ist das die einzige Studie zur Mutagenität von Johanniskraut? Gibt es weitere Studien oder Metastudien?
    Ich bin mir unsicher, ob das "einlegen" von Spermien in Johanniskraut dasselbe ist wie eine Einnahme. Kann man wirklich von dieser Studie auf die Gefährlichkeit von Johanniskraut schließen?

  12. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Schwierig zu beantworten. Natürlich ist der Übertrag von Laborversuchen auf das "normale Leben" nicht 1:1 möglich, zumindest nicht immer. Letztlich kann man aus diesen Utersuchungen nur die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Kräutlein nicht immer ganz ungefährlich sind und man sich – wie bei jedem wirksamen Arzeinmittel – die Verwendung gut überlegen sollte.